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„Wagenwesen“ in Flensburg : Luftschlossfabrik: Pächter will Bauwagen-Siedler am Friedensweg vertreiben

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die ehemaligen Besetzer vom Harniskai sind weitergezogen. Ihre Bauwagen haben sie auf einem Grundstück am Friedensweg abgestellt. Dem Pächter gefällt das gar nicht.

shz.de von
erstellt am 08.Jun.2016 | 07:57 Uhr

Flensburg | Die ehemaligen Bauwagen-Siedler der geräumten Luftschlossfabrik an der Flensburger Harniskaispitze sind auf ihrem neuen Grundstück nicht gerne gesehen. In einer Nacht- und Nebelaktion hatten sie ihr vorübergehendes Quartier an der Europawiese geräumt und waren weitergezogen auf ein Grundstück am Friedensweg unweit einer Flüchtlingsunterkunft. Der Pächter des Areal ist darüber entsetzt.

Anfang Februar hatte die Räumung der Luftschlossfabrik bundesweit für Aufsehen gesorgt. Polizisten stürmten das Kulturzentrum. Die Bewohner sowie autonome Sympathisanten leisteten Widerstand.

Miriam Konczak hat sich ein Bild gemacht – und ein richtungsweisendes Urteil gefällt. „Sie sind ja nett und friedlich, aber auf dem Holzweg.“ Das sagt die Reitlehrerin über ihre neuen Nachbarn am Friedensweg, an dem sie ihren Reit- und Ausbildungsstall betreibt. Nomen est omen?

Nach dem Umzug der Bauwagen-Siedler auf das Grundstück am Friedensweg gibt es ein Sammelsurium an Missverständnissen, Überraschungen und Schuldzuweisungen. Der größte Irrtum bestand zunächst darin, dass das Kollektiv in dem Glauben handelte, ein städtisches Grundstück in Beschlag zu nehmen, um danach in Verhandlungen treten zu können. Fatal. Denn tatsächlich ist die Wiese in Privatbesitz. Eigentümerin des 30.000 Quadratmeter großen Geländes soll eine zehnköpfige Erbengemeinschaft sein. Die wiederum hat das Grundstück, das als landwirtschaftliche Nutzfläche und Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen ist, an einen inzwischen 80-jährigen Flensburger verpachtet.

Auch der machte sich ein Bild – und war entsetzt. „Sie sollen verschwinden“, fordert Hans Clausen klipp und klar. Er nutzt einen Teil der Fläche als Abstellplatz für Mähmaschine, Hänger, Heuwender und Trecker. Mittendrin wuseln nun die Besetzer. Dafür fehlt ihm jedes Verständnis. „Unsereins muss für jede Kleinigkeit eine Genehmigung einholen – und die stellen sich einfach da hin.“

Viel Platz im Grünen: „Wir wollen eine friedliche Lösung“, versichert ein Mitglied des Bauwagen-Kollektivs.
Viel Platz im Grünen: „Wir wollen eine friedliche Lösung“, versichert ein Mitglied des Bauwagen-Kollektivs. Foto: Dewanger
 

Bis vor kurzem noch hat Hans Clausen auf der Wiese Heu für seine Kühe eingeholt, die in der weiteren Umgebung grasten. Das ist nun vorbei, die Gesundheit spielt nicht mehr mit. Sollten die ungebetenen Gäste nicht freiwillig gehen, droht der erboste Pächter mit einer Strafanzeige. Etwa 3000 Quadratmeter hat er unterverpachtet – an die Stadttochter Bequa. Die hat bis vor etwa anderthalb Jahren die Fläche für ihr Projekt „Ikarus“ genutzt. Eine Maßnahme zur beruflichen Integration von Menschen mit Suchterkrankungen. Miriam Konczak lieferte den Pferdemist für die Gartenarbeit. Nicht zuletzt werkelt ein Imker hier mit seinen Bienen herum.

Fakt ist: Die Grundstücksrechte liegen beim Eigentümer. Das wissen auch die alternativen Wohnmobilisten. Sie betonen, dass sie bei der Verwaltung selbst die Auskunft eingeholt hätten, die Wiese sei in städtischem Besitz und zu verpachten. Sie betonen weiterhin, dass sie keinesfalls mit roher Gewalt und Bolzenschneider eingedrungen seien. „Wir haben ein offen zugängliches Gelände ohne Schranke vorgefunden und haben es bezogen“, sagt ein Bewohner.

Dass sich das Grundstück in privatem Besitz befinde, sei in der Tat eine missliche Situation. Gleichwohl hoffe man auf eine Fortsetzung der Gespräche mit, wie sie kryptisch formulieren, „Menschen, die für das Gelände verantwortlich sind und Befugnisse haben“. Die Bequa und der Pächter gehören zweifellos dazu. Und sollte „Ikarus“ auf das Terrain zurückkehren – was dann? „Dann ziehen wir freiwillig wieder ab“, versichert ein Sprecher. „Aber in Luft auflösen werden wir uns nicht!“

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