Umgehung im Flensburger Osten : Löst Lange heute den Taruper Knoten?

Ran an die Wohnbebauung! Der Rat wählte 2008 von den drei Trassen eine Kombination aus Variante 1 und Variante 2.
Ran an die Wohnbebauung! Der Rat wählte 2008 von den drei Trassen eine Kombination aus Variante 1 und Variante 2.

Last-Minute-Diplomatie im Rathaus: Oberbürgermeisterin und Bürger Ingo Knop sitzen heute wieder am Verhandlungstisch

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27. September 2017, 07:00 Uhr

Das Tauziehen um das Land von Ingo Willi Knop in Flensburg-Tarup geht weiter. Vor 14 Tagen entschied die Enteignungsbehörde, dass die Stadt sich das für den Fertigbau der Hochfelder Landstraße benötigte Bauernland aneignen darf. Damit war der Weg frei für den legalen Bruch eines Grundrechts. In letzter Sekunde scheinen die Parteien jetzt aber aufeinander zuzugehen. Heute um 15 Uhr gibt es ein weiteres Gespräch zwischen Knop und Oberbürgermeisterin Simone Lange. Diesmal im Rathaus. Wohl ein gutes Zeichen.

Schon am 2. August, am Küchentisch von Ingo Knop, schien der Weg frei für eine Lösung zu sein und die Nachbarschafts-Diplomatie von Oberbürgermeisterin Simone Lange – Taruperin wie Knop – geglückt. Verglichen mit dem Ausgangspunkt, lagen beide Positionen eigentlich nicht mehr weit auseinander.

Der Landwirt hatte in der seit 2007 geführten Auseinandersetzung den Landverkauf zu Gunsten einer nördlichen Trassenführung stets kategorisch abgelehnt und die Stadtplanung auf den letzten Metern gehörig ins Schleudern gebracht. Die hatte nämlich genauso kategorisch darauf vertraut, mit Hilfe der Enteignungsbehörde das letzte Trassenstück zum Anschluss an die L 21 quasi durch Knops Garten bauen zu können. Zwei gleichermaßen geeignete südlichere Streckenführungen hatten Verwaltung und Rat trotz der sich abzeichnenden extremen Zuspitzung am Ende des Weges schon 2008 abgelehnt. Das war die Ausgangssituation, als sich Simone Lange als frisch gewählte Verwaltungschefin daran machte, den schier unentwirrbaren Taruper Knoten in Knops Küche aufzudröseln.

Am 2. August war sie zum wiederholten Mal bei Knop eingekehrt. Diesmal entstand am Küchentisch ein Schriftstück, das sowohl die Lösung als auch das böse Ende in sich barg. Auf dem Zettel sicherte Lange zu, die derzeitige Trassenplanung nach Süden ans Ende der Hauskoppel zu verschieben, Stadt wie Landbesitzer besiegelten den Vertrag mit ihrer Unterschrift. Alles in trockenen Tüchern also? Nein! Ingo Willi Knop nämlich begann sich zu wundern, warum er keine Kopie dieses ungewöhnlichen Vertrages bekommen hatte. Und er erinnerte sich, dass er bereits im Sommer 2016 der Stadt zugesichert hatte, für die südliche Straßenführung sein Land zu verkaufen. Warum also dieser neue Vertrag, von dem er keine Kopie bekommen hatte? „Ich war völlig durcheinander“, gesteht er. „Ich hatte Angst, dass ich etwas Wichtiges übersehen und uns alle um Haus und Hof gebracht hatte.“

Sein Versuch, die Vereinbarung nochmals einzusehen, scheiterte. Simone Lange war außer Haus, als er im Rathaus erschien, und ihr Stellvertreter Henning Brüggemann wusste nicht, wo sich das Schriftstück befand. „Da habe ich meine Unterschrift widerrufen“, erzählt Knop. Er sei misstrauisch. Schon einmal hatte er fast ein fehlerhaftes Protokoll abgezeichnet, das ihn wohl um sein Land gebracht hätte. Und so nahmen die Dinge ihren Lauf. Die Lösung hatte schon auf dem Tisch gelegen, aber aufgrund des Widerrufs ging das Verfahren zwei Wochen später vor die Enteignungsbehörde, die der städtischen Argumentation folgte und die vorzeitige Besitzeinweisung verfügte.

Nach Anfrage unserer Zeitung zu dem Vorgang hat Simone Lange gestern nochmals Kontakt zu Ingo Knop aufgenommen. Beide verabredeten sich zu einem Gespräch im Rathaus – Grundlage wird wohl die Vereinbarung vom 2. August sein, vielleicht in letzter Sekunde ein Erfolg der Küchendiplomatie.

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