Niesgrau : Mehr Milch für die Meierei

Betriebschef Jens-Meinert Jensen (l.) und seine „rechte Hand“ Petra Jensen füllen die frische Milch in Tretrapacks.
Betriebschef Jens-Meinert Jensen (l.) und seine „rechte Hand“ Petra Jensen füllen die frische Milch in Tretrapacks.

„Angeln-Milch“ hat sich erfolgreich am Markt behauptet. Das Unternehmen arbeitet eng mit benachbarten Landwirten zusammen.

shz.de von
17. November 2017, 13:00 Uhr

„Frische Vollmilch von hier aus Angeln“, so lautet seit fast 15 Jahren das Motto der Brüder Dirk Ove (54) und Jens-Meinert Jensen (49), die als Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) unter der Firmen-Bezeichnung „Angeln-Milch“ in Niesgrau eine erfolgreiche Hofmeierei betreiben – die einzige ihrer Art weit und breit. Die relativ kleine Produktionsstätte erwies sich als krisenfest, als in jüngster Vergangenheit viele Milchbauern wegen der niedrigen Erzeugerpreise um ihre Existenz fürchten mussten. Die Idee der Selbstvermarktung mit einem festen Kundenstamm aus der Region trägt Früchte.

Derzeit fungiert der Landwirt Jens-Meinert Jensen als Geschäftsführer des Familienunternehmens. Sein älterer Bruder ist zwar weiterhin Miteigentümer, bewirtschaftet jedoch inzwischen einen Bio-Bauernhof in Niedersachsen. In Niesgrau arbeitet – sozusagen „als rechte Hand“ des Chefs – die studierte Kunsthistorikerin Petra Jensen aus Westerholm im Büro und im Produktionsablauf mit. Das Firmentrio komplettiert Günther Budde aus Flatzby.

Angrenzend an das Meiereigebäude befindet sich ein weiträumiger Boxenlaufstall, in dem 70 Milchkühe darauf warten, zwei Mal täglich gemolken zu werden. Die Kühe werden artgerecht gehalten und gefüttert. Sie können sich im modernen Stall frei bewegen und bekommen viel frische Luft. Seit 2010 ist der Stall an die Koppelhecker Betriebs-GbR der Landwirte Klaus-Hinrich und Björn Rohr verpachtet. Ihnen gehören alle Tiere. Pro Woche liefern sie rund 7000 Liter Rohmilch für die Hofmolkerei.

Und so sieht der an zwei Tagen pro Woche übliche Ablauf in der Produktionsstätte aus: Aus dem Tank durchläuft die Milch bei der Verarbeitung zuerst die Pasteurisier-Anlage, in der sie 30 Sekunden lang auf fast 73 Grad erhitzt wird, dann den Homogenisator und gelangt danach in die Milchabfüllanlagen für die Verpackung, ehe die Ware den Kühlraum erreicht. Ihr Fettgehalt: mindestens 3,8 Prozent.

Ausgeliefert werden die Ein-Liter-Tetrapacks und die 10-Liter-Schläuche für Großküchen mit zwei Kühltransportern zu Kunden in Angeln sowie im Flensburger und Kieler Raum. Meinert Jensen ist stolz darauf, dass es inzwischen schon 120 Anlaufstellen gibt – von Lebensmittelläden und Kindergärten über Pflegeheime und Bäckereien bis hin zu Schulen und Eisdielen.

Neu ist seit einem Monat nicht nur das freundliche Grün am Unterteil der Packs, mit dem das Qualitätszeichen „klimaneutral“ zum Ausdruck kommt. Die Jensens setzen sich finanziell dafür ein, dass über Angeln hinaus weltweit die CO2-Belastung reduziert wird. Zudem wird jetzt bei den Tetrapacks kein Drehverschluss aus Kunststoff mehr verwendet. Stattdessen hat die Milchtüte einen umweltschonenden Klappmechanismus aus Pappe.

„Wir haben uns am Markt behauptet und noch Kapazitäten frei,“ sagt Betriebschef Jens-Meinert Jensen. „Ein großer Vorteil ist für uns, dass wir kurze Wege bei der Milchverarbeitung haben.“ Seinen Überlegungen zufolge könnte die zu verarbeitende Milchmenge sogar noch verdoppelt werden. Aus diesem Grund will er sich auf die Suche nach einem weiteren Milchbauern aus Angeln machen, der – wie die GbR Rohr aus Koppelheck – die gesamte erzeugte Rohmilch nach Niesgrau in die Hofmolkerei liefert. „Vielleicht meldet sich ja einer“, sagt der Meierei-Chef.

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