zur Navigation springen
Flensburger Tageblatt

11. Dezember 2017 | 14:51 Uhr

Master-Student aus Togo

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Akoété Agossou Agboyibo, erster Austausch-Student aus Lomé, hat an der Uni Flensburg über postrevolutionäre Diskurse in der Literatur geschrieben

shz.de von
erstellt am 08.Apr.2015 | 19:05 Uhr

Vielleicht hat Akoété Agossou Agboyibo die letzten Tage in Flensburg noch genutzt, um sich ein bisschen umzusehen. Kürzlich ist der 25-jährige Student aus Togo zurück in seine Heimat gereist. Sein Austausch-Semester an der Europa-Universität war zu Ende. Nach Auskunft der Pressestelle ist er der erste Student aus Togo in der Uni. Der ehrgeizige Afrikaner habe sich auf seine Arbeit konzentriert, sagt er. Schließlich sei er nach Flensburg gekommen, um seine Master-Arbeit in Germanistik zu schreiben über den postrevolutionären Diskurs bei Georg Büchner und Aimé Césaire.

Zu Hause studiere er zudem Romanistik, Anglistik und Geschichte. Sein Thema habe er zum ersten Mal 2011 formuliert. Zu jener Zeit gab es die Jasmin-Revolution in Tunesien. „Ich habe die Bewegung beobachtet und mir viele Fragen gestellt“, erinnert er sich. Auf die Unruhen in der arabischen Welt folgten die Stürze von Ben Ali und Mubarak, fährt Akoété fort und bringt die zentrale Frage auf, die ihn bewegt(e): „Was wird danach passieren?“ Der Germanist weiß: „Revolutionen rufen bei Unterdrückten Hoffnung hervor. Doch am Ende passiert es nicht so, wie das Volk es sich ausgedacht hat.“

Akoété, der seine Worte mit Bedacht wählt und sich selbst korrigiert, wenn es denn überhaupt sein muss, sagt: „Literaturwissenschaft ist auch eine Lebenswissenschaft.“ In seiner Arbeit analysiert er die Völker nach den Revolutionen – in „Une saison au Congo“ von Aimé Césaire und „Dantons Tod“ bei Georg Büchner. Und er stellt fest, dass nach der Revolution wieder eine Diktatur aufgebaut werde. Auch wenn die Enden beider Werke offen seien, so könne man ahnen, dass die Lage sich nicht verbessere für die Protestierenden. Hier wittert der smarte Student ein Anschluss-Thema für eine Promotion.

In den Seminaren gilt der erste Austausch-Student aus Togo in Flensburg als diskussionsfreudig. Warum er Deutsch als Studienfach gewählt hat, kann der vielsprachige Akoété, dessen Muttersprache Ewe ist, ganz einfach erklären: „Französisch ist unsere Amtssprache – am besten versuche ich etwas anderes.“ Darauf, hier zu studieren beziehungsweise seine Master-Arbeit hier zu schreiben, kam er über Professorin Bea Lundt, die er 2012 in West-Afrika traf. Sie koordiniert den Flensburger Austausch mit Togos Nachbarland Ghana. Nach Auskunft der hiesigen Pressestelle gebe es an der Uni in Lomé 1000 Germanistik-Studenten, so dass auf Akoété durchaus weitere Landsleute folgen könnten.

In der Hauptstadt Lomé wohne er, der noch vier Geschwister habe, mit seinem Zwillingsbruder in einem gemieteten Haus. Aufgrund der Geschichte beider Länder gebe es viele deutsche Vereine in Togo; er gehöre einem namens „Germanophilia“ an, der sich beispielsweise Deutscher annimmt, die in Togo Praktika machen wollen. Dass es in Deutschland, das er im Vorjahr bei einer Sommerakademie kennen lernte, anders sein würde, habe er natürlich gewusst. Und sich mental darauf vorbereitet. Die Realität hier war dann nicht immer erfreulich. So erzählt er ein Erlebnis beim Pullover-Kauf. Die Verkäuferin hatte offenbar versäumt, eine Diebstahlsicherung zu entfernen, was den West-Afrikaner im nächsten Laden in Schwierigkeiten brachte. Zum Glück konnte er den unberechtigten Verdacht des Ladendiebstahls mittels Quittung entkräften. Oder als er anfangs als noch Ortsunkundiger auf der Straße nach dem Weg fragte, habe er viel Ablehnung erfahren. Zum Glück nimmt Akoété auch schöne Erlebnisse mit nach Hause, etwa das erste persönliche Treffen mit einer jahrelangen slowenischen Brieffreundin oder die Einladung einer Kommilitonin zu einem traditionellen Weihnachtsfamilienfest. „Das dauerte“, berichtet er, „bis tief in die Nacht.“ Und: „Es hat mich begeistert.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen