Linksmotivierte Schmierereien und eingeschlagene Fenster in Angeln

Hausmeister Holger Otto vor den Schmierereien an der Schule in Munkbrarup. Foto: VDL
Hausmeister Holger Otto vor den Schmierereien an der Schule in Munkbrarup. Foto: VDL

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30. Juli 2013, 03:59 Uhr

Schleswig-Flensburg | Nur wenige Stunden nach ihren Taten, am vergangenen Montag um 12.59 Uhr, veröffentlichten sie eine Art Bekennerschreiben im Internet, auf www.linksunten.indymedia.org: "Unsere Wut hat Ausdruck gefunden, in den Morgenstunden des 22.07.13 haben wir eine Kirche in Gelting sowie eine Schule in Munkbrarup mit Graffitis verschönert. Außerdem haben wir die Polizeistation in Steinbergkirche angegriffen und entglast." Überschrieben ist der Eintrag mit "[SH] Radikales Hinterland", der oder die Verfasser nennen sich "AK Nihilismus" (AK steht für Arbeitskreis, Nihilismus ist eine Orientierung, die auf der Verneinung jeglicher Seins-, Erkenntnis-, Wert- und Gesellschaftsordnung basiert).

Was dort steht, ist wahr: In der Zeit von Sonntag, 21. Juli, 10 Uhr, bis Montag, 22. Juli, 8 Uhr, haben Unbekannte laut Polizei offenbar mit einem Werkzeug oder einem Stein mehrere Scheiben der Polizeistation in Steinbergkirche eingeschlagen. Es entstand Sachschaden in Höhe von mehreren tausend Euro, ein Ermittlungsverfahren wegen Sachbeschädigung läuft. Zur gleichen Zeit schlugen dieselben Täter offenbar auch in Gelting und Munkbrarup zu: Die Geltinger Pastorin Janine Linde hat Anzeige erstattet, nachdem sie bemerkte, dass auf die Kirchentür eine Art "Drudenfuß" (zwei ineinander gekeilte Dreiecke) und auf die Friedhofsmauer der Satz: "Millionen Menschen sind für ihren Glauben getötet worden" gesprüht wurde.

Inzwischen sieht man von beidem nichts mehr, die Tür wurde übermalt, die Mauer gereinigt. "Mir war es wichtig, dass alles so schnell wie möglich weg ist", betonte Pastorin Linde. Der Küster habe die Schmierereien am Montagmorgen entdeckt. "Angst herrscht hier jetzt nicht", sagt die Pastorin zwar, doch ein ungutes Gefühl bleibe, zumal sie solch einen Vorfall, vor allem inklusive des Bekennerschreibens im Internet, zuvor noch nie erlebt habe.

Der Hausmeister der Schule in Munkbrarup, Holger Otto, kam am Sonntag aus dem Urlaub zurück. Als er am Montag feststellte, dass jemand an der Schule sein Unwesen getrieben hatte, traf auch schon die Polizei ein, die aufgrund des Internet eintrags bereits auf die Vorfälle aufmerksam geworden war und sich - wie auch in Gelting - vor Ort umsehen wollte. "Nazis raus" wurde hier auf eine Mauer gesprüht, außerdem ein eigenartiges Zeichen.

Die CDU-Kreisverbände Flensburg und Schleswig-Flensburg versendeten bereits etwas über eine Stunde, nachdem die Pressemitteilung der Polizei unsere Zeitung erreichte - die allerdings nur über den Vorfall in Steinbergkirche informierte - ebenfalls eine Pressemitteilung, in der sie die drei Taten verurteilen und vor der "Verharmlosung von Extremismus" warnen. CDU-Kreisgeschäftsführer Rainer Haulsen klärt auf, wie die CDU so schnell von den Ereignissen erfahren hat: "Wir haben von einem unserer Mitglieder einen Hinweis auf die Internetseite bekommen." Daraufhin habe man sofort reagiert und die Polizei informiert, die von den Vorfällen in Munkbrarup und Gelting noch nichts gewusst habe.

Die Pressestelle der Polizei teilt mit, dass zumindest für die vorliegenden Fälle zwar "politische, linksmotivierte Gewalt" bestätigt werden könne, man jedoch nicht von einer Serie ausgehe. Die Internetseite und auch andere linksextreme Seiten seien bekannt und würden beobachtet. Wer verdächtige Personen beobachtet hat oder sonstige Hinweise geben kann, melde sich bei der Bezirkskriminalinspektion Flensburg, 0461/4840.

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