Glücksburg : Luftbuchung im Intermar: Appartment ist Baustelle

Die Sanierung des Intermar läuft sei eineinhalb Jahren auf Hochtouren. Ende 2018 soll sie abgeschlossen sein, doch zurzeit beherrschen Gerüste die Kulisse, und ab morgens um 7 Uhr herrscht Baulärm.
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Die Sanierung des Intermar läuft sei eineinhalb Jahren auf Hochtouren. Ende 2018 soll sie abgeschlossen sein, doch zurzeit beherrschen Gerüste die Kulisse, und ab morgens um 7 Uhr herrscht Baulärm.

Im Februar mietete Dieter Schilawa sein Apartment – jetzt stellt sich heraus: Die Unterkunft ist noch lange nicht fertig.

shz.de von
02. Juli 2018, 12:00 Uhr

Glücksburg | Die Zeit vor seinen kostbarsten Tagen des Jahres hatte sich Dieter Schilawa aus Dormagen anders vorgestellt. Im Februar hatte der Rentner für den Zeitraum 8. bis 22. Juli ein Apartment für sich und seine Frau im früheren Intermar-Hotel gebucht. Urlaub an Nord- und Ostsee genießen die beiden Rheinländer sehr. Die Vorfreude sollte jetzt, kurz vor Reisebeginn, am größten sein.

Zum Buchungszeitpunkt hatte es geheißen: „Am Objekt wird noch gearbeitet, aber bis Juli ist ja noch lange Zeit“, zitiert Schilawa in bester rheinischer Mundart. Inzwischen weiß der 71-Jährige: Die Unterkunft kann er vergessen. Da wird immer noch gebaut.

Meldung bei der Polizei

Erfahren hat er das laut eigener Angabe jedoch nur, weil er die Agentur, die ihm die Ferienwohnung vermittelt hatte, in diesen Tagen um letzte Informationen für die Anreise bat. Statt ihm die Informationen zu geben, habe man ihn immer wieder vertröstet“, so Schilawa. Der Rheinländer kontaktierte den Wohnungseigentümer – der ihn jedoch an den Vermieter zurück verwies. Da er dort nicht weiter kam – eine Mitarbeiterin habe sogar den Hörer „aufgeknallt“ – wandte er sich an die Polizei in Flensburg. Er landete in der Abteilung für Wirtschaftskriminalität. Der zuständige Mitarbeiter bemühte sich auf dem „kleinen Weg“ um eine Lösung. Er fragte bei der Agentur nach, erhielt entsprechende Informationen und gab sie nach Dormagen weiter. „Ich hoffe“, sagte der Beamte, „dass der Urlauber Schleswig-Holstein trotzdem als ein gutes Urlaubsland betrachtet.“

Die Informationen, die der Polizeibeamte einholte – und Dieter Schilawa offenbar nicht – erhielt auch unsere Zeitung von Günter Blankenagel. Ihm gehört die Agentur „Ferienwohnung 1846“. 140 Objekte in Flensburg und Glücksburg betreut das Unternehmen, darunter auch die von Schilawa angemietete Wohnung „Svea“ im Intermar.

Bau verzögert sich

„Wir haben dem Gast vor einigen Wochen mitgeteilt, dass ein Urlaub im Intermar wegen der hohen Bautätigkeit derzeit nicht möglich ist. Wir haben seine Anzahlung zurück überwiesen“, berichtet Blankenagel. Er habe rund zwölf Stornierungen für die Monate Juni und Juli im Intermar gehabt. Zehn Einheiten von privaten Eigentümern betreut seine Agentur derzeit in dem Gebäude. Die Intermar Holding will seine Tätigkeit in Zukunft ebenfalls in Anspruch nehmen.

Die Stornierungen seien sehr bedauerlich, so Blankenagel – in seinen Augen jedoch unumgänglich. „Das Gebäude ist eingerüstet. Bauarbeiter turnen überall herum. Die Flure sind nicht fertig und der Baulärm beginnt morgens um 7 Uhr.“ Bis auf Herrn Schilawa seien alle dankbar für die Offenheit gewesen und hätten konstruktiv reagiert.

Blankenagel betreibt die Vermietung von Ferienwohnungen seit 2008. Angefangen hatte es mit einer eigenen ungenutzten Haushälfte. Aus einem Hobby sei inzwischen eine Vollzeitbeschäftigung geworden, textet der ehemalige Bundeswehrpilot im Internet. Eigentümer von Ferienwohnungen empfehlen ihn weiter, viele Feriengäste geben positive Kommentare.

Neue Unterkunft gesucht

Aber hat er die Vermietung von Intermar-Wohnungen zu früh angesetzt? Pokern auf Kosten der Gäste? Die genaue Entwicklung der Arbeiten habe er im Februar nicht absehen können, lässt Blankenagel durchblicken. Stefan Densch von der Intermar Holding sagt: „Die Arbeiten dauern nicht länger als erwartet.“ Auch er hatte aber Ende Mai erste Zimmer-Vermietungen zum Juli/August prognostiziert. Blankenagel geht inzwischen von „nach dem Ostseeman“ aus, also ab Mitte August. Der Vollbetrieb ist laut Densch erst ab 2019 vorgesehen.

Dieter Schilawa hat kein Vertrauen in die Agentur von Blankenagel mehr. Er ist dabei, mit Hilfe der Glücksburger Touristinformation eine neue Unterkunft zu finden. Angebote liegen vor. Aber keines liegt so dicht am Wasser wie das ehemals gebuchte. Und die Preise seien auch gestiegen, klagt Schilawa.

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