Flensburger Köpfe : Lütke Namens - Widersacher Luthers

Lütke Namens
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Lütke Namens

Flensburg wird 725. Welche Bürger schrieben Stadtgeschichte, welche dürfen im "Who is Who" der Stadt nicht fehlen? In einer Serie stellen wir die wichtigsten Flensburger vor.

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12. August 2009, 11:26 Uhr

Flensburg | Flensburger Köpfe - Ob alle Absolventen des Alten Gymnasiums wissen, dass der Begründer dieser Schule ein Zeitgenosse von Martin Luther und einer der schärfsten Kritiker des Reformators aus Wittenberg war? Der Humanist und letzte Flensburger Franziskanermönch Lütke Namens (1498 - 1574), der zeitlebens ein entschiedener Gegner der lutherischen Kirche war, setzte das von seinen Eltern ererbte Vermögen für den Aufbau einer Schule ein, die eigentlich der Rekatholisierung der Flensburger dienen sollte, sich aber bald zu einer lutherischen Latein- und Gelehrtenschule entwickelte.

Die familiären Wurzeln von Lütke Namens liegen im Nordfriesischen. Kurz vor 1500 zogen seine Eltern nach Flensburg. Der Vater war ein erfolgreicher Kaufmann und sehr fromm. Er erwarb am Südermarkt ein Grundstück, das im Süden an das Franziskanerkloster grenzte. Bald galt er als der reichste Bürger Flensburgs. Ihm wurde das Amt eines Ratsverwandten übertragen. Ferner gehörte er mehreren Brüderschaften an. Die in Flensburg etablierte Familie unterhielt enge Kontakte zur Nikolaikirche und zum benachbarten Kloster, dem beide Söhne - Johannes und Lütke - beitraten.
Vorwurf an Luther, das Volk zu verführen
Lütke Namens war hochbegabt. Während er an der legendären Sorbonne in Paris Theologie studierte, erschütterten die Ideen der Reformation seine Heimatstadt: So wurden Geistliche, die an ihrem alten Glauben festhielten, gezwungen, Flensburg zu verlassen, und die Franziskaner aus ihrem Kloster vertrieben. Doch der nach Flensburg zurückgekehrte Namens ließ sich in seinem Glauben nicht beirren und agierte offensiv gegen die theologischen Reformer - in Wort und Tat. In Gedichtform warf er Luther und seinen Anhängern vor, das Volk zu verführen. Auch die von ihm initiierte Schulgründung war ursprünglich als steingewordenes Bollwerk gegen die Auswirkungen der Reformation gedacht. Das stattliche Gebäude ließ er auf historischem Grund errichten: auf dem nördlichsten Areal des Klostergeländes, etwa dort, wo heute das Parkhaus steht. Stifter Namens musste selbst noch erleben, wie sich die 1566 eröffnete Lehranstalt entgegen seinen Intentionen zu einer lutherischen Lateinschule entwickelte, aus der das heutige Alte Gymnasium hervorging. In Fragen des Lehrinhalts und des Personals hatten sich der König und der städtische Rat durchgesetzt. Lütke Namens blieb bis zu seinem Tode 1574 der alten katholischen Glaubenslehre treu.

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