St. Johannis Flensburg : Makellose Choral-Akrobatik

Fantastisch, diese Vier! Mirko Ludwig (Tenor), Florian Sievers (Tenor), Christoph Behm ( Bariton) und Sönke Tams Freier (Bass, von links) wurden in St. Johannis frenetisch gefeiert.
Fantastisch, diese Vier! Mirko Ludwig (Tenor), Florian Sievers (Tenor), Christoph Behm ( Bariton) und Sönke Tams Freier (Bass, von links) wurden in St. Johannis frenetisch gefeiert.

Frenetischer Beifallssturm für tolles A-cappella-Konzert von „Quartonal“ in der Konzertreihe „Johannisklang“

shz.de von
16. April 2018, 15:52 Uhr

Der kurze, meditative Moment zu Beginn zeigte programmatische Wirkung: Er verband die Solisten spontan mit dem Publikum, nahm dieses mit in andere, höhere Sphären – dort, losgelöst vom Alltäglichen, erfüllte es die Zuhörer mit fein gewebten harmonischen Klängen als angenehm akustisches Balsam für Gehör und Seele. Verstärkt noch vom wunderschönen Kirchenraum in St. Johannis mit seiner dann leicht „kathedralischen“ Akustik.

„Quartonal“ nennen sich die vier Sänger, ehemalige Mitglieder der Chorknaben Uetersen, die zwölf Jahre nach ihrer Gründung zu den begehrten Vokalensembles nicht nur in Deutschland gehören. Im Schleswiger Dom waren sie zu hören und auch beim Schleswig-Holstein Musikfestival waren sie zu Gast. Ihr Repertoire setzt sich aus mehrstimmigen Vokalwerken zusammen, deren Bogen sich von der Renaissance über die Romantik bis hin zu modernen Kompositionen spannt, Pop und Folklore inklusive. In Flensburg brillierten sie mit „Love Songs“, Vokalmusik mit geistlicher und weltlicher Liebeslyrik. Alles a cappella und nach dem Quartonal-Motto „Vier Stimmen – ein Klang“.

Der erste Abschnitt war geistlichen Werken gewidmet mit Liedern in lateinischer Sprache: „Ubi caritas?“ (Wo ist die Liebe?) erinnerte er an den Gottesbezug spätmittelalterlicher Lyrik, machte Anleihen beim Hohelied Salomons und passte ebenso wie das „Von guten Mächten wunderbar geborgen“ ideal in den kirchlichen Kontext. Schön die theatralischen Akzente mit Dissonanzen und sogar Fußstampfen beim „terribilis“.

Deutlich leichter, weltlicher, mehrere englischsprachige Lieder zum Thema Liebe, die romantische Assoziationen zur entsprechenden Gefühlslage evozierten à la „Shall I compare thee to a summer’s day“… Bemerkenswert die chorale Akrobatik bei einem eigentlich schlichten „La la la la la la“, aus dem die beiden Tenöre, der Bariton und der Bass ein intelligent intoniertes Kunstwerk gestalteten.

Mit folkloristischen Titeln überwältigte Quartonal schließlich das Publikum endgültig: So mit der Interpretation von „Dat Du min Leevsten büst“. Speziell für die Gruppe arrangierte Titel wie „Les Champs-Élysées“ rundeten den populären Teil ab. Zu den zahlreichen (!) Zugaben gehörte „What shall we do with the drunken sailor?“, bei dem die Vier ihr komödiantisches Talent unter Beweis stellten.

Die Vokalvirtuosen von Quartonal erhielten frenetischen Beifall für ihre makellosen Gesangsleistungen. Die 150 Besucher des zweiten Konzerts in der Reihe „Johannisklang“ erlebten echten Kulturgenuss a cappella. Dieter Bensch und Gabi Witt waren begeistert: „Wir hatten bereits eine CD von der Gruppe, wollten sie nun direkt hören. Der technisch anspruchsvolle Gesang hat uns beeindruckt, insbesondere die harmonische Verknüpfung der unterschiedlichen Stimmlagen“, so die Besucher aus Ausacker und Wassersleben.

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