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Einbrüche in Glücksburg : „Mein Haus ist jetzt Fort Knox“

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die zunehmende Zahl an Einbrüchen beunruhigt die Glücksburger Bürger. Fast alle Stadtteile sind betroffen. Die Täter hebeln Fenster und Türen auf.

Flensburg | Zwei junge Männer mit Kapuzen über den Köpfen, zwischen 1,75 und 1,80 Meter groß, liefen zielstrebig auf ein Haus zu. Sie waren Sebastian T. (Name geändert) aufgefallen, als er abends unterwegs zu einem Freund war. Auf dem Nach-Hause-Weg stand die Polizei vor dem Grundstück, auf das die Kapuzenmänner gegangen waren. In das Haus war eingebrochen worden. Ein paar Tage später bemerkte Sebastian T. an seinem eigenen Haus Einbruchsspuren. Mit einer Brechstange war versucht worden, ein Fenster zu öffnen. Der Rahmen war beschädigt, das Fenster jedoch zugeblieben.

Die Dichte an Einbrüchen in Glücksburg hat zugenommen. Jeder kennt jemanden, bei dem es passiert ist. Die Bürger sind extrem vorsichtig geworden. Keiner möchte mit Namen genannt werden, doch alle haben etwas zu erzählen.

Seit Anfang des Jahres ist die Polizei bereits in fast alle Gegenden der 6000-Einwohner-Stadt wegen Einbrüchen gerufen worden: Pferdekoppel, Kobbellück, Am Leuchtturm, Oeselstraße, Bergstraße, Schausender Weg, um nur einige zu nennen. Die Kriminalstatistik, die die Polizei soeben für Schleswig-Holstein vorgelegt hat, gibt die Zunahme an Einbrüchen von 2015 gegenüber dem Vorjahr mit 12,3 Prozent an. Die Pressesprecherin der Polizei in Flensburg, Franziska Jurga, erwartet die Zahlen für Glücksburg und den Kreis in dieser Woche. Es ist anzunehmen, dass die Region im allgemeinen negativen Trend liegt – auch im ländlichen Raum eine deutliche Zunahme an Einbrüchen.

Die Einbrüche ähneln sich. Die Betroffenen berichten von eingeschlagenen oder aufgehebelten Fenstern und Türen. „Nicht sehr professionell“, lautet das einhellige Urteil. Meistens wurde nur Schmuck oder Bargeld entwendet, selten mal ein Computer – wie i vergangenen Herbst im Glücksburger Tennisclub. „Alles, was glitzert – auch Modeschmuck fehlt“, berichtet Petra Wetterau. Bei ihr waren die Einbrecher durch ein Fenster im Souterrain gestiegen, hinterließen nicht mal Fußspuren, dafür aber eine durchwühlte Kommode im Schlafzimmer. „Eigentlich waren es liebe Diebe“, sagt ein anderer Betroffener. „Die haben nichts verwüstet und außer dem Fenster auch nichts kaputt gemacht.“

Privat sei auch sie sehr beunruhigt, sagt Bürgermeisterin Kristina Franke. Einer der Einbrüche fand in ihrer Straße statt. Dennoch meint sie, dass die Einbruchsserie nicht Thema Nr. 1 in Glücksburg sei. „Das ist das Intermar oder Schwennauhof.“

Das Bedürfnis nach Sicherheit ist enorm gestiegen. „Mein Haus ist jetzt Fort Knox“, sagt eine Krankengymnastin aus Sandwig. Nach einem versuchten Einbruch in ihre Praxis ließ sie ihre Eingangstür mit einem zusätzlichen Hebel verstärken. Die Alarmanlage schaltet sie auch bei kurzer Abwesenheit ein.

Für Beratung zu Sicherheitssystemen sei sie nicht zuständig, habe die Polizei ihm gesagt, erklärt ein Einbruchsopfer. „Die haben mich an einen Fachbetrieb im Westen Flensburgs verwiesen.“ Überhaupt scheint der, der die Polizei ruft, zur Zeit etwas mehr Geduld zu brauchen. Ihm haben Diebe die Heckscheibe vom Auto eingeschlagen, erzählt ein anderer Glücksburger. Was dann passierte, wird im Folgenden verkürzt zitiert: „Ich wählte die 110. Man bat mich, wegen aktueller Überlastung zur Polizeistation nach Glücksburg zu fahren. Dort hing ein Zettel, ich möge die 110 anrufen. Dann sollte ich nach Flensburg zum 1. Polizeirevier fahren. Dort gab es eine Dienstbesprechung; ich musste eineinhalb Stunden warten und wurde sehr unfreundlich behandelt. Das Auto wurde nicht nach Spuren untersucht. Nach Wochen erhielt ich eine Mitteilung, dass das Verfahren eingestellt wurde, weil kein Täter ermittelt werden konnte.“ Immerhin habe nach einem Beschwerdebrief an den Innenminister Stefan Studt aber der Leiter der Flensburger Polizeidirektion bei ihm angerufen. „Er hat sich entschuldigt.“

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