Dampf Rundum : Magischer Sieg der "Borøysund"

Mini-Ausgabe des Dampfer-Rennens: Die Dampfboote fuhren im Hafen um die Wette. Foto: Euler
Mini-Ausgabe des Dampfer-Rennens: Die Dampfboote fuhren im Hafen um die Wette. Foto: Euler

Als Sieger des Dampferrennens nimmt das norwegische Museumsschiff "Borøysund" das "Blaue Brauer-Band" mit nach Hause - nicht unbedingt für Höchstgeschwindigkeit.

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13. Juli 2009, 11:37 Uhr

Flensburg | Immer schon hatte das Dampferrennen etwas mit seemännischem Augenzwinkern zu tun, gilt es doch, Neulingen bei dem Ereignis oder besonders tapferen Crews die Seele zu streicheln. Und so tippten Insider auf die "Borøysund" aus Oslo, hatte sie mit rund 400 Seemeilen doch die weiteste Anreise.

Was dann aber auf der Rennstrecke zwischen Glücksburg-Schwennau und Flensburg-Fahrensodde tatsächlich geschah, ließ sowohl die Organisatoren als auch andere Kenner kräftig staunen. Die Schiffe hatten mit dem Bug zur imaginären Startlinie eingedreht, von Bord der "Alex" fiel der Startschuss und ab ging die Flotte der Oldies. Von Materialschonung war nicht viel zu merken, unter den tief hängenden, grauen Wolken blieben in der feuchten Luft Ruß und Dampf lange hängen. Kenner fühlten sich an dramatische Gemälde der Skagerrak-Schlacht von Marinemalern erinnert. Und von wegen Vortritt - Eisbrecher "Stettin", das Kraftpaket mit rund 2400 PS, zeigte allen, wo die Kohlenschaufel wirklich hängt. Sie fegte über das kabbelige Wasser der Innenförde, ließ alles, was noch so dampfte, deutlich hinter sich und zog als erste über die Zielline.
Eisbrecher mit Show-Einlage
Aber hier griff dann die von Kapitän Wolfgang Weyhausen erfundene Renn-Formel: Länge des Schiffes mal Baujahr mal Länge der Anreise in Seemeilen. Da hatte die "Stettin" keine Chance mehr, und mit Protesten war auch nicht zu rechnen. Die Küstenklatschwelle vermeldete, dass die Crew des Eisbrechers dieses Schauspiel abgezogen hatte, um dem mitreisenden Sponsor des Schiffes zu zeigen, was die "Stettin" so drauf hat. Er dürfte beeindruckt gewesen sein...

Damit die Regie wieder stimmte, erklärte Kapitän Weyhausen seine über 11 Knoten schnelle "Alexandra" wegen unerlaubten Abkürzens für disqualifiziert. Und zum Sieger rief er aus - niemand wird sich wundern - Dampfer "Borøysund". Kapitän Magne Hansen staunte: "Ich hätte nie gedacht, dass mein Schiff so schnell sein kann!"

Eine schöne Einlage boten die Kapitäne der schnellen Schiffe ihren Gästen noch nach dem Ende des Rennens: Sie fuhren nicht gleich durch bis in den Hafen, sondern drehten vor der Werft noch einmal um und liefen der übrigen Flotte entgegen. So konnten die Fahrgäste noch einmal die Schiffe in voller Schönheit bewundern.

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