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Flensburger Tageblatt

20. Oktober 2017 | 00:46 Uhr

Marienstraße versinkt im Schlamm

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Heftiger Regen spült Baustelle frei und sorgt für chaotische Verhältnisse bis hinunter zum Nordermarkt

shz.de von
erstellt am 22.06.2013 | 08:30 Uhr

Es ist kurz vor 17 Uhr, als Anwohnern der Marienstraße ein riesiger Schrecken durch die Glieder fährt. Mark Moor (27) ist gerade am Telefonieren, als sich das Unheil ankündigt. „Es hörte sich an, als würde ein Wasserfall die Straße herunterrauschen“, sagt der Flensburger, noch immer unter dem Eindruck des Geschehens. „Ein ohrenbetäubender Lärm.“

Er eilt ans Fenster und mag nicht glauben, was er sieht. Eine braune Schlammlawine, bahnt sich den Weg hinunter, mäandert über die Norderstraße, entlang der Marienkirche bis hin zum Nordermarkt, einem reißenden Bach gleich. Durch die heftigen Regenfälle scheint sich die Dauerbaustelle selbstständig gemacht zu haben. „Jetzt haben wir auch unseren Elbeablauf“, versucht einer zu scherzen. Doch zum Lachen ist niemandem zumute. Anwohner stürzen auf die Straße, nehmen Schaufeln in die Hand. Sie versuchen tapfer, gegen Sand und Geröll anzukämpfen. Hauptsächlich geht es darum, die Gullys freizuhalten, damit das Wasser entweichen kann. Es gelingt: Keller und Garagen bleiben weitgehend verrschont.

Derweil suchen die Besucher der Cafés und Kneipen am Nordermarkt fluchtartig das Weite. Der ganze Nordermarkt ist vollgelaufen. Sönke Krob, Wirt im „Cervino“ steht im Handumdrehen ohne Gäste da. Auch draußen vor dem „Kritz“ legt sich die Geselligkeit schlagartig – es wird ungemütlich. Wer sitzt, reißt die Beine hoch, um nicht durchnässt zu werden. Es wird spekuliert, wie das bisher nicht gekannte Phänomen entstehen konnte. „Die Baugrube wird vollgelaufen und dann ausgespült worden sein“, mutmaßt etwa Michael Heinrich. Er wohnt bald 18 Jahre in der Marienstraße. „So etwas habe ich hier bislang noch nicht erlebt“, sagt er. Sein Nachbar Peter Dammann pflichtet ihm bei. „Wir haben doch schon weit stärkere Regenfälle gehabt.“

Sönke Krob indes will gehört haben, dass sich vor einer Aufschüttung an der oberen Marienstraße das Wasser gestaut habe. Die erste Lawine, weiß jemand, sei bereits gegen 12 Uhr abgegangen. „Passanten haben die Polizei alarmiert“, sagt er, „die haben geahnt, was passieren würde.“ Einige hätten es zumindest geschafft, ihre Autos in Sicherheit zu bringen.

Gegen 18 Uhr taucht ein vom TBZ beauftragter Ingenieur auf, das Handy am Ohr. Die Baufirma soll kommen, um die Baustelle abzusichern. Anderthalb Stunden könne das jedoch in Anspruch nehmen.

Ende des Jahres sollte die Baustelle ursprünglich beseitigt sein. Jetzt wird es mit der Fertigstellung der Straße vermutlich noch ein wenig länger dauern. Michael Heinrich lächelt gequält. „Das wirft uns“, sagt er, „um Wochen zurück.“

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