Flensburg : Luftnummer: Bauen auf dem Bunker

Ein Bau-Element nach dem anderen gelangt auf dem Luftwege auf das Dach des ehemaligen Militärbunkers, auf dem Andràs Zsiray bald wohnen wird.
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Ein Bau-Element nach dem anderen gelangt auf dem Luftwege auf das Dach des ehemaligen Militärbunkers, auf dem Andràs Zsiray bald wohnen wird.

Startschuss für ein spektakuläres Bauprojekt: In direkter Nachbarschaft zur Marineschule in Mürwik entsteht auf einem zwölf Meter hohen Bunker ein exklusives Penthouse.

shz.de von
22. August 2009, 06:27 Uhr

Flensburg | Er mutet an wie eine Kopie des legendären Tresors von Dagobert Duck. Doch jemanden, der in Geld schwimmt, wird man dort vergeblich suchen.
Der lange Zeit vergessene Bunker an der Mürwiker Straße ist seiner Schutzfunktion längst enthoben. Und in Zeiten friedlicher Koexistenz kann man es sogar wagen, sein trautes Heim direkt darauf zu setzen: "Schöner Wohnen" in luftiger Höhe. Eine verrückte Idee - das Projekt dürfte bundesweit einmalig sein.
"Der Bunker ruft seit 1945", weiß Dr. Andràs Zsiray, "doch nur ich habe ihn gehört." Der Flensburger Architekt trat in einen lebhaften Dialog mit dem Betonklotz und gebar schließlich die Idee, sein zweigeschossiges Einfamilienhaus in der Osterallee mit einem Flachdach-Penthouse einzutauschen, das er auf der 400 Quadratmeter großen Oberfläche des Bunkers errichten wollte. Der 66-Jährige ist des Treppensteigens müde. Kein Problem im neuen Traumhaus. Ein an der Außenhaut angebrachter Fahrstuhl wird ihn künftig direkt vor die Haustür bringen.
Erst Begeisterung, dann Bedenken, schließlich Genehmigung
Es war klar, dass ein derart ungewöhnliches Projekt bürokratische Hürden würde überwinden müssen. "Bei der Stadt zeigte man sich zunächst begeistert", sagt Zsiray. Doch dann kamen die Bedenkenträger. Es gab politische Schwierigkeiten, dazu die Angst vor dem Neuen, davor, einen Präzedenzfall zu schaffen. "Als ob Müller und Meier dann auch darauf bestehen würden, ihr Haus auf einem Bunker zu errichten", grinst Zsiray. Doch irgendwann sei der Groschen gefallen, habe die Stadt "das Brett vor dem Kopf heruntergenommen": Grünes Licht für den Neubau. Die einzigen Auflagen: ein 90 Zentimeter hohes Geländer, keine Anpflanzung größerer Bäume und eine mit der Denkmalpflege abgestimmte Farbgebung.
Der Architekt fühlt sich seit der Erteilung behördlichen Segens wie im siebten Himmel. Ein Rad greift nun ins andere. Aufgrund der natürlichen Gegebenheiten entfallen die Erdarbeiten, das Fundament ist quasi schon vorhanden. Lediglich die leicht gewölbte Oberfläche musste durch eine Ausgleichssole in die Waagrechte gebracht werden. Ein vier mal vier Meter großes, einst ausgesprengtes Loch bildet die ideale Vorgabe für den Keller. Und ein ehemaliger 15 Tonnen schwerer Luftschacht, dessen Abriss allein 20.000 Euro verschlungen hätte, wird kurzerhand in das Schlafzimmer integriert.
Größte Schwierigkeit: die Anschlüsse
Etwa 100 einzelne Bauelemente schweben via Teleskopkran nach und nach auf das Dach des Bunkers. Projektleiter Reinhard Grams kann schon für nächste Woche mit dem Bau des Fahrstuhls und des ebenfalls außen anzubringenden Treppenhauses planen.
Die größten Schwierigkeiten sieht er darin, die Anschlüsse und Versorgungsleitungen in frostfreier Tiefe des Bunkers zu versenken. Dazu wird man tief in das Fundament des Bunkers eindringen müssen. Im Innern des Ungetüms kann er sich irgendwann ein Aufnahmestudio oder einen Musikprobenraum vorstellen. Oder ein Archiv für wertvolle Dokumente. Immerhin sind die Wände 2,40 Meter stark, die Decke gar 3,60 Meter. "Sicherer", sagt Grams, "geht es nicht."

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