Kultur in Flensburg : Lieder von Liebe und Schmerz

Rote Fliege, millimeterkurze Haare: Tim Fischer erreichte mit seinen Chansons die Herzen der Zuschauer. Fotos: Dommasch
1 von 2
Rote Fliege, millimeterkurze Haare: Tim Fischer erreichte mit seinen Chansons die Herzen der Zuschauer. Fotos: Dommasch

Zwei ausverkaufte Konzerte: Tim Fischer und sein Pianist Thomas Dörschel nahmen das Publikum mit auf eine Reise zu den Anfängen

shz.de von
06. Februar 2018, 14:46 Uhr

Wo lassen sich Regenschirme besser verkaufen als in Flensburg? Den Kaufleuten der Interessengemeinschaft „Flensgefühl“ aus der Großen Straße wurden sie förmlich aus den Händen gerissen – und reichlich in Anspruch genommen. Schnell klimperten 1000 Euro in den Kassen. Die Summe wurde jetzt von den Unternehmerinnen Margit Baron und Doris Sönnichsen-Lenz („Wir wollen die Kultur in der Stadt unterstützen“) an die Chefin des Orpheus-Theaters, Conny Meesenburg, übergeben. Das kleine Etablissement an der Marienstraße muss ohne finanzielle Förderung auskommen. Und so kommt das Geld gerade recht, um auch in Zukunft so prominente Künstler wie Tim Fischer an die Förde locken zu können.

Der in Berlin lebende Chansonnier war schon vor über 20 Jahren am Anfang seiner Karriere hier zu Gast und kommt nicht zuletzt wegen seiner freundschaftlichen Verbundenheit mit der Theaterchefin immer wieder gern nach Flensburg. An sie gewandt, sagte er: „Vielen Dank, dass du in der Lage bist, dieses Theater zu halten. Es ist für mich immer etwas Besonderes, hier auftreten zu dürfen.“

Seine beiden Konzertabende waren schnell ausverkauft gewesen, so groß war die Freude auf das neue Programm „Die alten schönen Lieder“, das erst vor zwei Wochen Premiere hatte. Tim Fischer und sein Pianist Thomas Dörschel spannen dabei einen Nostalgie-umwehten Bogen bis hin zu den Anfängen. Ausdrucksstark, stimmsicher und formvollendet wie eh und je zelebriert der Sänger die Stücke seiner Lieblingstexter und -komponisten. Die „alten bösen“ Lieder eines Georg Kreisler sind natürlich dabei, Brecht / Eisler, Fassbinder / Raben, Thomas Pigor und immer wieder der von ihm verehrte Friedrich Hollaender. Ob poetisch oder politisch, satirisch oder skurril: Die Bandbreite der Darbietungen und das Textrepertoire sind gewaltig. Mit in die Unendlichkeit gerichteten Augen und millimeterkurzem Haar entführt er in die „Spötterdämmerung“, sinniert über die Lösung des Rätsels Mann oder lässt am Horizont die Capri-Sonne untergehen.

Und immer wieder gibt es bewegende Momente, etwa bei Barbaras bittersüßem „La Solitude“, das die französische Chansonsängerin auch auf Deutsch eingesungen hat, der unvergessenen „Rinnsteinprinzessin“ oder dann, wenn Fischer in die morbide Abteilung wechselt: mit dem anrührenden „O Mond“, Ludwig Hirschs „Komm großer schwarzer Vogel“ oder bei den Zeilen „Wenn ich mal tot bin, dann fängt erst mein Leben an. Wenn ich durchs Wolkenmeer in' Himmel schweben kann... Die Engel tirilier'n, die Geigen jubilier'n. Wenn zum Empfang von Lieschen alle aufmarschier'n. Mensch! Machen die ein' Krach. Wenn ich mal tot bin, is mein schönster Tach!“


zur Startseite
Karte

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen