Flensburg : Maut-Pläne: Grenzhandel bleibt gelassen

Keine Angst vor der Maut: Der Förde Park befürchtet keinen Umsatzeinbruch.
Keine Angst vor der Maut: Der Förde Park befürchtet keinen Umsatzeinbruch.

Die Mautpläne der Bundesregierung rufen in vielen Nachbarländern Kritik hervor. Die Wirtschaft im Flensburger Raum gibt sich zuversichtlich: Man rechne nicht mit einem Fernbleiben dänischer Kunden. Doch manche Einkaufstouristen sind skeptisch. Scharfe Kritik kommt aus der Politik - auf beiden Seiten der Grenze.

shz.de von
09. Juli 2014, 11:34 Uhr

Flensburg | Die geplante Pkw-Maut wird nach Ansicht von Wirtschaftsvertretern im Flensburger Raum den Grenzhandel nicht beeinträchtigen. „Wir erwarten keine Einbußen, sollte es zu einer Mautgebühr kommen, was den Grenzhandel angeht“, sagte die Sprecherin der IHK Flensburg, Petra Vogt. Dänische Kunden profitierten so sehr von den günstigeren Waren in Deutschland, dass dies ihre Mautausgaben überwiegen werde. „Wir sind überzeugt, dass es keine negativen Auswirkungen geben wird.“ Sollte zudem doch nur eine Gebühr für Autobahnen erhoben werden, sei der Raum Flensburg ohnehin nicht betroffen.

Ähnlich äußert sich der stellvertretende Vorsitzende der Interessengemeinschaft der Grenzhändler, Bernd Christiansen. Sollte ein dänischer Kunde eine Vignette für zehn Euro erwerben, „hat er das locker gespart, wenn er hier was isst“. Die Kunden aus Dänemark fahren Christiansen zufolge oft zwei bis drei Stunden bis in den Flensburger Raum und kaufen dann nicht nur ein, sondern gehen auch essen. „Wir sehen das noch ganz ruhig.“ Zudem seien Details noch ungeklärt, auch die Bedenken der EU sind noch nicht ausgeräumt.

Auch in einem Flensburger Einkaufspark lösen die Mautpläne keine Befürchtungen aus. „Wir hätten uns bessere Maßnahmen zur Stützung des Handels vorstellen können“, sagt Norbert Fels, Center Manager des Förde Park in Flensburg. Allerdings seien die dänischen Kunden des Einkaufsparks zum überwiegenden Teil Stammkunden, die wegen der Maut nicht wegbleiben würden. „Sie werden eher noch gezielter kommen, mehr auf einmal einkaufen“, erwartet Fels.

Auch viele dänische Touristen in der Flensburger Innenstadt und einem Einkaufspark sehen die Mautpläne gelassen. „Ich glaube nicht“, sagt ein junger Däne auf die Frage, ob ihn die Gebühren abschrecken würden. „Zehn Euro für zehn Tage - das ist nicht so viel.“ „So lange das für die Straßen ist, ist es okay“, findet ein Mann aus Silkeborg. Er fährt ohnehin nur einmal im Jahr zum Einkaufen nach Schleswig-Holstein. „Wir würden dafür zahlen, das ist nicht so viel“, meint ein ebenfalls aus Silkeborg stammendes Paar. „Das hängt schon vom Preis ab“, gibt eine Mutter aus Kolding zu. „Aber wir kommen auch nicht so oft nach Deutschland.“  Ein Mann aus Aarhus ist sich dagegen sicher: „Dann kommen wir nicht mehr so oft.“ „Das ist ein Prinzip“, betont eine Seniorin aus dem grenznahen Tondern. „Ich könnte das bezahlen, aber ich möchte nicht.“ Wenn es nur um Gebühren für Autobahnen gehe, sei das noch in Ordnung, das gebe es auch in anderen Ländern. „Aber alle Straßen?“ Sie und ihr Mann würden dann wohl seltener zum Einkaufen nach Deutschland fahren.

Noch kritischer zeigt sich die Politik im Grenzland. In einer gemeinsamen Pressemitteilung forderten am Mittwoch der Oberbürgermeister von Flensburg, Simon Faber (SSW), der Bürgermeister der dänischen Stadt Apenrade, Thomas Andresen, und die stellvertretende Bürgermeisterin von Sonderburg, Aase Nyegaard, die vorliegenden Mautpläne nicht weiter zu verfolgen. Die Maut ist nach Ansicht der Politiker „hochgradig wirtschaftsfeindlich“ und „schädigt neben den nachbarschaftlichen deutsch-dänischen Beziehungen auch die Entwicklung einer ganzen Region“. Zudem fürchten sie die Einführung einer Maut auch in Dänemark. Mit dem Einführen einer Pkw-Maut werde der Verkehr zwischen Deutschland und Dänemark „erheblich belastet“, befand Faber. Der „kleine Grenzverkehr“ und die Kooperation von Hochschulen erhielten eine neue Hürde, kritisierte Nyegaard.

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