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Theater in der Kirche in Flensburg : Luthers Auftritt in St. Jürgen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Nordangler Speeldeel führt das Stück „Lüüd, Luther un de Dübel“ von Wolfgang Börnsen auf.

Eins steht fest: Heldenverehrung soll es nicht sein, wenn die Nordangler Speeldeel das Stück „Lüüd, Luther un de Dübel“ in der St.-Jürgen-Kirche aufführt. Lüüd steht nicht umsonst am Anfang des Titels, und der große Reformator kommt auch nur in drei von insgesamt neun szenischen Bildern vor. So hat es Wolfgang Börnsen als Autor des plattdeutschen Stückes gewollt. De Lüüd, die Leute stehen im Vordergrund. Und die Leute schnackten einst platt, auch, dessen ist sich Börnsen nach umfangreichen Recherchen sicher, in der Umgebung der Schauplätze, auf denen Luther auftrat. Das Geschehen um den Reformator aus der Sicht der kleinen Leute, die dank Luther die Bibel verstehen konnten, für die sich Religion plötzlich nicht mehr nur hinter den dicken Mauern der Klöster und Kathedralen abspielte.

Und jetzt starten Wolfgang Börnsen, die Schauspieler der Nordangler Speeldeel und der Förderverein zur Erhaltung der St.-Jürgen-Kirche eine Zeitmaschine und nehmen die Zuschauer des Jahres 2017 mit in die Ära vor 500 Jahren. Jürgen Bachmann, Leiter der Bühne, sagt im Brustton der Überzeugung: „Das ist ein tolles Stück!“

Noch mehr Zuschauer sollen das Stück kennen lernen. Wenn der Kirchentag 2017 zum Reformationsjubiläum in Berlin und Wittenberg gefeiert wird, wird die Theatercrew in die deutsche Hauptstadt einziehen. Ein Theater im Wedding wird die Bühne für das Lutherstück bieten. „Aber jetzt kommt ein Stück Kirchentag nach St. Jürgen“, freut sich der Fördervereins-Vorsitzende Peter Reitner.

Berlin wird ein Kraftakt, erwartet Jürgen Bachmann. Denn der Aufwand für die Aufführung ist gewaltig. Insgesamt 40 Mitwirkende im Alter zwischen acht und 86 Jahren sind auf und hinter der Bühne dabei. Und beim Kirchentag gibt es kaum helfende Hände, da muss sich die Truppe aus Angeln um alles selbst kümmern.

Luther op platt – geht denn das? Und ob, sagt Wolfgang Börnsen. Die Sprache der Menschen im Gebiet der Reformation sei niederdeutsch gewesen, sicherlich mit unterschiedlichen Dialekten. Kirchenhistoriker hätten nachgewiesen, dass Luther Plattdeutsch verstanden und gesprochen habe. Die teilweise derbe Sprache sei nachgewiesen.

In manchen Passagen wird auch Hochdeutsch gesprochen, damit Zuschauer, die die plattdeutsche Sprache nicht beherrschen, trotzdem dem Stück folgen können. Und wenn denn die Vertreter der Kirche auf Hochdeutsch beraten, was mit diesem aufmüpfigen Luther geschehen solle, dann schafft das die Distanz, die sicherlich früher zwischen den Kirchen-Oberen und dem Volk geherrscht hat.

Wer die Szene erwartet: Auch der Teufel tritt auf. Gespielt wird die Rolle allerdings nicht von einem Mann, sondern einer Schauspielerin. Die wird für ihre Rolle im Stil des 21. Jahrhunderts ausgestattet. 

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erstellt am 17.Feb.2017 | 09:38 Uhr

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