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Menschen und Zahlen : Mehr Flüchtlinge aufgegriffen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Bundespolizei Flensburg verzeichnet deutlich mehr unerlaubte Einreisen und Aufenthalte im Land als 2013

shz.de von
erstellt am 08.Nov.2014 | 07:47 Uhr

„Wir sind in keiner Weise daran interessiert, irgendwelche Flüchtlinge zu fangen“, sagt Hanspeter Schwartz. Der Sprecher der Bundespolizei sitzt in einem Konferenzraum der Flensburger Inspektion und ergänzt: Es gehe darum, die Schleuserstrukturen zu zerschlagen. Schwartz spricht über die Zunahme von Flüchtlingsaufgriffen durch seine Kollegen auf der Autobahn und in den Zügen.

Im vergangenen Jahr waren es nach Auskunft Schwartz’ mehr als 800 Personen, die die Bundespolizeiinspektion Flensburg bei unerlaubter Einreise oder unerlaubtem Aufenthalt registrierte. Der Großteil davon im Norden Schleswig-Holsteins. Im ersten Halbjahr dieses Jahres hätten sie bereits mehr als 600 Personen gezählt. Bei den bemerkten Schleusungen eine ähnliche Entwicklung: Waren es 2013 noch 21, machten die Beamten im ersten Halbjahr des Jahres bereits 50 Menschentransporte aus. „Die haben rapide zugenommen“, sagt der Pressesprecher.

250 Bundespolizisten sind zwischen Flensburg und dem Rande Hamburgs unterwegs. Im Grenzbereich zu Dänemark fahren in drei Schichten insgesamt gut 100 Kollegen Streife. „Das ist nicht so viel, wie es vielleicht klingt“, sagt Schwartz, je Schicht seien zwei bis drei Streifenwagen draußen. Trotz der deutlichen Zunahme von Flüchtlingsaufgriffen, will der Pressesprecher von Personalnot nicht sprechen: „Es ist inzwischen eine Herausforderung.“

Wurden die Menschen noch vor wenigen Jahren mit Sprintern nachts nach Skandinavien gefahren, werden sie heute bei helllichtem Tage in Pkw geschleust. Durchschnittlich 700 Euro koste einen Flüchtling die Schleusung von Italien nach Skandinavien. Dort kämen die oft in Italien zugelassenen Fahrzeuge nicht immer an. „Wenn wir eine Straftat feststellen, zum Beispiel die Einreise ohne Pass, müssen wir einschreiten“, sagt Schwartz. Auf der A 7 hätte eine Streife einen Bruchteil einer Sekunde, in der sie entscheiden müsse, dem Fahrzeug zu folgen und die Insassen zu kontrollieren. Dazu lotsten die Beamten die Fahrzeuge üblicherweise von der Autobahn. Die Kontrollen verliefen meistens friedlich.

Den Bundespolizisten ist daran gelegen, Schleuser und Flüchtlinge sofort zu trennen, damit sie keine weiteren Absprachen treffen können. Zur Aufnahme und Prüfung der Personalien werden Flüchtlinge und Schleuser nach Flensburg gebracht.

Im Erdgeschoss der Inspektion trennen zwei Türen mit Schließanlage die Dienststelle von der Außenwelt. Es summt, Schwartz öffnet die erste Tür, zwei Schritte weiter, Summen, er öffnet die zweite Tür. Dahinter liegen Büros, schmucklose Aufenthaltsräume mit blauen Sitzmatten, Sanitärbereich und zellenähnliche Räume „zum Abreagieren“, sagt Schwartz. Das sei bei aggressiven Personen schon mal nötig.

An der Wand eines Befragungsraums sind Kunststoffkisten gestapelt. In ihnen werden die persönlichen Gegenstände der Ankömmlinge verwahrt. Bei der Zuordnung helfen sich die Beamten mit Bändchen weiter , die sie Person und Kiste anheften. Eine Kiste ist voller Spielsachen. „Die haben wir bei den Kollegen gesammelt, damit wir für die Kinder etwas haben.“

Sind für die Aufnahme der Personaldaten keine Übersetzer zur Stelle, zücken die Ermittler erst einmal Fragebögen, mit deren Hilfe sie die Menschen auf Englisch, Französisch oder Arabisch nach Name, Alter und Herkunft fragen.

Das alles seien schon Eingriffe in Grundrechte, sagt Schwartz, deshalb werde zuvor stets ein Richter um Zustimmung gebeten. Der setze eine Frist für die polizeilichen Maßnahmen, an die sich die Beamten halten müssten. Anschließend reisen die erwachsenen Flüchtlinge mit dem Zug und ohne ihren Pass, falls sie einen bei der Einreise gehabt haben, in die Erstaufnahme nach Neumünster. Familien mit Kindern werden in die Obhut der Flensburger Jugendbehörde gegeben. „Das alles ist hier relativ menschlich“, sagt Schwartz.

 

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