Flensburger Musikszene : Matratze überm Schlagzeug

Im Grünen:  Darryl  Gwyther, Jochen Ohl, Andrea Paluch  und Mario Rohrbach (v.  l.) sind Djam.
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Im Grünen: Darryl Gwyther, Jochen Ohl, Andrea Paluch und Mario Rohrbach (v. l.) sind Djam.

Die Band der Schriftstellerin Andrea Paluch heißt Djam und hat bald einen Festivalauftritt.

shz.de von
02. Juni 2014, 14:42 Uhr

An der Decke über dem Schlagzeug hängt eine Matratze, davor steht eine Glaswand. „Ich hau gern ein bisschen drauf“, sagt Jochen Ohl, Schlagzeuger bei Djam, mit einem Schmunzeln. Die Matratze schluckt Schall, die Glaswand verhindert, dass Ohls Getrommel die drei anderen Musiker regelmäßig an die Wand des gut ausgerüsteten und gleichzeitig heimeligen Probenraums drückt.

Djam ist ein Akronym – die Zusammensetzung der Anfangsbuchstaben der Musiker: Darryl (Bass), Jochen (Schlagzeug), Andrea (Gesang, Gitarre) und Mario (Gitarre). „Als Duo nennen wir uns AM“, sagt Andrea; „dann wären wir der DJ“, kontern Darryl und Jochen. Die Sängerin ist erst relativ spät zur Rockmusik gekommen, Djam ist ihre erste richtige Band. „Ich komme eigentlich von der klassischen Musik und hatte mir vor ein paar Jahren noch ein Holzbläserensemble für mich vorgestellt“, sagt sie mit einem verlegenen Lächeln.

Mario Rohrbach fand Andrea Paluch über eine Kleinanzeige im Szeneblatt „Partout“. Erste bange Frage am Telefon: „Wie alt bist du???“ „Da riefen fast nur so ganz junge Mädchen an“, erinnert sich der Gitarrero. „Was war ich froh, als ich hörte, dass du altersmäßig einigermaßen zu uns passt“. Sozialisiert wurde Andrea, die im Hauptberuf Schriftstellerin ist, mit der Radiomusik der 80er-Jahre, während Darryls und Marios Helden ein gutes Jahrzehnt früher aktiv waren: „Ich habe Pink Floyd, Black Sabbath, Jethro Tull und vieles mehr gehört“, sagt Darryl, der nur deshalb einen englischen Namen hat, weil er im Mutterland der Beatmusik geboren wurde, dort aber nur ganz kurz gelebt hat und heute einen norddeutschen Dialekt pflegt.

Die Musik von Djam ist kompakt und entschlackt. Sie lebt vom Kontrast der ganz klar rockigen, auch männlichen Strukturen und der klaren, weiblichen Stimme von Andrea Paluch. Fast alle Songs sind Eigengewächse. „Mario kommt mit einem Riff um die Ecke und dann entwickeln wir alle zusammen den Song“, erklärt es Jochen Ohl. Andrea, die Schriftstellerin, sorgt natürlich für die Texte, zum Beispiel für den Song „All there is“. Jochen hat vor einigen Jahren vor allem mit eigener Hände Arbeit aus einem alten Stall dieses famose kleine Studio gebaut. „Es ist komplett mikrofoniert, auf Knopfdruck können wir hier aufnehmen“, sagt er sachlich und etwas stolz.

Am 14. Juni tritt Djam beim Waldheim-Festival in der Nähe von Bredstedt auf; weitere Live-Termine stehen noch nicht fest. Die können aber schnell kommen, denn die Band gehört zum Flensburger Musiker-Stammtisch, von dem Andrea schwärmt. „Ein Segen, diese Einrichtung. Toll, wie die sich für die Szene engagieren und Auftritte organisieren.“

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