Flensburg Fruerlund und Mürwik : Mehr Schutzstreifen statt Radwege

Zu schmal, schlechter Zustand: Radweg an der Mürwiker Straße.
Zu schmal, schlechter Zustand: Radweg an der Mürwiker Straße.

An der gesamten Mürwiker Straße sollen die Radwege abgeschafft werden.

shz.de von
21. September 2017, 07:12 Uhr

Die gesamte Mürwiker Straße von der Bismarckbrücke bis zur Osterallee soll nach den aktuellen Plänen der Stadt künftig Schutzstreifen als Ersatz für die maroden Radwege erhalten, die zu den schlechtesten in ganz Flensburg gehören. Das sieht der Vorentwurf des Hamburger Planungsbüros SBI vor; der Umwelt- und Planungsausschuss hat Dienstag beschlossen, ihn in dieser Form in den Investitionsplan aufzunehmen. Eine Diskussion fand nicht statt.

Schutzstreifen für Radfahrer sind in Flensburg schwer im Kommen. Seit rund zwei Jahren können Radler auf der Fördestraße vom Twedter Plack stadteinwärts bis zum Osbektalweg auf einem 1,50 Meter breiten Straßenstück fahren, das durch eine unterbrochene Linie vom Rest der Straße abgetrennt ist. Für Autofahrer bedeutet es, dass sie den Streifen befahren dürfen, wenn dort keine Radler unterwegs sind. Auf keinen Fall darf der Streifen in umgekehrter Fahrtrichtung benutzt werden. Für die Fahrzeuge verbleiben 5,50 Meter.

Doch für viele Radfahrer – vor allem junge und alte – ist diese Art der Radwegeführung gewöhnungsbedürftig. Zum einen fährt man auf der Straße und nicht auf einem baulich abgetrennten Radweg, der ein höheres Sicherheitsgefühl vermittelt. Zum anderen führt ein Schutzstreifen oft an parkenden Fahrzeugen vorbei; öffnet ein Autofahrer unvermittelt die Fahrertür und übersieht dabei einen von hinten nahenden Radfahrer, drohen schwere Unfälle. Diese Situation besteht an der Fördestraße, aber auch am Schottweg Richtung Friedheim. Auch an der Mürwiker Streifen soll der geplante Schutzstreifen, der auch von allen Kindern ab elf Jahren zu benutzen ist, zum Teil an parkenden Fahrzeugen entlang führen.

Der Grund für die Aufgabe des Radwegs an dieser Straße ist rechtlicher Natur: Ein Radweg ist benutzungspflichtig. Diese Benutzungspflicht darf eine Kommune jedoch nur anordnen, wenn der Radweg den gesetzlichen Mindeststandards entspricht. Das ist an der Mürwiker Straße nicht mehr der Fall, teilte die Pressestelle des Rathauses gestern mit. Und für den Bau neuer, regelkonformer Radwege fehle schlicht der Platz. Zudem seien baulich getrennte Radwege nach dem Regelwerk ERA 2010 (Empfehlungen für Radverkehrsanlagen) erst ab 18  000 Autos in 24 Stunden erforderlich; an der Mürwiker Straße seien aber „nur“ 8000 bis 10  000 unterwegs.

Doch die Planung für das 2000 Meter lange Straßenstück zwischen Kelmstraße und Bismarckstraße, für das 1,5 Millionen Euro vorgesehen sind, birgt weitere Neuerungen. So sind an einigen Stellen Mittelinseln vorgesehen, die das Überqueren der Straße erleichtern und den Autoverkehr abbremsen. Auf dem Teilstück zwischen Fichtestraße/Finisberg und Ziegeleistraße sehen die Planer einen „niveaugleichen Multifunktionsstreifen“ in der Mitte der Straße vor. Auch er soll das Queren erleichtern, darf aber auch von Autos benutzt werden, etwa wenn die Straße durch Busse oder Müllautos blockiert ist und wenn ein Autofahrer links abbiegen will.

Auf dem Teilstück von der Seewarte bis zur Osterallee wird der Schutzstreifen zu einem Radfahrstreifen; der ist 1,85 Meter breit und durch eine durchgezogene Linie abgetrennt. Dafür fallen aber zwischen Blücherstraße und Osterallee zwei der vier Fahrspuren für Autos weg. Auch im Tunnel der Ziegeleistraße soll eine der beiden Spuren Richtung Twedter Plack entfallen. An der Ampel Blücherstraße/Swinemünder Straße gibt es dann nur noch eine Geradeausspur.

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