Marschbefehl für Flensburgs Fluthelfer

Letzte Vorbereitungen: Sven Thomsen (51), Kopf des Katastrophenschutzes, Mark Rücker (40), Leiter der Fernmeldewerkstatt, und Feuerwehrchef Carsten Herzog (45). Foto: Dommasch
Letzte Vorbereitungen: Sven Thomsen (51), Kopf des Katastrophenschutzes, Mark Rücker (40), Leiter der Fernmeldewerkstatt, und Feuerwehrchef Carsten Herzog (45). Foto: Dommasch

Zehn Einsatzkräfte aus der Fördestadt werden vom Innenministerium in das Überschwemmungsgebiet im Landkreis Stendal beordert

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19. Juni 2013, 11:41 Uhr

Flensburg | Der Anruf kam am Sonnabend. Das Innenministerium. Einsatzbefehl für die Flensburger Feuerwehr. Zehn Mann seien für die Technische Einsatzleitung in Havelberg abzustellen. Mitten im Katastrophengebiet. Nicht weit von Fischbeck, dem Ort, der durch den dramatischen Deichbruch traurige Berühmtheit erlangte. Drei Schiffe wurden hier spektakulär versenkt, um das 90 Meter lange Leck zu schließen. Doch 160 Quadratkilometer sind weiterhin überschwemmt.

Auf diesem Weg erreicht das Elbe-Hochwasser die Stadt an der Förde. Noch am Wochenende beginnt Flensburgs Feuerwehrchef Carsten Herzog damit, die Ablösung zu organisieren. Insgesamt 28 Mann sind vonnöten, sie werden im Rathaus von Havelberg stationiert und rund um die Uhr arbeiten. Zweischichtbetrieb. "Alle waren sofort bereit zu helfen", sagt Herzog, der auf erfahrene Männer setzt: Feuerwehrleute, Verwaltungsmitarbeiter, die auch im Tagesgeschäft für den Katastrophenschutz zuständig sind, speziell geschulte Kräfte. Neumünster und Ostholstein gehen, Schleswig, Nordfriesland, Kiel und Lübeck kommen. Flensburg stellt das größte Kontingent. Der Einsatz schleswig-holsteinischer Kräfte im Landkreis Stendal bedeutet für viele eine Premiere. "Insofern ist auch eine Portion Aufregung dabei", sagt der Oberbrandrat, der den Stab leiten wird.

Zwischen Elbe und Havel mussten mehrere Ortschaften evakuiert werden, Straßen sind unpassierbar, die Infrastruktur liegt am Boden. Trotz aller Bemühungen der Einsatzkräfte, die bis zum Rande der Erschöpfung arbeiten, ist das Wasser Überflutungsgebiet nur unwesentlich zurückgegangen. Durch den Hochwasserstand der Elbe stauen sich die Oberflächengewässer im Binnenland, auch der Grundwasserspiegel ist angestiegen. "Das Wasser kommt von allen Seiten", sagt Herzog.

Insofern legt er sein Augenmerk auf Deichverteidigung, Pumpeneinsatz, die Versorgung der Menschen. Sandsäcke müssen gezielt verteilt, Einsatzkräfte zu den Schadenstellen dirigiert werden.

Viermal im Jahr werden in Flensburg Katastrophenlagen simuliert. "Doch eine Situation, wie wir sie in Sachsen-Anhalt vorfinden werden, kann man nicht üben", weiß der Feuerwehrchef. Die Stimmung, das weiß er aus zahlreichen Telefonaten, sei dort sehr angespannt gewesen. "Doch inzwischen scheint es Strukturen zu geben, in denen man operieren kann." Die erforderliche Technik ist vorhanden: Digitalfunk, Computer, Beamer. Die Flensburger Crew, die heute in aller Frühe mit drei Fahrzeugen startet, beschränkt sich auf das Nötigste: Im Laderaum liegen Laptop und Lebensmittel. Auch das rote Dienstfahrrad darf nicht fehlen. Ebenso wenig Schlafsäcke, in denen man auf Feldbetten in einer der Turnhallen nächtigen wird. Herzog: "Hotelzimmer gibt es natürlich nicht mehr."

Dafür soll es in den Feuchtgebieten von Mücken nur so wimmeln. Insektenspray und Sonnenschutz gehören zur Bordausrüstung. Am Donnerstag werden Temperaturen von 34 Grad erwartet. Und danach - Starkregen.

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