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Flensburger Tageblatt

17. Oktober 2017 | 22:42 Uhr

Meeresrauschen für den Bücherbus

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Klang-Lesung mit Stefanie Oeding stockt den Bürgeranteil an der rollenden Bücherei weiter auf

shz.de von
erstellt am 04.Feb.2014 | 16:00 Uhr

So engagierte Mitarbeiter gibt es nicht alle Tage: Stadtbibliothekarin Stefanie Oeding hatte ein Abendprogramm zum Thema Meer ausgearbeitet. Alles für den neuen Bücherbus. Mit ihrer Aktion reiht sie sich in eine Reihe von Benefizveranstaltungen, Fundraising und Bürgerbeteiligung ein, die insgesamt 50 000 Euro eingebracht haben. Die Summe nannte Hans Carsten Jacobsen vom „Runden Tisch Bücherbus“ im gut besuchten Veranstaltungssaal der Bibliothek.

Rund 400 000 Euro wird der rote Bus mit spezieller Ausstattung kosten, verriet Bibliotheksleiter Martin Slatki. Drei Monate Vorbereitungszeit brauchte Stefanie Oeding. Drei Genres benutzte sie: Musik, Foto, Text. Die Musik bestand überwiegend aus Jazz-Standards, Songs wie „Blue moon“, aber auch Lou Reeds „Cold black sea“. Dabei hatte die geschulte Jazz- und Chansonsängerin Unterstützung des sehr routiniert aufspielenden Gitarren-Profis Matthias Schmidt.

Fotos vom Meer mache sie immer und überall, erzählte Oeding. An diesem Abend kamen besonders Aufnahmen vom letzten Amrum-Urlaub zum Einsatz, die auf eine große Leinwand projiziert wurden. Dazu hatte sie Textpassagen aus Virginia Woolfs experimentellem Roman „Die Wellen“ ausgesucht. Und zwar solche, die das Meer im Verlauf eines Tages mit seinen unterschiedlichen Lichtreflexen beschreiben. Normalerweise die Stellen, über die ein handlungsorientierter Leser gerne hinwegliest. Solch einer hätte Mühe gehabt, der Lesung zu folgen. In Woolfs Texten fällt das Licht mal wie „feurig gefiederte Pfeile“, dann wieder macht es die Felsen „rot wie Glut“ und plötzlich ist von einer Person die Rede, deren Augen „kugelig vor Glanz“ sind. Auch Matthias Schmidt und Oedings Nichte Joelle lasen. Die größte Textmenge bestritt die Bibliothekarin jedoch selber.

„Ich habe früher selbst sechs Jahre im Bücherbus gearbeitet, dort viele Kinder kennengelernt, die jetzt als Erwachsene in die Stadtbibliothek kommen“, sagte Oeding nach der Aufführung. Eine wichtige Einrichtung ist der Bus, findet sie, für die sie gern etwas getan hat. So viel Engagement überzeugte. Überhaupt enorm, wer alles etwas für den Bücherbus tut. Auch Stadtpräsidentin Swetlana Krätzschmar war gekommen, im Gepäck die Druckfahnen eines Textes von Siegfried Lenz über die Flensburger Förde. Lenz’ Verlag hat das Copyright freigegeben. Der Erlös der verkauften Hefte, die in einer kleinen luxuriösen Sonderauflage erscheinen sollen, werden später auch dem Bücherbus zugute kommen. Laut Jacobsen wird es nicht mehr allzu lange dauern. „Wir sind auf der Zielgeraden“ sagte er. Nach Ostern könnte der Bus rollen.

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