Flensburg : Löwenherz hilft bei häuslicher Gewalt

„Der Bedarf ist enorm“: Projektmitarbeiterin Cornelia Donicht.
„Der Bedarf ist enorm“: Projektmitarbeiterin Cornelia Donicht.

Pro familia: Beratung für Kinder und Jugendliche, die Gewalt in der Familie erleben

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08. März 2018, 12:24 Uhr

„Löwenherz“ nennt sich ein neues Projekt von pro familia. Es ist bei Wagemut, der Beratungsstelle gegen sexuelle Gewalt an Mädchen und Jungen, angegliedert, wurde von einem Team aus Fachkräften verschiedener Institutionen in Flensburg entwickelt und wird durch die Stadt Flensburg gefördert.

„Löwenherz“ widmet sich Kindern und Jugendlichen bis 18 Jahren, die Zeugen oder Opfer von häuslicher Gewalt waren oder sind. Netzwerkpartner sind etwa die Schulsozialarbeit, das Frauenhaus, die Frauenberatungsstelle Wilma, das Kooperations- und Interventions-Konzept gegen häusliche Gewalt (KIK), die Staatsanwaltschaft und die Polizei Flensburg.

Die Leitende Oberstaatsanwältin Ulrike Stahlmann-Liebelt betonte, dass im Laufe ihrer Arbeit mit Delikten im Bereich der häuslichen Gewalt deutlich geworden sei, dass eine Versorgungslücke bestehe. „Wir hatten zwar Beratungsangebote für die Täter sowie für die Frauen und Mütter, die Opfer von Gewalt werden, aber nicht für die Kinder, die Opfer werden oder Gewalt zwischen ihren Eltern erleben.“ Denn wenn die Polizei ausrücke, um ein Gewaltdelikt im Haushalt zu schlichten, werde zwar das Jugendamt informiert, aber das Kind sei mit der Situation erst einmal alleine, so Stahlmann-Liebelt.

„Wir haben uns dann nach vergleichbaren Projekten umgeschaut und einige in Niedersachsen und in Rostock gefunden.“ Hierbei sei augenfällig geworden, dass die Beratung für die Kinder vor allem zeitnah, niederschwellig und durch eine besonders ausgebildete Person mit Zugang zu Netzwerkpartnern, wie etwa einer Frauenberatungsstelle erfolgen sollte. Dies sei auch wichtig, um bei den Kindern keine Verlustängste zu schüren und eine Lösung mit den Eltern oder einem Elternteil zu finden, anstatt den Eindruck zu erwecken, gegen diese zu arbeiten, wie es bei Behörden manches Mal der Fall sein könne.

Außerdem zeigte sich, dass Kinder fast immer einen Erwachsenen brauchen, der sie bei der Hilfesuche unterstützt. Deshalb richte sich „Löwenherz“ auch an Elternteile, Bezugspersonen der Kinder oder Fachkräfte, die mitbekommen, dass Kinder Opfer oder Zeugen von Gewalt in ihrem häuslichen Alltag werden. Hierbei gehe es nicht nur um physische, sondern auch um psychische oder verbale Gewalt, wie Beleidigungen, Drohungen oder Zwang, erläutert Projektmitarbeiterin Cornelia Donicht.

Die Sozialpädagogin, die auch eine zertifizierte Traumapädagogin ist, hat im ersten Jahr des Projektes bereits 28 Betroffene betreut und über 50 Beratungsgespräche geführt. Diese können hierbei auf Wunsch anonym bleiben und dort beraten werden, wo sie möchten, ohne das die Erziehungsberechtigten davon Kenntnis erhalten. Sei es bei jemandem zu Hause, in der Schule, im Jugendzentrum oder in der Pro-familia-Beratungsstelle. „Das Wichtigste für die Beratung ist, dass die Kinder sich sicher fühlen“, erklärte Cornelia Donicht.

Betroffene können sich sowohl telefonisch als auch per Mail unter 0461-9092644, 01742844624 oder loewenherz.flensburg@profamilia.de melden. „Grundsätzlich wird keiner abgewiesen“, so die stellvertretende Geschäftsführerin von pro familia Schleswig-Holstein, Dagmar Steffensen.

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