Mittelangeln : Mehr Rüben, weniger Geld

Die Rübenernte 2017 war gut – nur der Ertrag für die Bauern ließ zu wünschen übrig.
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Die Rübenernte 2017 war gut – nur der Ertrag für die Bauern ließ zu wünschen übrig.

Geringerer Zuckergehalt und Weltmarkt drückt die Preise.

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09. Februar 2018, 13:15 Uhr

Schlechtes Wetter und das Ende der Quotenregelung hat das Ergebnis der Rübenernte 2017 geprägt. Mit besonderem Interesse schauten deshalb Angelns Rübenbauern der Winterversammlung des Zuckerrübenanbauerverbandes Schleswig-Holstein im Satrup Krog entgegen. In den vergangenen Jahren war ihnen durch die Zuckerquote das Erntegeld einigermaßen kalkulierbar. Die Quotenregelung ist aber im Oktober 2017 ausgelaufen. Der Preis des Zuckers, der aus den 2017 geernteten Rüben gewonnen wird, unterliegt also nicht mehr der Quotenregelung. Statt der bisherigen Sicherheit herrschen nun also die Regeln von Angebot und Nachfrage – und auch die Landwirte in Angeln müssen sich mir ihren Rüben den allgemeinen Preisentwicklungen stellen und auf dem Weltmarkt behaupten.

Das allein war schon Herausforderung genug, im vergangenen Jahr kam auch noch die ungünstige Witterung hinzu: Die Feuchtigkeit behinderte den Wuchs der Früchte. Glück im Unglück: Die Rübe bewies wieder einmal ihre Robustheit. Mit 13,3 Tonnen Zucker je Hektar lag das Ergebnis noch um drei Prozent über dem langjährigen Mittelwert – aber eben auch um 3,6 Prozent unter dem Vorjahreswert. Der Rübenertrag lag bei 78 Tonnen je Hektar. Das sind 4,7 Prozent mehr als im Vorjahr.

Der geringere Zuckergehalt und der Welt-Zuckermarkt mit einem zu hohen Angebot beeinflusst natürlich auch die Preise – und zwar deutlich nach unten. Pro Hektar lag der Ernteertrag zwar deutlich höher als im Vorjahr, unter dem Strich aber spült die Ernte 600 Euro weniger in die Kasse. Für die Rübenanbauer in Angeln bedeutet das einen durchschnittlichen Einnahmerückgang von rund 8000 Euro.

Der Preis pro Tonne Rüben wird um etwa fünf Euro unter dem des Vorjahres liegen. Trotz dieser Zahlen sieht Matthias Schulte von der Nordzucker AG gute Perspektiven für die Rübenanbauer. Seine Hoffnung gründet sich auf die steigende Zuckernachfrage in Asien, Afrika und Lateinamerika – und entsprechend höhere Preise.

Diese Perspektive sei insbesondere für die Nordzucker AG eine Herausforderung, neue Märkte und Absatzgebiete zu erschließen, denn der Wegfall der Quotenregelung hat auch die Schranken für den Zucker-Export aus der EU erleichtert.

Neue Märkte gibt es auch bei uns zu erschließen. Für die Öko-Rübe sieht die Nordzucker AG einen interessanten Markt. Im vergangenen Jahr hat das Unternehmen mit der Produktion von Bio-Zucker begonnen und dafür 150 000 Tonnen Rüben verarbeitet – von denen allerdings rund 90 Prozent importiert werden mussten. „Wir suchen händeringend Anbauflächen für Öko-Rüben“, motivierte Matthias Schulte die Rübenbauer, in den ökologischen Anbau einzusteigen. Die Produktion von Zucker aus ökologisch angebauten Rüben ist lohnend.

Dass der Rübenanbau unter ganz speziellen Problemen leidet, machten der Geschäftsführer des Zuckerrübenanbauerverbandes Stefan Büsching und Georg Sander von der Nordzucker deutlich – es gibt zu wenige Lkw-Fahrer, die im Herbst die Zuckerrüben nach Uelzen transportieren. Der Verband stellt bereits 1500 Euro für den Erwerb des Führerscheins bereit, wenn sich der Führerschein-Inhaber verpflichtet, im Herbst für den Rübentransport zur Verfügung zu stehen.

Hier zeigt sich die Problematik der einseitigen Ausrichtung des Transportes über die Straße. Früher wurden die Rüben aus Angeln fast ausschließlich mit der Bahn zur Zuckerfabrik nach Schleswig transportiert. Nun wird die viel weitere Strecke nach Uelzen ausschließlich per Lkw angefahren.

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