Bilanz in Flensburg : Mehr Geld trotz weniger Kohle

Keine dunklen Wolken: Die Stadtwerke blicken auf ein gutes Jahr 2017 zurück.
Keine dunklen Wolken: Die Stadtwerke blicken auf ein gutes Jahr 2017 zurück.

Stadtwerke erzielen 11-Millionen-Gewinn in 2017: Erstes vollständiges Jahr für den neuen Kessel 12

shz.de von
08. Juni 2018, 06:51 Uhr

Das Ergebnis für 2017 lässt sich sehen: 11,3 Millionen Euro nach Steuern. Da darf man schon mal mit einem breiten Grinsen vor die Presse treten. Maik Render, Geschäftsführer der Stadtwerke, hatte noch mehr gute Zahlen parat. Für die Euphoriebremse ist der Aufsichtsrat zuständig: Man dürfe angesichts des Überschusses nicht übermütig werden, mahnte Rolf Helgert.

Denn es gibt auch eine nicht so schöne Zahl: 128 Millionen Euro Schulden haben die Stadtwerke. Das Geld hat sich der Energieversorger geliehen, um über Jahre den Kessel 12 zu bauen, der 2017 das erste Jahr komplett zur Verfügung stand und mit Erdgas befeuert wird. Er habe einen Wirkungsgrad von 92 Prozent und macht die Stadtwerke erheblich flexibler als bisher. In ein paar Tagen wird die Kohle für mindestens acht Wochen komplett eingemottet, dann stellen die Stadtwerke im Sommer komplett auf Gas um. Der Kessel 12 macht die Verbrennung von 90 000 Tonnen Kohle überflüssig.

Der Stromabsatz ging 2017 leicht zurück auf 1530 Gigawattstunden. Davon gehen jedoch 80 Prozent an externe Kunden; nur etwa 270 Gwh werden auf dem Heimatmarkt abgesetzt. Der Absatz an Fernwärme lag 2017 mit 976 Gigawattstunden im Durchschnitt; wenn es richtig kalt wird, steigt er schon mal auf 1117. Am konstantesten ist der Verbrauch von Wasser: Er lag 2017 mit 4,8 Millionen Kubikmeter exakt auf dem gleichen Niveau wie im Jahr davor.

Die Einnahmen im Bereich TK (Telekommunikation) konnte man 2017 noch fast vernachlässigen. Zu jung ist das Geschäft damit. Die Kosten sind allerdings erheblich: Auch in diesem Jahr lassen sich die Stadtwerke den Aufbau eines stadtweiten Glasfasernetzes zehn Millionen Euro kosten. Es gibt zwar schon über 2600 Kunden, aber die Vermarktung sei „ein schweres Geschäft“, so Render, weil man in einem „harten Wettbewerb“ stehe. Unterschätzt habe man die langen Kündigungsfristen, die viele Kunden bei ihren bisherigen Anbietern haben. Dafür können die Stadtwerke dann aber viele Jahre mit den Einnahmen rechnen.

Im Rathaus freut man sich über die guten Zahlen der Stadtwerke – und schielt auf den Gewinn. Drei Millionen fließen für 2017 in den Haushalt der Stadt, für dieses Jahr sind gar vier geplant. „Für uns ist klar“, sagt Aufsichtsratsvorsitzender Helgert, „das Geld muss im Unternehmen bleiben. Ein Ausbluten der Stadtwerke muss unterbleiben.“ Render erinnert daran, dass die Stadt Flensburg – anders als andere Städte – nichts für den Aufbau eines Glasfasernetzes zahlen muss. Rolf Helgert: „Wir müssen die Waage halten.“

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