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Änderung der Schiffsbesetzungsverordnung : Maritime Ausbildung in Flensburg: Seefahrt-Schulen funken SOS

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Bald keine Ausbildung mehr an Bord? Die Fachhochschule und die Fachschule für Seefahrt befürchten die Schwächung des maritimen Standorts.

shz.de von
erstellt am 24.Mär.2016 | 08:00 Uhr

Flensburg | Alarmsignale von den Seefahrern auf dem Flensburger Campus: Die Fachhochschule mit ihrer Seefahrt-Ausbildung und die Fachschule für Seefahrt fürchten, dass Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt mit einer Änderung der Schiffsbesetzungsverordnung die Ausbildungs- und Studiengänge schwächt. Deshalb haben sich die beiden Einrichtungen zusammen mit sieben weiteren Seefahrt-Schulen in Norddeutschland an Dobrindt und zwei weitere Ministerien gewandt, damit die Pläne noch einmal überdacht werden.

Konkret geht es um Folgendes: Um die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Reedereien auf dem hart umkämpften Weltmarkt zu verbessern, hat Dobrindt den Reedern Erleichterungen bei der Lohnsteuer und den Sozialabgaben der Besatzungen in Aussicht gestellt. Das ist aus Sicht der Schulen auch in Ordnung, sagt Stefan Rother, Vorsitzender der Schiffsbetriebstechnischen Gesellschaft Flensburgs. Man sei grundsätzlich dafür, den Reedereien Erleichterungen zu verschaffen. Kritisiert wird jedoch, „dass die Reeder nur noch zwei EU-Bürger als Offiziere an Bord einsetzen könnten, die nicht notwendigerweise deutsche Staatsbürger sein müssen“, wie es in dem Schreiben heißt. Bewerber aus nicht-deutschen EU-Ländern könnten wegen eines niedrigeren Lohnniveaus bei den Reedern attraktiver sein.

Zudem wird befürchtet, dass Reeder vermutlich auf den Ausbildungsplatz verzichten würden, wenn – statt wie bisher vier – künftig nur zwei EU-Bürger zur Besatzung gehören müssten. Die Zahl der Ausbildungsplätze würde drastisch abnehmen. Insgesamt würden mittel- und langfristig viele Stellen an Bord wegfallen, und das hätte zwangsläufig Konsequenzen für die Ausbildungsstätten: Es würden weniger junge Menschen die nautischen Studiengänge der FH und die Fachschule für Seefahrt besuchen.

Doch befürchtet wird noch mehr: Der Berufsstand in Gänze könnte gefährdet werden, die Zahl deutscher Seeleute drastisch einbrechen. Der technische und nautische Offiziersnachwuchs verliere seine Perspektive bei der Berufsfindung. Maritimes und nautisch-technisches Know-how an Bord deutscher Schiffe könnte verloren gehen, und am Ende würden die geplanten Änderungen auf eine generelle Schwächung des Bildungsstandorts Deutschland hinauslaufen. „Mit dem Schreiben wollen wir erreichen, dass die Pläne des Verkehrsministeriums noch einmal überdacht werden“, so Rother. Adressaten sind zudem Bildungsministerin Johanna Wanka und Arbeitsministerin Andrea Nahles.Es gibt zwar eine Absichtserklärung der Reeder, die Ausbildung wie bisher fortzusetzen. Doch das reicht den Schulen nicht: Sie fordern eine verbindliche Verpflichtung der Reeder.

In Flensburg wäre die Fachschule für Seefahrt betroffen, die derzeit 75 Schüler hat. An der Fachhochschule Flensburg gibt es drei seefahrtbezogene Studiengänge mit zusammen 267 Studierenden im abgelaufenen Wintersemester.

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