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Die Welt in Flensburg : Maniok an der Marineschule

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Beim International Fair stellten die ausländischen Lehrgangsteilnehmer Köstlichkeiten aus ihren Ländern vor

shz.de von
erstellt am 26.Mai.2017 | 07:26 Uhr

Ähnlich wie die Kartoffel enthalten die Wurzeln dieser in tropischen und subtropischen Gegenden der Welt weit verbreiteten Pflanze viel Stärke, aber hierzulande ist Maniok ein eher exotisches Gemüse. Eine seltene Kostprobe davon gab es jetzt in der Marineschule Mürwik – bei einem multikulturellen „International Fair“, den die ausländischen Teilnehmer des zu Ende gehenden Offizierslehrgangs Crew VII/2016 gestalteten.

Ein Jahr lang haben die Kadetten unendlich viele Eindrücke ihrer Ausbildung in Deutschland sowie Flensburger Impressionen auf- und wahrgenommen. Zum Abschluss des Lehrgangs stellten sie nun ihren deutschen Kameraden wesentliche Aspekte ihrer Kulturen vor. So auch Philippé Etound aus Kamerun, der Maniokwurzeln in Blättern gekocht hatte, „Feu de Manioc“ genannt. „Das wird bei uns zu Hause immer zu Fisch gegessen“, erläuterte der junge „élève officier active“, während sein Lehrgangskamerad Sebastian Eberlein das Gericht mit deutlichem Respekt probierte.

Und wie war die Zeit an der Flensburger Marineschule? „Anfangs dachte ich, die Integration könnte anstrengend sein. Doch wir wurden von der Gemeinschaft gleich toll unterstützt“, sagte der Kameruner, der dank eines gründlichen Sprachkurses vorab wie alle ausländischen Kadetten bemerkenswert gut Deutsch spricht.

An einem anderen Stand in der Aula des historischen Schulgebäudes hatten Christina Seedorf und Sophie Albers ein Reisgericht erwartet – sie verkosteten jedoch eines aus leicht süßlichem Mais, „Ablo“, das in Benin als Hauptgericht mit Fleisch und Sauce gegessen wird. Zubereitet hatte es Suraju Gbeniga, wie die meisten Afrikaner farbenprächtig und leicht gekleidet, schließlich ist es dort deutlich wärmer als bei uns. Das galt auch für Kalembo Joao, der zahlreiche Printinfos und Fotos sowie traditionelle Holzschnitzereien aus seiner Heimat Angola mitgebracht hatte. Andere Kadetten aus Nigeria, Senegal, Thailand und Korea informierten mit Videos, Folklore und Musikinstrumenten, insgesamt also eine jeweils ergiebige Landeskunde.

Eine der etwa 40 Frauen des Lehrgangs war Astrid Guerin aus der Nähe von Paris. Die junge Französin war erst drei Wochen bei der Marine ihres Landes, als sie vor einem Jahr nach Flensburg an die MSM kam. „Die Ausbildung ist weniger militärisch als erwartet“, sagt sie. Für sie folgen jetzt praktische Technik sowie Infanteristische Basis, dann geht’s an die Bundeswehr-Universität nach Hamburg. Schafft sie dort ihren Master, wird sie Berufssoldatin. Für ihre Kameraden hatte sie (natürlich!) Crêpes zubereitet, dazu französisches „Nütella“ sowie Crème de Marrons. Und Flensburg? „Die Stadt ist voll süß mit dem Hafen und so, nur das Wetter…“, sagte sie.

Zwei Lehrkräfte ließen es sich ebenfalls nicht nehmen, Heimatliches vorzustellen. Lieutenant Commander Joe Ballard von der US Navy verteilte „Texas Cowboy Chili“, vorsichtshalber nur in kleinen Bechern, da „very hot“. Er unterrichtet die nächste Crew, ist erst seit drei Wochen hier, hat aber schon festgestellt, dass die Flensburger „nette Menschen“ seien. Serena Scott, Lieutenant der Royal Navy, hatte mit Ehemann Nicholas mit Roastbeef und Yorkshire Pudding sowie Scones samt Clotted Cream echt britische Klassiker vorbereitet, die reißenden Absatz fanden. Sie findet Flensburg „fantastisch“, hat in gut einem Jahr (von dreien an der MSM) viele Freunde gefunden und freut sich, dass die drei jungen Söhne auch Deutsch lernen.

Maßgeblich vorbereitet hatte den International Fair der MSM Stabs-Bootsmann Heiko Petersen, der sich besonders darüber freute, wie sehr sich die ausländischen Kadetten darin einbrachten. Kapitän Stephan Annighöfer, stellvertretender Kommandeur, unterstrich die Vielfältigkeit der Menschen, die an der MSM zusammen arbeiteten: „Hinsichtlich Religion, Nation und persönlicher Orientierung sind wir alle verschieden. Uns eint das Ziel, die Herausforderungen des Dienstes in der Marine gemeinsam zu bewältigen“. Und Chantal Wiese aus Neustadt/Holstein, Obergefreite OA, sagte: „Der Umgang mit unserem senegalesischen Kameraden in der Klasse war unkompliziert und setzte interessante Impulse für einen kulturellen Austausch.“

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