zur Navigation springen

Dezentrale Unterbringung : Mehr als 100 Flüchtlinge in Harrislee

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Gemeinde setzt auf eine dezentrale Unterbringung. 22 Wohnungen wurden dafür gemietet, eine Doppelhaushälfte und zwei Wohnungen gekauft.

Harrislee | Ausführlich erläuterte der Harrisleer Bürgermeister Martin Ellermann während der Gemeindevertretersitzung die Flüchtlingssituation in der Gemeinde. Der Quote zufolge habe man 109 Flüchtlinge unterzubringen. Doch auch Harrislee müsse sich auf höhere Flüchtlingszahlen einstellen. In der Zeit vom 1. Januar bis 1. Oktober 2015 hat Harrislee 104 Personen aufgenommen: darunter zehn Familien (39 Personen, davon 17 Kinder). Noch gebe es Platz für acht Flüchtlinge. „Ein Containerdorf möchten wir erst mal vermeiden“. Die Flüchtlinge kommen aus Syrien (55), Afghanistan (15), dem Irak (8), Albanien, dem Jemen (je 6), Mazedonien, Eritrea (je 4), dem Iran, Serbien (je 2) und Armenien (1). Den größten Ansturm gab es im Juli, August und September. Die Sätze für Flüchtlinge lägen unterhalb derer von Hartz IV-Empfängern. Die Gemeinde sorge für die Grundausstattung „Tisch, Bett, Stuhl. Wohnlicher und gemütlicher wird es durch die Spenden der Bevölkerung“. Vor allem über Fernseher freue man sich.

Angestrebt sei eine dezentrale Unterbringung. 22 Wohnungen wurden dafür gemietet, eine Doppelhaushälfte, zwei Wohnungen gekauft. In Niehuus und am Petersilienweg gibt es gemeindeeigene Gebäude. In 14 weiteren Straßen haben Flüchtlinge ein erstes Zuhause gefunden.

Beeindruckend und groß sei das ehrenamtliche Engagement im Ort. Besonderer Dank ging an Margret Rathje, die seit März ehrenamtliche Koordinatorin und Ansprechpartnerin der Harrisleer Flüchtlingshilfe mit rund 20 Betreuern ist. Besonders kümmert sie sich darum, dass alle Deutschunterricht erhalten, solange sie auf die Anerkennung ihres Asylantrags warten. Erst nachdem sie als Flüchtling anerkannt wurden, können sie an einem Integrationskurs in Flensburg teilnehmen. Vor allem männliche Flüchtlinge seien nach Harrislee gekommen. „Für diese vielen Männer brauchten wir einen männlichen Be-treuer und Dolmetscher“, betont Margret Rathje. Die Gemeinde hat auf die Situation reagiert, den gebürtigen Tunesier Mohamed Ali Daly (38) als Dolmetscher und Betreuer eingestellt. Er lebt seit 15 Jahren in Deutschland, spricht außer arabisch fließend deutsch, hat 12 Jahre als Drucker in Wees gearbeitet. „Die Leute, die hierher kommen sind traurig und brauchen Unterstützung. Was die Gemeinde leistet, ist hervorragend“, meinte Daly, der sich schon vorher ehrenamtlich engagiert hatte.

Am Starter-Kurs für Erwachsene nehmen derzeit 56 Flüchtlinge teil. Zweimal wöchentlich gibt es Deutschkurse in drei Leistungsstufen, inklusive eines Alphabetisierungskurses. Schulpflichtige Kinder werden in sogenannten DaZ-Klassen (Deutsch als Zweitsprache) der Zentralschule, über 17-Jährige im Berufsbildungszentrum unterrichtet. Die katholische Kirche hat in Harrislee ein Willkommenscafé eingerichtet. Schwimmmeister Jürgen Steingreber gibt ehrenamtlich Schwimmunterricht. Sportangebote in den Vereinen sind im Aufbau. Dringend werden weitere Flüchtlingshelfer, auch Fahrradspenden benötigt. Ansprechpartner im Bür-gerhaus sind Melanie Peters (Telefon 0461 / 706-123) und Juliane Roggatz (Telefon 706-184).




zur Startseite

von
erstellt am 06.Okt.2015 | 14:30 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen