zur Navigation springen

Prozessbeginn in Flensburg : Mann gibt Vergewaltigung einer jungen Frau am Alten Friedhof zu

vom

Ein Mann soll eine junge Frau geschlagen, gewürgt und mehrfach vergewaltigt haben. Jetzt steht er in Flensburg vor Gericht. Zum Auftakt zeigt sich der Angeklagte reuig.

Flensburg | Ein junger Mann hat vor dem Landgericht Flensburg zugegeben, im April eine Frau am Alten Friedhof vergewaltigt zu haben. „Der Vorwurf ist richtig“, sagte seine Anwältin zum Prozessauftakt am Dienstag. Die 23-Jährige sei früh morgens auf dem Weg zur Arbeit gewesen, als der Mann sie überfallen und in ein Gebüsch gezerrt habe, sagte der Staatsanwalt. Er habe sein Opfer gewürgt und mit Fäusten ins Gesicht geschlagen, als diese sich wehren und mit dem Handy die Polizei rufen wollte. „Aus Angst“ gab die Frau laut Staatsanwalt irgendwann den Widerstand auf. Der Angeklagte habe sein Opfer mehrfach vergewaltigt.

Die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft räumte der mittlerweile 26-Jährige in seiner Erklärung weitgehend ein. Er habe in der Nacht zuvor mit Freunden gefeiert, getrunken, erstmalig gekokst und auch die Droge Liquid Ecstasy probiert, hieß es dort zudem. Als ihm die Frau entgegen gekommen sei, habe er sie in den Schwitzkasten genommen, zu Boden gerissen und auf den Alten Friedhof gezerrt. Auch die mehrfache Vergewaltigung gab er zu.

Später habe er nicht fassen können, was er getan habe. „Mir tut das alles sehr leid“, heißt es in der Erklärung. Er wisse, dass es für seine Tat keine Entschuldigung gebe und sein Opfer lange darunter leiden werde. Auch andere angeklagte Taten, darunter eine Belästigung und einen Wohnungseinbruch, gab der Angeklagte zu.

Das Vergewaltigungsopfer selbst sollte am Dienstag unter Ausschluss der Öffentlichkeit befragt werden.

Für den Prozess sind drei Verhandlungstage bis kommenden Montag angesetzt.

shz.de mit einer Chronologie:

8. April 2015: Brutale Vergewaltigung
Am Alten Friedhof in Flensburg wird gegen 6 Uhr morgens eine 23 Jahre alte Frau auf dem Weg zur Arbeit von einem dunkel gekleideten Mann mit großer Brutalität zu Boden geworfen, geschlagen und vergewaltigt. Das Opfer wird zur Behandlung ihrer Verletzungen ins Krankenhaus gebracht, Angaben zur Tat kann die Frau kaum machen. Weil sie aber sofort nach dem Überfall den Notruf wählt, können umfangreiche Spuren am Tatort gesichert werden. Die Spurensicherung mit Spürhunden dauert bis in den Nachmittag hinein. Die Polizei sucht offensiv nach Hinweisgebern. Pendler und Anwohner, die als Zeugen des Verbrechens in Frage kommen, werden in großer Zahl befragt.

9. April 2015: Öffentliche Fahndung
Da in der Nähe des Tatortes in den Vormonaten mehrere ungeklärte Fälle sexueller Belästigung gemeldet wurden, geht die Polizei von einem Wiederholungstäter aus. Die Behörde verteilt Flyer im Friedhofsbereich, um die Passanten diesbezüglich zu sensibilisieren. 3000 Euro Belohnung werden für Hinweise zur Ergreifung des Täters ausgesetzt. Der Tatverdächtige wird wie folgt beschrieben: Männlich, 22-28 Jahre alt, etwa 180 cm groß, dunkel gekleidet. Die Polizei bittet um Mithilfe aus der Bevölkerung und betreibt Öffentlichkeitsfahndung über ihre Facebook-Seite: „Noch nie ist diese Seite so stark frequentiert worden“, sagt Pressesprecher Matthias Glamann.

10. bis 12. April 2015: Diverse Hinweise
Es geht eine große Zahl von Hinweisen ein, die auch über länger zurückliegende Taten Auskunft geben. Diese Meldungen erweisen sich für die Tätersuche jedoch nicht als zielführend.

15. April 2015: Tatverdächtiger wird festgenommen
Die Polizei feiert einen schnellen Ermittlungserfolg: Ein DNA-Abgleich beim Landeskriminalamt Schleswig-Holstein führt die Ermittler auf die Spur eines polizeibekannten, in Flensburg wohnhaften Mannes. Der 25-Jährige wird am Abend in seiner Wohnung wegen dringenden Tatverdachtes vom K1 der Bezirkskriminalinspektion verhaftet und vorläufig festgenommen. Er leistet keinen Widerstand.

16. April: Haftrichter erlässt Haftbefehl
Auf Antrag der Flensburger Staatsanwaltschaft wird der mutmaßliche Täter dem Haftrichter des Amtsgerichts vorgeführt. Dieser erlässt Haftbefehl, der Beschuldigte schweigt. „Der Mann ist der Polizei bekannt“, sagt Oberstaatsanwältin Ulrike Stahlmann-Liebelt,, „allerdings nicht durch einschlägige Taten.“ Ob der Täter mit den anderen Sexualdelikten in der Friedhofszone etwas zu tun hat, „das wird derzeit überprüft“, sagt die Sprecherin der Staatsanwaltschaft.

Zwischen August 2014 und Januar war es zu Übergriffen durch Exhibitionisten gekommen. In einem Fall war eine 17-Jährige am 15. Oktober durch einen Unbekannten verfolgt und angegriffen worden. Dank des mutigen Eingreifens eines Zeitungsausträgers wurde der Unbekannte in die Flucht geschlagen. In der Nacht zum 6. Dezember hatte ein Mann auf Krücken eine 19-Jährige ab Schiffbrücke bis auf die Westliche Höhe verfolgt, bevor er sie attackierte. Er hatte nach heftiger Gegenwehr die Flucht ergriffen.

17. September 2015: Anklage
Die Staatsanwaltschaft Flensburg erhebt wegen besonders schwerer Vergewaltigung und Körperverletzung Anklage gegen den Verhafteten. Dem Mann wird ebenfalls vorgeworfen, bereits 2014 eine Frau angegriffen zu haben.

13. Oktober 2015: Prozessbeginn
Für den am Dienstag beginnenden Prozess sind zunächst drei Verhandlungstage angesetzt.

Blaulichtmonitor

Was ist der Blaulichtmonitor?

zur Startseite

von
erstellt am 13.Okt.2015 | 16:14 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert