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Schiffbau in Flensburg : Mahagoni-Rettungsboote für die Alex

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Neubauten von der Robbe-&-Berking-Werft sollen die ursprüngliche Dampfersilhouette von 1908 wieder herstellen

shz.de von
erstellt am 29.Dez.2016 | 06:11 Uhr

Irgendwann waren sie verschwunden, die beiden weißen Rettungsboote. Und vermisst wurden sie auch nicht besonders. Hoch oben auf dem Peildeck der „Alexandra“ hatten sie noch zu Dienstzeiten bei der Förde-Reederei eher Alibi-Charakter. Für die Sicherheit hatte der Denkmalsdampfer wirkungsvollere Rettungsmittel an Bord. Und trotzdem: Im Zuge des seit Herbst laufenden Sanierungsprogramms wird für die beiden verschollenen Boote Ersatz gebaut. Und zwar bei Robbe & Berking, auf der Werft für klassische Yachten.

In der kleinen Werfthalle liegen die Boote zurzeit kieloben auf ihren Lagerböcken. Überwiegend beschäftigt sich die 20-köpfige Werftmannschaft mit Bau, Restauration und Pflege von meist deutlich komplexeren Booten – etwa den über 20 Meter langen Rennyachten der Meterklasse, von denen zehn in den Hallen der Werft überwintern. Aber dennoch weiß Betriebsleiter Sönke Stich diesen „kleinen“ Auftrag sehr zu schätzen. „Erstens“, sagt er, „ist das ein netter Auftrag. Wir freuen uns, für die Alexandra etwas zu machen.“ Es gibt auch ein Zweitens. Die Arbeit mit diesen einfachen Klinkerbooten, so Stich, führt zu den grundlegenden Fertigkeiten des Bootsbaus zurück. „Das ist besonders für unsere vier Auszubildenden sehr lehrreich.“ Die arbeiten natürlich nicht völlig losgelöst, sondern unter dem kritischen Blick eines Meisters.

Weil die Originale zum Maßnehmen nicht mehr zur Verfügung standen, war vor der Kiellegung noch eine kleine Recherchearbeit zu erledigen. Im hauseigenen Archiv, dem weltweit größten seiner Art, fand sich der Riss eines alten englischen Ruderbootes, der den auf zeitgenössischen Fotografien abgebildeten Rettungsbooten sehr nahe kommt. Yachtkonstrukteur Kay Enno Brink zeichnete auf dieser Grundlage daraufhin den Plan für die beiden Alex-Boote. Sie sind aus Mahagoni, je fünf Meter lang, 1,55 Meter breit; für den Antrieb sind zwei nacheinander angeordnete Ruderplätze vorgesehen. Platz an Bord ist für maximal 15 Personen.

„Ein Witz! “, sagt dazu Frank Petry, Hafenkapitän und 2. Vorsitzender des Fördervereins der „Alexandra“. Das stimmt wohl, gemessen an der Zulassung für 400 Passagiere, mit denen der Dampfer zu Kaiser Wilhelms Zeiten unterwegs war. Es gab, so Petry, auch sonst keine sonderlich hilfreichen Rettungsgeräte an Bord. „Wenn da was passiert wäre, hätte das viele Tote gegeben.“ Unfreiwillig dokumentieren die beiden Boote so auch die Leichtfertigkeit, mit der im frühen 20. Jahrhundert das Thema Sicherheit behandelt wurde. Der Dampfer, beruhigt Petry, hat schon lange alle erforderliche Sicherheitsausrüstung an Bord. „Die Rettungsboote werden nicht benötigt und würden auch nicht zum Einsatz kommen“, sagt er.

Die Werft will beide Boote im Februar abliefern – unfertig übrigens: Aus Kostengründen übernimmt der Förderverein den Anstrich selbst. Wenn die „Alexandra“ nach dem Kesseltausch in Husum im Januar plangemäß wieder in Flensburg einläuft, werden auf dem Deck die Galgen montiert, an denen die auf Böcken gelagerten Rettungsboote fünf Meter tief zu Wasser gelassen werden können.

Mit der optischen Aufwertung komplettiert der Förderverein das Sanierungsprogramm für das Denkmalsschiff. „Die Silhouette sieht dann wieder wie ganz früher aus“, freut sich Petry. Im Zuge der Sanierung wurden etliche Quadratmeter Schiffshaut und ein großer Teil der Spantenkonstruktion erneuert. Im Dezember erhielt die Alex in der Husumer Schiffswerft Ersatz für den Originalkessel aus dem Jahr 1908. Die über 650 000 Euro teure Sanierung war nur möglich, weil sich Land und Denkmalschutz so wie viele Spender finanziell beteiligten.

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