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Projekt am Flensburger Hafen : Maritime Zauberwelt am Harniskai

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Im Mai soll der Spatenstich für das europaweit einzigartige Yachtsportzentrum auf dem Gelände von Robbe & Berking am Industriehafen erfolgen.

shz.de von
erstellt am 28.Apr.2015 | 18:08 Uhr

Flensburg | Er weiß, der Zeitplan ist ehrgeizig. Sehr ehrgeizig. Im Mai soll erster Spatenstich sein, ein Jahr später Eröffnung, in den folgenden Monaten Vollendung seines Traums: Oliver Berking steht vor dem letzten Schritt einer Entwicklung, die sich der Flensburger Unternehmer nicht hat träumen lassen, als er 2005 mit zwei Partnern die stark heruntergekommene Dienstsegelyacht „Ostwind“ (jetzt „Sphinx“) der Marineschule Mürwik ersteigerte und wieder in Fahrt brachte. Die zweijährige Sanierung der 21 Meter langen Klassikerin von 1939 war Beginn einer nachhaltigen Entwicklung am Flensburger Ostufer. Nächstes Jahr will Berking seinem Yachtsportzentrum am Industriehafen die Krone aufsetzen: Flensburg bekommt das weltweit zweite Museum für den Yachtsport und Oliver Berking das seine „maritime Zauberwelt“.

Damit hätte der Inhaber der aus dem Sanierungsprojekt „Ostwind“ entstandenen Robbe & Berking-Werft am Harniskai alles abgebildet, was Yachtsport mit klassisch schönen Holzbooten in traditioneller Handwerkstradition ausmacht. Die Urgründe sind in einer spektakulären Sammlung dokumentiert, die der Wiesbadener Volker Christmann über 25 Jahre anlegte und 2012 an Berking verkaufte: 7000 Bände in 200 Kartons. Zeitschriften, Biografien, Fachbücher, Clubzeitschriften, Reiseberichte, Yacht-Register, Baupläne, Illustrationen aus über 150 Jahren. „Das ist die weltweit größte Sammlung“, sagt Berking. Sie wird ausgestellt, sie wird – da ist er sicher – zwangsläufig Yachtenthusiasten aus aller Welt nach Flensburg bringen.

Sie werden am Industriehafen ein Museum vorfinden, umgeben von einem lebendigen Werftplatz, der die Zukunft der in den frühen 70er-Jahren schon tot gesagten klassischen Segelyachten abbildet. „Unser Auftragsbuch ist gut gefüllt“, freut sich Werftleiter Sönke Stich. In der Halle geht gerade ein Aufsehen erregendes Neubauprojekt nach 75 Jahre alten Plänen des ingeniösen Konstrukteurs Johan Anker zu Ende: Die von ihm gezeichnete 12mR-Yacht mit der Designnummer 434 konnte der 1940 verstorbene Norweger nicht mehr bauen. In Flensburg entsteht sie im Auftrag eines dänischen Kunden, Stapellauf und Spatenstich werden zeitlich eng zusammenliegen, Verhandlungen über einen Folgeauftrag über den Bau einer 24 Meter langen klassischen Yacht verlaufen aussichtsreich, sagt Berking.

In den nächsten Monaten werden am Industriehafen rund zwei Millionen Euro verbaut. Das Gesamtensemble bezeichnet Berking selbstbewusst als Kompetenz-Zentrum, dessen Herzstück im besten Understatement als Werfthalle. Sie wird neben der Christmann-Sammlung auf 2000 Quadratmetern einen Showroom für klassische Kostbarkeiten und Flächen für Ausstellungen enthalten. Im ersten Geschoss bekommt auch der jetzt noch in seinem Provisorium im ehemaligen Werftbüro eingezwängte italienische Restaurantbetrieb 190 Plätze und eine große Sonnenterrasse. Auf der Grundfläche des Altgebäudes und dem jetzt noch von der alten Hafenwaage besetzten nördlichen Grundstücksteils entsteht eine dringend benötigte zweite Bootshalle nebst Büroflächen. 400 Quadratmeter sind noch zu haben. Art- und seelenverwandte Betriebe als Mieter sind stets willkommen, sagt der Werft-Chef, der im Vorgriff auf das neue Ensemble bereits eine Personalie klären konnte, die er als „Glücksfall“ für das Projekt bezeichnet. Dieser Glücksfall heißt Dr. Eva Nielsen, ist Literaturwissenschaftlerin und seit Anfang März Kuratorin des im Aufbau befindlichen historischen Yacht-Zentrums. Nach verschiedenen beruflichen Stationen lebt sie mit Ehemann und zwei Kindern in Flensburg. Aktuell kümmert sie sich um die in die Silbermanufaktur Robbe & Berking ausgelagerte Christmann-Sammlung.

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