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Flensburger Tageblatt

23. November 2017 | 03:08 Uhr

Marine-Erlebnistag mit Protestnote

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Beim Tag der Bundeswehr in Mürwik wollten die meisten Besucher die „Gorch Fock“ aus nächster Nähe sehen – nicht alle waren willkommen

Es kommt nicht so häufig vor, dass die Marineschule Mürwik ihr Segelschulschiff Gorch Fock an der Pier der Blücherbrücke begrüßen darf. Zuletzt war das zur Vereidigung im vergangenen August der Fall. Noch seltener ist es, dass Gäste in Flensburg die Bark sogar betreten dürfen. Beim ersten Tag der Bundeswehr am Sonnabend war das gleich sieben Stunden lang möglich – und tausende Besucher wollten sich die Chance nicht entgehen lassen, den Dreimaster mit dem dreifachen hölzernen Steuerrad, dem Hauptruder, den beiden imposanten gut 45 Meter hohen rahgetakelten Fock- und Großmast und der perfekt polierten Schiffsglocke aus dem Baujahr 1958 aus der Nähe zu sehen.

Und das wollten viele: Um 14.20 Uhr zählten Kapitän zur See Nils Brandt und seine Crew bereits 2290 Besucher an Bord – bis 17 Uhr mögen es fast 4000 gewesen sein, die den Windjammer enterten. Auf eine kleine Besuchergruppe hätte die Marine wohl gerne verzichtet: Acht Friedensaktivisten waren gegen Mittag in die Takelage geklettert und hatten in rund 20 Metern Höhe ein Transparent mit der Aufschrift festgemacht: „War starts here“ (Krieg beginnt hier). Außerdem hissten sie eine Piratenflagge, die einen Totenkopf mit zerbrochenen Gewehren zeigte. „Die Bundeswehr präsentiert sich hier als moderater Arbeitgeber“, klagten sie. Dabei werde verschwiegen, dass Soldaten eigentlich zum Töten ausgebildet würden. Nach einer guten Viertelstunde nahm die Besatzung Banner und Flagge wieder ab. Die Besucher, die später kamen, hatten eher mit anderen Schwierigkeiten auf dem Dreimaster zu kämpfen. Als gegen 14.30 Uhr der große Regen einsetzte, fand nicht jeder auf dem Hauptdeck Schutz vor der Witterung: „Ab jetzt wird es ungemütlich“, befand ein Besatzungsmitglied und ergänzte: „Hoffentlich wird nicht auch noch Ölzeug befohlen.“ Dabei waren die Decksplanken nach dem ersten Platzregen überhaupt nicht rutschig, sondern erstaunlich trittfest. Ein Offizier berichtete, dass das Deck aus Teakholz ist. Die Einschätzung der Trittfestigkeit teilte er nach sechs Wochen Fahrt mit der Gorch Fock indes nicht so ganz: „Ich habe mich einmal ziemlich langgelegt.“

Rund 30 Aktionen und Informationsangebote gab es – vom Besuch im Marine-Planetarium über eine praktische Übung zur Sprachenausbildung bis zur Demonstration der elektronischen Kampfführung im „Dingo“ bei der „Schule für Strategische Aufklärung“. Der Kommandeur der Marineschule, Carsten Stawitzki, berichtete einer Besuchergruppe, dass die Schule bis zu 350 Lehrgangsteilnehmer zugleich aufnehmen könne und übers Jahr zwischen 800 und 1200 Offiziere und Matrosen ausbilde. Und wenn die „Gorch Fock“, wie meist, nicht an der Pier liege, verfüge man über zwei große und mehr als ein Dutzend kleinere Segelyachten für die seemännische Ausbildung.

Die Marineschule hatte zum Tag der Bundeswehr praktisch an alles gedacht. Im Zelt der Zivilbeschäftigten gab es für alle Gäste sogar Plastikregenanzüge.

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