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Ausstellung in Flensburg : Maxim Brandt und die Poesie des Absurden

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

shz.de von
erstellt am 22.Feb.2017 | 08:33 Uhr

Ein geschwungener Pfad führt durch eine von Tannen gesäumte Wiese – am hoch stehenden Horizont ein Zirkuszelt. Was sich darin abspielt, bleibt genauso rätselhaft wie ein leuchtend gelbes Oval, das sich in das Bild gemogelt hat. Ein Ufo vielleicht? Eine Bedrohung? Auch der Titel „Ein Fall“ gibt keinen Aufschluss.

Auch wer sich in der Holzhütte, die in den Fluten der Ostsee zu versinken droht, noch befinden mag, bleibt offen. Der Betrachter ist gezwungen, seine Fantasie zu bemühen. Denn Maxim Brandt äußert sich zu seinen Bildern sehr zurückhaltend. Wenn ein Werk vollendet ist, steht, lebt und spricht es für sich. „Ich habe es entlassen, es ist ein autonomes Objekt“, sagt der Künstler, der auf der Krim geboren ist.

Aber keine Regel ohne Ausnahme: Der Mann, der in düsterer Waldszenerie mit weit ausgebreiteten Armen im Wasser liegt, ist keinesfalls ertrunken, wie zu vermuten wäre. „Er erholt sich“, klärt der 30-Jährige auf. Ein Blick auf den Titel bestätigt dies. Das Bild trägt den Namen „Urlaub“. Und ist eines von vielen, das in der Natur angesiedelt ist, deren Gesetze ganz neu definiert werden. Für Maxim Brandt ist der Wald ein Raum, in dem die Reise ins Unbewusste beginnt.

Der Maler hat seinen Master an der Kieler Muthesius-Schule gemacht. Seit zwei Jahren lebt er in Berlin-Neukölln, sein Atelier liegt im Ostteil Berlins, in einem ehemaligen Stasi-Gebäude. Es wäre naheliegend, dass das Œuvre eines Künstlers aus der Ukraine auch eine aktuelle politische Auseinandersetzung widerspiegelt. Doch Brandt sagt: „Kunst ist Poesie, nicht Politik.“ Sozialer Realismus liegt ihm nicht. „Ich glaube nicht, dass Kunst die Welt verändern kann.“ Er liebt vielmehr die Ästhetik und den Surrealismus eines Max Ernst, reißt Figuren und Motive aus dem gewohnten Kontext, rüttelt sie kräftig durch, um sie schließlich neu zusammenzusetzen – immer der Poesie des Absurden verpflichtet. Eine Wurst in der Winterlandschaft wirkt da wie selbstverständlich.


>Ausstellungseröffnung bei Kunst & Co, Klostergang 8a, am Freitag, 19.30 Uhr. Einführung: Axel Feuß, Kunsthistoriker. kunstundco@posteo.de

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