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Flensburger Tageblatt

20. Oktober 2017 | 08:14 Uhr

Literarische Reise durch das Grenzland

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

„litteratur.nu“: 24 Veranstaltungen im Norden / Neben Lesungen ein politischer Diskussionsabend, Ausstellung und Poetry Slam

shz.de von
erstellt am 07.Sep.2013 | 00:36 Uhr

Kein Traumjob: Kim Leine arbeitete 15 Jahre lang als Krankenpfleger in Grönland. Er wurde drogensüchtig und sah sich eines Tages vor der Entscheidung: schreiben oder sterben. Er hat sich für das Richtige entschieden. Die Werke des Dänen sind inzwischen mehrfach preisgekrönt. Sein autobiografisch gepräger Roman „Kalak“ schildert den gnadenlosen Absturz eines Mannes in der grönländischen Gesellschaft. Leine ist in diesem Jahr zu Gast beim „litteraturfest.nu“, bei dem deutsche und skandinavische Autoren zwischen Kiel, Flensburg und Hadersleben aufeinander treffen. Vom 13. bis 21. September steht das Grenzland wieder ganz im Zeichen der Literatur.

Es konnten in der vierten Auflage der Veranstaltungsreihe einerseits bekannte Namen, preisgekrönte Schriftsteller gewonnen werden, deren Bücher bereits zweisprachig erschienen sind, zum anderen aber auch um Newcomer, für die das Festival zu einem Sprungbrett werden könnte. „Es wird eine ausgesprochen spannende Veranstaltung“, verspricht Anette Jensen, Leiterin des Nordisk Informationskontors. Eingebunden sind die Bereiche Musik, Film, Jugend und Politik.

Kim Leine ist neben den ebenfalls lesenden Rosa Liksom (Finnland) und Hallgrimur Helgason (Island) für den bedeutenden Literaturpreis des Nordischen Rates nominiert. Die drei werden gemeinsam den Festivalabschluss in der Dänischen Zetralbibliothek bestreiten.

Helgason wurde unter anderem bekannt durch seinen Roman „Zehn Tipps, das Morden zu beenden und mit dem Abwasch zu beginnen“ (2011). Vielleicht ist der etwas skurrile Titel seinem Job als Stand-up-Comedian geschuldet, den er eine Zeitlang ausübte. Ungewöhnlich: Das Buch erschien zunächst auf deutsch – die nachfolgende isländische Ausgabe ist deutlich länger. Freunde des grotesken Humors dürften hier auf ihre Kosten kommen.

Aus Finnland reist die Autorin und bildende Künstlerin Rosa Liksom an. „Über ihre Zusage habe ich mich ganz besonders gefreut“, sagt Anette Jensen. In ihrem Roman „Abteil Nr. 6“ verarbeitet sie Erlebnisse während ihrer Reise mit der Transsibirischen Eisenbahn Mitte der achtziger Jahre.

Ein weiterer interessanter Gast ist der Schwede Steve Sem-Sandberg. Vor sieben Jahren erregte er mit seinem Roman „Theres“, der seiner intensiven Beschäftigung mit Ulrike Meinhof entspringt, international Aufsehen. Ebenfalls lesenswert: „Die Elenden von Lodz“. Darin beschreibt Sandberg die Situation der Juden im polnischen Ghetto während des 2. Weltkriegs. „Schwer zu ertragen“, so die Einschätzung von Torge Korff, Leiter des Kulturbüros der Stadt Flensburg, „grausam, aber brillant geschrieben.“

Korff verspricht „keine typisch deutschen Lesungen“. Heißt: Langatmigkeit ist tabu, man wird, der skandinavischen Tradition folgend, schnell in die Diskussion einsteigen. Gelesen wird sowohl auf Deutsch als auch in der jeweiligen Muttersprache.

Die Jugend wird auch in diesem Jahr wieder in das Festivalgeschehen integriert. Bei einem zweitägigen Poetry Slam Workshop nehmen professionelle Slammer dänische und deutsche Schüler unter ihre Fittiche; im Kühlhaus wird anschließend das Ergebnis dieses Projekts zu erleben sein.

„Skandinavien und Europa – im Zeichen der Finanzkrise“ ist ein politischer Diskussionsabend am 16. September übertitelt. Diese Veranstaltung wird simultan übersetzt. Bereits ab heute (Eröffnung 15 Uhr) läuft die Ausstellung „Stories“, die über die gesamten Tage in der Zentralbibliothek zu sehen ist. „Unser Festival“, freut sich Anette Jensen, „lässt an Vielseitigkeit nicht zu wünschen übrig.“


>Das gesamte Programm und weitere Informationen sind unter www.litteraturfest.nu abrufbar.

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