Wiederaufnahme : Lolas Flucht vor dem Leben

Einzelkämpferin: Gabriela Kuhn ist Lola Blau – am 13. November und 3. Dezember jeweils 19.30 Uhr auf der Kleinen Bühne. Foto: sh:z
Einzelkämpferin: Gabriela Kuhn ist Lola Blau – am 13. November und 3. Dezember jeweils 19.30 Uhr auf der Kleinen Bühne. Foto: sh:z

Ein Musical für eine Darstellerin ist eine Herausforderung - der Stoff von „Heute abend: Lola Blau“ auch. Gabriela Kuhn spielt die Soubrette im Kreisler-Stück.

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12. November 2009, 11:24 Uhr

Flensburg | Bei 40 habe sie aufgehört zu zählen. Trotzdem passiere eines nicht: "Es gibt keine Routine". Jeder Auftritt sei anders, abhängig von den Reaktionen des Publikums, staunt Gabriela Kuhn. In der dritten Spielzeit und eben ungezählte Vorstellungen lang ist sie Lola Blau im Stück Georg Kreislers. Am Freitag nimmt das Landestheater das Musical für eine Darstellerin wieder auf.

Umzingelt von Telefonen und Koffern summt die Soubrette Lola Blau, zwitschert Sekt zunächst aus der Flöte, dann aus der Flasche: Sie feiert ihr erstes Engagement am Landestheater Linz. Doch zwei Anrufer vergällen die Vorfreude im Jahr 1938: Ihr Onkel Paul und ihr Liebster Leo berichten hysterisch von der Flucht aus Österreich vor den Nationalsozialisten.

Auch Lola Blau ist jüdisch. Hässliche Reden, die Juden mit Kartoffelkäfern in Kartoffelfeldern vergleichen, böses Gejohle, furchtbarer Lärm von Fliegeralarm lassen fühlen: So schnell ist Krieg. Ein Telegramm entsagt Lola Blau das frisch erworbene Engagement; in Österreich kann sie nicht bleiben. New York empfängt die Künstlerin mit offenen Armen: Sie zeigt alles, gibt sich her, wird platinblond. Projektionen auf vier Säulen bebildern die Ortswechsel.
"Lola Blau - ist blau"
Herrlich eingebildet führt sie das Leben einer Dame. Doch ihr Unglück im Glück begießt sie mit Dry Gin. "Lola Blau - ist blau", singt sie und denkt an Leo: "Ich hab dich zu vergessen... vergessen." Typische Kreislersche Reime singt Kuhn sanft bis sexy, larmoyant oder zungenbrecherisch rasant. "Am besten nicht darüber nachdenken", empfiehlt sich die süddeutsche Sängerin selbst, treibt den Pianisten Peter Geilich an und er sie. "Frau Schmidt macht mit", singt Lola Blau über eine Angepasste nach Kriegsende. Und dann meldet sich Leo aus London...

Die gute Geschichte fesselt: Gabriela Kuhn erinnert sich mit Respekt an eine Schulklasse, die aufmerksam blieb bis zum Schluss, weiß von Zuschauern, deren Lachen in der Kehle gefriert, weil Komik und Tragik so nah sind.

Am Freitag startet die Wiederaufnahme des Stücks mit Gabriela Kuhn als alleiniger Darstellerin. Sie, die damals nach Wien nicht ahnen konnte, sich anderswo wieder wohlfühlen zu können, verlässt das Landestheater Ende der Spielzeit mit feiner Wehmut nach zehn Jahren.

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