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Eggebek : Lokaler Beitrag zum Retten der Welt

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

34 Gemeinden aus der Region Flensburg arbeiten im Klimaschutz eng zusammen.

Eggebek | Der Klimawandel ist in vollem Gange. Daran zweifelt außer US-Präsident Donald Trump und einigen seiner Anhänger wohl niemand mehr. Doch was kann der Einzelne vor Ort dagegen tun? Klarheit bringen soll der „Masterplan 100% Klimaschutz“, der am Mittwoch an die 34 beteiligten Gemeinden aus den Ämtern Schafflund, Eggebek, Oeversee, Hürup und Langballig sowie Handewitt und Harrislee übergeben wurde. Auf 580 Seiten analysieren die Autoren die Situation und formulieren Vorhaben, mit denen das Ziel erreicht werden soll, bis zum Jahr 2050 den Energieverbrauch gegenüber dem Stand von 1990 um 50 Prozent zu verringern und dabei CO2-Neutralität zu erreichen, also auf Treibhausgas-Emissionen vollständig zu verzichten.

Im Jahr 2012 hatten sich die 34 Gemeinden aus dem Flensburger Umland zur Klimaschutz-Region zusammengeschlossen. Die Region Flensburg wird als eine von bundesweit 41 Kommunen von der Klimaschutz-Initiative des Bundesumweltministeriums gefördert.

„Wir haben 72 Klimaschutzmaßnahmen identifiziert“, sagte Jördes Wüstermann von der Beratungsgesellschaft „SCS Hohmeyer  /  Partner“ und federführend bei der Masterplan-Erstellung. Sie wurden in Veranstaltungen und Workshops gemeinsam mit Bürgern, Vertretern aus Politik, Verwaltung, Landwirtschaft und Wirtschaft, Energieversorgern, Wohnungsbauunternehmen, Verkehrsbetrieben, Vereinen und Verbänden erarbeitet und sind nun im Masterplan aufgeführt. „Die Vielzahl der Akteure zeigt, was kommunaler Klimaschutz in ländlichen Regionen bewegen kann. Kita- und Schulleitungen, Bürgermeister, Landwirte, Vereine, Bürgerwindparks und kleine Unternehmen ziehen gemeinsam für den Klimaschutz in der Region an einem Strang“, sagte Wüstermann.

Erarbeitet wurden Vorschläge, wie Kommunen, Privathaushalte, Landwirtschaft und Unternehmen Ressourcen sparen können und wie das Mobilitätsverhalten und die Art der Energieversorgung verändert werden können. Dazu werden einerseits konkrete technische Maßnahmen benannt – wie Gebäudesanierungen, Modernisierungen von Heizungsanlagen, die Umrüstung auf LED-Straßenlaternen und der Umstieg auf Elektromobilität – sowie andererseits Verhaltensänderungen aufgeführt. Dazu zählen: stärkere Nutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln und Fahrrädern, das Gründen von Fahrgemeinschaften, Einrichten von Mitfahrbänken und Fortbildungen zum richtigen Lüften und Heizen. „Wenn die 72 Maßnahmen bis zum Jahr 2050 umgesetzt werden, werden wir 51 Prozent Energie einsparen und hundert Prozent CO2-Neutralität erreichen“, sagte Wüstermann.

Damit man nicht 33 Jahre bis 2050 warten muss, um den Erfolg des Masterplans messen zu können, haben sich die beteiligten Gemeinden auf Zwischenziele bis 2020 verpflichtet. Dann sollen bereits alle kommunalen Liegenschaften (Verwaltungsgebäude, Feuerwehrgerätehäuser, Kitas, Schulen, Turnhallen) vollständig mit Ökostrom versorgt werden, der Anteil regenerativer Energieträger an der Wärmeversorgung soll mindestens 20 Prozent und der Anteil der LED-Straßenbeleuchtung mindestens 50 Prozent betragen. Außerdem soll es mindestens eine Mitfahrbank je Gemeinde und mindestens zwei E-Ladesäulen je Amt und amtsfreier Gemeinde geben.

Schon jetzt gibt es aber auch Beispiele für bereits erfolgreiche Klimaschutzprojekte, darunter die energetische Sanierung von Verwaltungsgebäuden wie in Eggebek, die vollständige Umstellung auf LED-Beleuchtung wie in Husby, das Quartier-Konzept Schafflund, das ein Nahwärmenetz vorsieht, das gemeindeeigene Förderprogramm für erneuerbare Energien in Privathaushalten in Ringsberg oder den Bürgerbus in Wanderup. In Hürup wurden bereits mehrere solcher Vorhaben umgesetzt, darunter die Einrichtung einer Mitfahrbank, die Installation einer neuen Heizungsanlage in der Sporthalle und ein landwirtschaftlichen Betrieb, der nachhaltige Humuswirtschaft betreibt.

In der konkreten Planung befinden sich darüber hinaus einige gemeindeübergreifende Projekte – darunter ein Stromspar-Check für einkommensschwache Haushalte, ein Energieberatungstag für Privatpersonen mit der Verbraucherzentrale und Klimabildungsprojekte mit Kitas. Weitere Ideen sind unter anderem das Einrichten von Mobilitätsstationen, das Ausrichten von Klimaschutz-Wettbewerben und Infomessen, die Förderung der regionale Vermarktung von Lebensmitteln und die Gründung von lokalen Klimaschutz-Netzwerken.

Projektleiter Lars Fischer von der Amtsverwaltung Eggebek appellierte an die Anwesenden und die Menschen in der Region, den Masterplan als Anregung zu verstehen, sich selbst im Klimaschutz zu engagieren: „Tragen Sie es in die Gemeinden. Wir alleine können es nicht umsetzen!“

 

 

> Näheres auf klimaschutzregion-flensburg.de; dort kann auch der Masterplan heruntergeladen werden

 

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erstellt am 14.Jul.2017 | 13:22 Uhr

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