Jobcenter Flensburg 2017 : Mehr Flüchtlinge – weniger Geld

Claudia Remark leitet das Jobcenter seit dessen Start 2005.
Claudia Remark leitet das Jobcenter seit dessen Start 2005.

Obwohl das Jobcenter seit der großen Migrationswelle stetig steigende Zahlen verzeichnet, schrumpft der Etat für die Integration

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03. Januar 2018, 06:48 Uhr

Obwohl die Konjunktur brummt, zahlreiche Unternehmen händeringend Fachkräfte und auch Aushilfen suchen, wächst die Zahl der Kunden des Flensburger Jobcenters. Grund ist fast ausschließlich ein Sondereffekt: Die in der Stadt lebenden Flüchtlinge, von denen ein Großteil im Zuge der großen Migrationswelle von Herbst und Winter 2015/2016 nach Flensburg kam und die im abgelaufenen Jahr Kunden des Jobcenters wurden. Jobcenter-Chefin Claudia-Remark berichtete im Tageblatt-Gespräch, dass die Zahl der Ausländer sich in den gut zwei Jahren zwischen Oktober 2015 und Jahresende 2017 von 1228 auf 3272 Personen fast verdreifacht hätten. „Hätten wir diesen Zuwachs nicht gehabt, hätten wir eher rückläufige Zahlen“, sagt Remark. Ausländer werden im laufenden Asylverfahren von der Arbeitsagentur geführt. Wenn ihr Flüchtlingsstatus anerkannt ist, wechseln sie zum Jobcenter. Deshalb ist die große Gruppe syrischer Flüchtlinge (1478 gegenüber 39 zum Jahresbeginn 2015) ganz überwiegend in Jobcenter-Betreuung, während die Zahl der Afghanen, die häufig sehr viel mehr Schwierigkeiten mit der Anerkennung haben, im gleichen Zeitraum nur von 24 auf 174 stieg. Das Jobcenter betreute kurz vor dem Jahreswechsel insgesamt 3118 arbeitslose Flensburger in 6525 Bedarfsgemeinschaften mit 11 355 Leistungsbeziehern. „Eigentlich geht die Arbeit mit den Flüchtlingen jetzt erst los“, glaubt die Geschäftsführerin.

Obwohl die Zahl der Jobcenter-Kunden steigt, rechnet Remark für 2018 mit weniger Mitteln für die aktive Arbeitsmarktförderung: nach 6,27 Millionen (2017) und 6,87 Millionen (2016) darf das Jobcenter dieses Jahr nur noch mit 5,07 Millionen Euro planen. „Dass wir mehr Integrationen in den ungeförderten Arbeitsmarkt bei geringeren Mitteln geschafft haben, zeigt, dass das Geld passgenau ankommt.“ Die Zahl der Integrationen stieg von 2229 (2016) auf 2328 (2017). Für dieses Jahr hat sich das Jobcenter-Team 2340 Vermittlungen vorgenommen. Dazu fließen, wenn es nach Plan läuft, 2018 rund 66 Millionen Euro passive Leistungen für den Lebensunterhalt. Rund 20 Millionen davon zahlt die Stadt Flensburg für Kosten der Unterkunft.

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