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Kunst in Flensburg : Marmor-Häuser und gewässerte Farbflächen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Inka Sigel und Hans Lembrecht Madsen bestücken eine sehenswerte Ausstellung an der Norderstraße

shz.de von
erstellt am 18.Mai.2017 | 05:59 Uhr

Auf die Idee mit der Stickerei kam sie, als sie heimlich an ihrem Hochzeitskleid nähte. Das ist schon ein paar Jahre her. Seitdem braucht Inka Sigel für ihre Bilder nicht nur Pinsel, sondern auch Nadel und Faden – und ist damit nach ihren Erkenntnissen die einziger Künstlerin, die diese Technik zu ihrem Markenzeichen gemacht hat. Ihre Bilder sind ab heute Abend in der Dänischen Zentralbibliothek zu sehen.

Wer Zeit hat, sollte heute Abend zur Eröffnung gehen. Denn Inka Sigel kann sehr erhellend und anregend über ihre Bilder sprechen – auch in perfektem Deutsch, denn sie stammt aus Flensburg und lebt seit vielen Jahren in der Nähe von Aarhus. Inka Sigel liebt das große Format – schließlich hat sie 1999 für die Eröffnung der dänischen Botschaft in Berlin gemalt. Ein Bild ist noch nicht ganz fertig, so dass sie während des Pressegesprächs weitere Formen in ein ansonsten fertiges Gemälde stickt.

Der Betrachter sieht Farben und Formen, die man als abstrakte Landschaften beschreiben könnte. Da wuchert ein Dschungel, da liegen kleine Inseln in einem Farbenmeer, es flattern Vögel herum. Immer dominiert eine Farbe. Meist arbeitet sie in Acryl, das sie zum Teil direkt nach dem Farbauftrag mit Wasser zerfließen lässt. So entstehen zufällig Farbflächen: „Den Zufall, den heiße ich sehr willkommen“, sagt sie – „wenn er ein guter ist!“

Die Wände in der aktuellen Ausstellung gehören Inka Sigel, der Raum hingegen Hans Lembrecht Madsen aus Apenrade. Der Bildhauer arbeitet nur mit Stein, und es findet sich ein durchgehendes Motiv in seinen Arbeiten: das Haus. „Ich mache die Häuser so wie Kinder sie zeichnen“, sagt er. Doch das Haus ist für ihn ein Symbol für die menschliche Existenz, und dies wissend, findet sich der Betrachter schnell in einem Strom von Interpretationen. Da hängt ein Haus kopfüber, da stehen Häuser am Abgrund, da hält sich ein einzelnes rotes Haus abseits der Gruppe schwarzer Häuser.

Lembrecht arbeitet mit Marmor aus der Toskana und den Pyrenäen, aber auch mit Granit aus Larvik und mit Alabaster, durch den das Licht aus dem Innenhof scheint. Der Bildhauer, mit weißem Haar und Bart sowie braunem Teint selbst ein Bild von einem Mann, kann wie Inka Sigel wunderbar ruhig und bildhaft von seinen Skulpturen erzählen, die in einem wirkungsvollen Kontrast zu den Farbexplosionen seiner Kollegin stehen.

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