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U-Boot-Kalender aus Flensburg : Mehr Pep mit Pin-ups bei der Marine

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der Flensburger Björn Biel hat Hobby-Models im U-Boot-Ambiente abgelichtet – seine Kalender finden weltweit Verbreitung

shz.de von
erstellt am 27.Mai.2017 | 08:42 Uhr

Das Leben einer U-Boot-Besatzung ist hart. Kein Sonnenlicht, kalte Neonröhren, eingepfercht auf engstem Raum. Fern der Heimat. Doch nach Wochen kärglichen Lebens unter Wasser lässt die stolze Mannschaft es auch gern mal krachen. Die Soldaten gelten als die „Rock’n’Roller“ unter den Marine-Einheiten. Und damit ihnen das Leben während eines Tauchgangs (oder danach) ein bisschen versüßt wird, verfiel ein Mann namens Björn Biel auf eine glänzende „Schnapsidee“.

Der 43-Jährige ist Fachkraft für Arbeitssicherheit bei der Bundeswehr, hat als Zivilangestellter auch beim U-Boot-Geschwader in Eckernförde gearbeitet und schon immer ein Faible für die Pin-up-Fotografie der 40er und 50er Jahre gehabt. Man erinnere sich etwa an die Vintage Aircraft Nose Art, bei der die Nasen der Flugzeuge von US-Soldaten mehr oder minder kunstvoll verziert wurden oder an die Warbird-Pin-up-Girls. Eine Quelle der Inspiration für Björn Biel. „Ich mag diesen Retro-Stil“, sagt er, „und dachte mir, man könnte die Motivation im Geschwader mit entsprechenden Bildern anheizen.“

Der Hobby-Fotograf, der nur im Besitz einer einfachen Bridge-Kamera war, unterbreitete seine Ambitionen, junge Frauen aus der Rockabilly-Szene in, auf, neben oder vor U-Booten in Szene zu setzen, dem Kommandeur – und erhielt tatsächlich eine Genehmigung, auf der Pier des Marinestützpunktes Eckernförde die Hobby-Models im Ambiente modernster U-Boote zu fotografieren. Exklusiv! So entstand 2013 der erste Submarine Pin-up-Kalender.

Nicht ohne Auflagen, versteht sich. Jede einzelne Abbildung wurde vom Sicherheitsoffizier abgenommen. Dann aber gab es einen empfindlichen Rückschlag: Ein „Entscheider“ aus der Admiralität wurde hellhörig und fragte nach, ob mit den Shootings denn alles seine Ordnung habe. „Keine Ahnung, ob zu viel nackte Haut eine Rolle spielte, jedenfalls wurde ich gebeten“, so Biel, „den Verkauf der Kalender einzustellen.

Das Verbotene übt stets einen besonderen Reiz aus – und so wuchs die Nachfrage beständig. Björn Biel wurde nicht müde zu betonen, dass „dieser schöne bunte Kalender“ doch eine besondere Form der Nachwuchswerbung und Öffentlichkeitsarbeit sei. Wenig später durfte er weitermachen. Der Kalender 2014 entstand –mit heißer Nadel gestrickt.

Der Durchbruch gelang Biel, als seine Facebook-Seite (submarine pin-up) an den Start ging. „Ich bekam Zuspruch aus aller Welt“, sagt der vom Feedback überwältigte Flensburger. Er schaffte sich von den Erlösen eine Spiegelreflexkamera an, vernetzte sich mit U-Boot-Communitys weltweit. Das Projekt entwickelte eine enorme Eigendynamik. Es gab Anfragen aus Italien, Brasilien, Kolumbien. „Nach Models musste ich nicht mehr suchen – Bewerbungen kamen aus ganz Deutschland.“ Inzwischen räkeln sich die Beautys nicht nur auf U-Booten, sondern auch auf automobilen Oldtimern wie Chevrolet, Austin Healey oder einem Ford A. Und als Biel begann, das textile Element zu reduzieren, kamen auch Japan und Taiwan auf den Geschmack. Dem wurde mit einer „Far-East“-Ausgabe Rechnung getragen. 2015 publizierte Biel zwei Auflagen: die (seriöse) Admiral’s und die (aufreizendere) Sailor’s Edition. Da blickt eine Weihnachtsfrau erwartungsfroh aus dem Torpedorohr, blaue Haare flattern im Wind, rote Lippen blenden den Betrachter. In diesem Jahr ist eine Lady’s Edition mit strammen Kerlen erschienen, auch T-Shirts, Seesäcke und Kaffeetassen mit dem Firmenlogo. Biel kann auf 25  000 Bilddateien zurückgreifen. Sein Weg, da ist er sich sicher, wird nicht aufzuhalten sein. „Niemand wird das mehr torpedieren.“


>www.navy-pinups.de

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