Kulturausschuss Flensburg : Mehr Kultur für junge Menschen

Spielt Gitarre und schreibt Kurzgeschichten: Andreas Rothgaenger in den stillgelegten Gleisen am Hafenostufer.
1 von 2
Spielt Gitarre und schreibt Kurzgeschichten: Andreas Rothgaenger in den stillgelegten Gleisen am Hafenostufer.

Andreas Rothgaenger sieht Kultur und Stadtgeschichte als wichtigen Tourismus-Magneten für Flensburg

shz.de von
20. Juli 2018, 06:19 Uhr

Die halbe Ratsversammlung ist neu, es gibt viele frische Gesichter in den Ausschüssen: Das Tageblatt nimmt dies zum Anlass, die neuen Gremien mit ihren Vorsitzenden und Mitgliedern vorzustellen. Heute im letzten Teil der Serie: Andreas Rothgaenger (45/Projektleiter aus Fruerlund) von der WiF leitet den Kulturausschuss.

Was hat Sie für den Vorsitz im Ausschuss für Kultur und Tourismus motiviert?

2008 stieg ich als politisch unbeschriebener Flensburger in die Kommunalpolitik ein. Als Aufsichtsratsmitglied habe ich bis 2013 einen umfassenden Einblick in die touristischen Aktivitäten unserer Region erhalten. Schwerpunkt war dabei stets die wirtschaftliche Betrachtung. Kultur nahm damals einen aus meiner Wahrnehmung heraus fälschlicherweise geringen Stellenwert ein. Die Kultur und Stadtgeschichte des Oberzentrums Flensburg ist neben den Anlaufpunkten der gesamten Region Sønderjylland der Tourismus-Magnet für unsere Stadt. Flensburg profitiert signifikant von der positiven Wirkung, die aus der Anerkennung der südlichen Schleiregion von Dannewerk und Haithabu durch die Unesco als Weltkulturerbe hervorgeht. Kultur und Tourismus bilden gemeinsam einen der bedeutendsten Standortfaktoren. Insofern ist der Ausschuss für Kultur und Tourismus einer der wichtigsten Weichensteller und Richtungsweiser für Flensburg und die Region Sønderjylland.

Wo in diesem Feld wollen Sie in der neuen Wahlperiode Schwerpunkte setzen?

Im Rahmen der Kommunalwahl sprachen mich insbesondere jüngere Wähler an. Sie wünschten sich eine attraktivere, lebendige, maritime Kultur- und Partyszene entlang des Hafens. Ich wurde gefragt, warum Kommunalpolitik es nicht vermag, derart einfache Wünsche „normaler Bürger“ zu planen und in die Realität zu überführen. Ich bin sicher, ein solcher Wunsch bedient einen ganz neuen Kreis kulturell interessierter, junger Menschen. Gleichwohl liegen mir ebenso die mit Engagement und Herzblut geschaffenen, kulturellen Errungenschaften am Herzen.

Was waren in der abgelaufenen Wahlperiode die entscheidenden Themen?

Die internationale Ausrichtung der Landesgartenschau sowie die Ausrichtung der Grenzziehung von 1920 im Rahmen von „Flensburg 2020“ bildeten zuletzt in der Öffentlichkeit die dominierenden Themen. Nach meiner Wahrnehmung waren die Zukunft des Schlachthofs und die des Kühlhauses als langfristig ausgelegte kulturelle Projekte mit enormer sozialer Wirkungskraft mindestens ebenso wichtig. Die Niederdeutsche Bühne gehört ebenso zur Flensburger Kulturszene wie der Fischereihafen. Selbst der Wirtschaftshafen besitzt einen unschätzbaren Einfluss auf Kultur und Tourismus. Ein entscheidendes Thema war sicherlich der Ausbau der Zusammenarbeit insbesondere mit unseren dänischen Freunden.

Was wurde aus Ihrer Sicht erreicht, was nicht?

Trotz begrenzter Finanzmittel ist es gelungen, die Vielfalt und kulturelle Qualität weitestgehend zu erhalten. In der Kultur wurden zu oft Klientel-Interessen in den Vordergrund gestellt, ohne den tatsächlichen Nutzerkreis und -bedarf sachlich und realistisch zu hinterfragen. Im Tourismus hat es viel zu lange gedauert, bis es zum praktischen Wirken der lokalen Tourismus-Organisation und zu einem überregional Mehrwert kam. Bis heute ist es nicht ausreichend gelungen, die Aktivitäten rund um Tourismus und Kultur gemeinsam auszuweiten.

Wie passen in diesem Ausschuss die Themen Kultur und Tourismus zusammen?

In meinem ersten Vorbereitungsgespräch mit der Stadtverwaltung äußerte ich bereits meine Verwunderung zu diesem Punkt. Der Teil-Name des Ausschusses „Tourismus“ reduziert sich derzeit auf einen Kulturausschuss zum Jahresende, in dem der Geschäftsführer der Taff aus den touristischen Aktivitäten berichtet.

Welche Kulturangebote sollte Flensburg künftig besonders stärken und ausbauen?

Bei etwa 15 000 Kindern und Jugendlichen in unserer Bildungsstadt mit mehr als 9000 Studierenden erscheint mir das kulturelle Angebot als anpassungs- beziehungsweise steigerungsfähig. Insbesondere für diesen Nutzerkreis haben wir den Zugang zu kulturellen Angeboten zu erleichtern.

zur Startseite
Karte

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen