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Weihnachtsmarkt in Flensburg : „Meine Gedanken sind in Berlin“

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Es geht um das Sicherheitsgefühl, das alle Standbetreiber und das Publikum umtreibt.

Am Montagabend gingen die schrecklichen Bilder von Berlin um die Welt. Einen Tag später fährt der Flensburger Gastronom Harald Dittmer zu seinem Stand auf dem Südermarkt. Mit einem mulmigen Gefühl, wie er bekennt. Weihnachtliche Stimmung will angesichts der tragischen Ereignisse nicht aufkommen. „Man feiert ein christliches Fest der Nächstenliebe – und dann das. Wir sind alle sehr bedrückt und gleichzeitig sensibilisiert“, sagt er und spricht damit die Gemeinschaft der Händler auf dem Südermarkt an. Er selbst betreibt das „Piratennest“, dort bietet er Punsch in allen Variationen an.

Es geht um das Sicherheitsgefühl, das heute alle umtreibt. Die Standbetreiber kennen sich seit vielen Jahren, sie halten fest zusammen. „Einer achtet auf den anderen“, verdeutlicht Harald Dittmer die Solidarität untereinander. Man müsse wachsam bleiben, allerdings dürfe das Misstrauen nicht überhand nehmen und irrationale Formen annehmen. Und er hofft, dass durch den terroristischen Anschlag nicht noch mehr böses Blut erzeugt werden möge. „Auch die Religionsgemeinschaften müssen zusammenstehen“, fordert der Flensburger. Man dürfe nach der Tat eines Einzelnen jetzt nicht den Kopf verlieren und neue Feindbilder erschaffen. Gleichwohl sieht er genau diese Gefahr.

Walter Braasch schenkt seinen Punsch sowohl in der Roten Straße als auch auf dem Holm aus. Und hat für die beklemmende Situation nur ein einziges Wort übrig: „Gruselig!“ Ein paar Meter weiter betreibt Torsten Rottschäfer zusammen mit drei Mitstreitern einen Hobbystand. „Am liebsten würde ich heute gar nicht aufmachen“, sagt er. In Gedanken sei er weit weg, in Berlin, bei den Opfern und deren Angehörigen. Er wirkt gleichzeitig entschlossen – mit einer Spur von Optimismus. Trotz der ernsten Lage. „Wir dürfen uns nicht einschüchtern lassen!“, sagt er bestimmt. Und am Ende, so ist er überzeugt, „wird die Liebe siegen“. Eine stärkere Polizeipräsenz in Flensburg, findet Torsten Rottschäfer, sei nicht zwingend nötig. „Man hätte einfach früher aufpassen müssen, wer ins Land kommt.“

Starke Sicherheitsvorkehrungen sind auch nach Überzeugung von Friederike Schmidt von der Tourismus-Agentur Flensburger Förde (TAFF), die den Weihnachtsmarkt veranstaltet, nicht angebracht. Man stehe im ständigen Dialog mit städtischen Behörden und der Polizei. Fazit: „Wir werden keine Einschränkungen, Absperrungen oder sonstigen drastischen Änderungen vornehmen“, erklärt sie. „Unsere Wahrnehmung ist, dass die Gäste eine Fortführung des Marktes in seiner jetzigen Form wünschen.“

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erstellt am 21.Dez.2016 | 05:11 Uhr

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