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Flensburger Tageblatt

13. Dezember 2017 | 19:51 Uhr

Flensburg wächst : Mehr Jobs, mehr Wohnungen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Oberbürgermeister Simon Faber bittet um Verständnis für Wohngebietsplanungen und plädiert für ein hohes Tempo / Zweiter Teil des Interviews

shz.de von
erstellt am 16.Okt.2013 | 06:00 Uhr

Vor dem Hintergrund des erklärten Zieles „Flensburg wächst“ äußert sich Oberbürgermeister Simon Faber zu aktuellen und künftigen Wohngebietsplanungen, zu den Chancen der Innenstadt und zu Arbeitsplätzen.

Besteht nicht die Gefahr, dass bei der intensiven Nachverdichtung bestehender Nutzungen die Lebensbedingungen für die Menschen, die schon lange hier leben, verschlechtert werden?

Darauf muss man achten. Das kommende Baugebiet am Wasserturm ist so ein Beispiel. Was bedeutet das für die Nachbarn? Vielleicht mehr Lärm und verkehrliche Belastungen als die heutigen Schrebergärten, was die Anwohner dann vielleicht erdulden müssen. Dem gegenüber stellen muss man das Thema Flächenverbrauch. Kann das dazu führen, dass wir sagen, wir verbrauchen immer mehr Fläche an der Peripherie, weil wir uns solchen Diskussionen nicht stellen wollen? Es ist oft möglich, durch die vielen Teilschritte eines Planungsverfahrens solche Probleme zu entschärfen. Darauf verwenden unsere Leute ja viel Mühe. Doch um es auf den Punkt zu bringen: Wer sich dafür entscheidet, in einer Stadt zu leben, muss sicher auch damit leben, dass sie sich immer wieder verändert, neu anpasst, dass Verkehrsströme heute anders fließen als noch vor zehn Jahren. Da bitte ich alle ein Stück weit um Verständnis und Toleranz, denn anders wird es nicht gehen und anders war’s auch noch nie.

Eines noch: Wichtig ist die Kooperation mit dem Umland, denn auch in den Nachbargemeinden muss Wohnraum-Entwicklung möglich sein. Das sind sehr komplizierte Verhandlungen über Wohnkontingente und mögliche Ausgleichszahlungen. Je mehr wir in Flensburg und dem ersten Siedlungsring ermöglichen, umso besser für uns alle, die Infrastruktur wird besser ausgelastet, hier haben wir das Arbeitskräftepotenzial.

Bei welcher Art von Wohnraum gibt es den größten Bedarf?

Wenn wir der Bevölkerungsvorausberechnung des Landes Glauben schenken, gibt es einen Neubaubedarf von knapp 5000 Wohneinheiten bis 2020. Bis 2016 wollen wir davon 3000 realisieren. Wir brauchen dabei die gute Mischung von allem: In erster Linie ist im Sinne der Attraktivierung der Innenstadt der Geschosswohnungsbau gefragt, in Stadterneuerungsgebieten, aber auch in Mischgebieten wie an der Osterallee. Der Bau von Einfamilienhäusern darf dabei aber natürlich auch nicht zu kurz kommen. Ganz wichtig: Wir müssen das Tempo halten und die vereinbarten Quoten in Flensburg erfüllen, sonst bekommen wir Probleme mit den Umlandgemeinden.

Warum hat es für den Weiterbau nach K8 noch keine Verhandlungen über den Ankauf notwendiger Flächen gegeben?

Tarup Südost war und ist politisch sehr umstritten. Deshalb war es lange Zeit noch nicht angezeigt, seriöse Kaufverhandlungen zu führen. Das hat zu gewissen Verzögerungen geführt. Wir werden der Ratsversammlung demnächst Vorschläge machen, wie wir in absehbarer Zeit diese Kaufverhandlungen wieder aufnehmen können.

Stellt die wachsende Stadt Flensburg ausreichend Arbeitsplätze zur Verfügung?

Ich glaube, sehr viel hängt davon ab, dass Entwicklungen sich gegenseitig unterstützen. Stellen wir Wohnraum bereit, werden wir als wachsende Stadt wahrgenommen, werden auch Unternehmen sich eher dafür entscheiden, hier aufzustocken und nicht woanders. Ich erinnere an die Fahrzeugbau-Gesellschaft, die sich entschieden hat, auf dem Altgelände Danfoss aufzustocken. Dass wir das Thema Wirtschaftsförderung intensivieren wollen, ist ein wesentlicher Punkt. Sind unsere Verwaltungsabläufe so sportlich wie sie sein müssten? Nein, sind sie noch nicht. Deswegen die Einsetzung der Wirtschaftsreferentin. Als nächstes streben wir die Zertifizierung als mittelstandsfreundliche Kommune an. Zudem ist die Wireg mit dem neuen Geschäftsführer in einem Strategieprozess. Ein wesentliches Ziel ist dabei auch so etwas Unspektakuläres wie die Bestandspflege.

Woher kommen all die Neubürger?

Ein Großteil kommt aus dem Konzentrationsprozess der Region; da gibt es einen starken Trend in die Stadt. Dazu kommen ausbildungsbedingte Zuzüge, vor allem natürlich durch die beiden Hochschulen.

Wie schafft es unsere Innenstadt, sich gegen die wachsende Konkurrenz am Stadtrand zu halten?

Unsere Innenstadt hat eine starke Frequenz und einen hohen Zuspruch. Meine Wahrnehmung ist, dass sie in den letzten Jahren eher noch gestiegen ist. Die Nachfrage scheint sich gut zu entwickeln. Auch die Investitionsbereitschaft ist in der Innenstadt eher gestiegen als gefallen. Ich erinnere nur an das neue Karstadt-Parkhaus. Wir sind in den Vorbereitungen zu einer PACT-II-Maßnahme, die das Thema Marketing und Management für die Innenstadt stärken soll. Das Ziel muss sein, noch mehr überregionale Kaufkraft zu binden; in der Stadt und im ersten Siedlungsring sind wir an der Grenze, da ist nicht mehr viel zu holen. Der Grenzhandel bleibt uns auf absehbare Zeit erhalten, auch wenn die dänische Konsumentensteuer bei dem einen oder anderen Produkt gesenkt wurde oder wird.

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