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Schulden-Atlas : Mehr Flensburger in der Schuldenfalle

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Landesweit höchster Überschuldungs-Zuwachs: Die prekäre Entwicklung in der Neustadt lässt sich nicht stoppen.

„Jeder dritte Erwachsene der Neustadt kann seine Schulden nicht mehr bezahlen – und an vielen hängen ganze Familien. Diese Entwicklung ist beängstigend“, sagt Sven Torben Hanisch, Geschäftsführer und Inhaber der Auskunftei Creditrefom Flensburg, in deren Räumen gestern der Schuldner-Atlas für die Fördestadt und Schleswig-Holstein vorgestellt wurde.

Demnach stieg im Vergleich zum Vorjahr in der Neustadt und auch in der Nordstadt die Zahl der Überschuldeten nochmals um fast drei auf über 27 Prozent. Investitionen in Infrastruktur, Beratung- und Freizeitangebote scheinen in dem Problemstadtteil noch nicht zu greifen.

Auch Flensburg als Ganzes steht nicht gut da. Im Vergleich zu allen Kreisen und kreisfreien Städten des Landes weist die Stadt mit 1,5 Prozent die höchste Zuwachsrate an Überschuldeten ab 18 Jahren auf. Die Quote beträgt nun 16,4 Prozent, vor einem Jahr waren es noch 14,9 Prozent. Der Landesdurchschnitt liegt deutlich darunter (10,9 Prozent). In absoluten Zahlen beträgt der Zuwachs sogar 2,2 Prozent auf insgesamt 11 459 Männer und Frauen der derzeit knapp 70 000 erwachsenen Einwohner. Vor Neumünster belegt Flensburg damit im Landesranking den vorletzten Platz. Verschiedene Faktoren seien dafür verantwortlich. „Zum Beispiel der Zuzug von sozial schwächeren Bürgern“, vermutet Hanisch. Die Zensus-Erhebung sei mit Blick auf die absoluten Zahlen nicht verantwortlich für die negative Entwicklung.

In allen Stadtteilen gibt es mehr Überschuldete als vor einem Jahr. Durch unterschiedlich starke Anstiege spreizt sich die Schuldenschere innerhalb des Stadtgebietes immer weiter auseinander. Auf der Westlichen Höhe, in der Alt- und Südstadt gibt es die geringste Verschlechterung und eine Schuldnerquote von 16,7 Prozent (Vorjahr 16,2 Prozent). Auch in Mürwik liegt der Zuwachs von 0,8 auf knapp 13 Prozent noch unter einem Prozent. Ein Plus von 1,4 auf 12,8 Prozent verzeichnen der Friesische Berg und Weiche. Die Stadtteile mit der geringsten Schuldnerquote – Sandberg, Jürgensby, Fruerlund, Engelsby und Tarup – müssen ein Plus von 1,5 auf 11,4 Prozent verkraften. Damit reicht die Schere nun von 11,4 bis über 27 Prozent. „Die Entwicklung in der Neu- und Nordstadt zieht ein immer größer werdendes soziales Problem nach sich“, sagt Sven Torben Hanisch. Michael Bretz, Leiter der Wirtschaftsforschung von Creditreform Deutschland, warnte gar vor der Gefahr einer Ghettoisierung. Denn die Schuldenfalle wird in diesem prekärem Gebiet künftig nach Einschätzung der Auskunftei noch häufiger zuschnappen.

Klar über dem Landesschnitt (+0,9 Prozent) steigt in Flensburg mit 2,2 Prozent auch die Zahl der harten Überschuldeten. Hohe finanzielle Forderungen mehrerer Gläubiger, gerichtliche Einträge oder Anträge auf Privatinsolvenz machen für diese den Weg aus der Schuldenfalle aussichtslos. Das trifft nun auf 6341 Flensburger zu. Weiche Überschuldungsmerkmale, die noch zu keinen gerichtlichen Einträgen geführt haben, weisen derzeit 5118 Einwohner auf.

 

 

 

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erstellt am 17.Jan.2014 | 13:00 Uhr

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