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Ex-Echt-Sänger : Liebesbrief an die Förde: Kim Frank will in Flensburg heiraten und sterben

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Kim Frank feierte seine größten Erfolge Ende der Neunziger mit der Band „Echt“. Heute ist er Regisseur, Kameramann und Autor. Doch im Herzen ist er vor allem eins: Flensburger.

Kim Frank wurde Ende der neunziger Jahre berühmt als Sänger der Band „Echt“. Der heute 33-jährige ist in Flensburg geboren, hat die Stadt aber schon als Jugendlicher verlassen. In der „Zeit“ ist heute ein Liebesbrief an seine Heimatstadt erschienen.

Frank beschreibt in seinem Liebesbrief an Flensburg etwas kitschig, aber sehr treffend ein Gefühl, das viele mit dem Ort ihrer Kindheit verbinden werden: Nostalgie und eine gewisse Sehnsucht. Man hatte gute Gründe zu gehen, aber es zieht einen doch immer wieder etwas zurück.

Kim Frank beschreibt den Nachkriegsbau im Mühlenholz, in dem er aufgewachsen ist. „Der Briefkasten immer noch mit Edding-Herzen und meinem Namen beschmiert. Das Treppenhaus ist eng.“ Er schreibt von abgeblätterter Farbe, von der Notwendigkeit zu sparen und von seiner Mutter, der schönsten Frau der Welt.

„Der Wasserturm ragt über die Bäume des Volksparks. Wegen der vierspurigen Straße darf ich dort nicht spielen.“ Der heutige Regisseur beschreibt Momente einer Kindheit und Erinnerungen an Flensburg, beides war für ihn nicht nur rosig. Mit 16 bricht er die Schule ab und mit großen Erwartungen aus Flensburg nach Hamburg auf. Sein Wunsch als Kind: Die kurze Zeit bis zum Tod nutzen – und jeden Tag Steak und Folienkartoffeln.

„Aber Flensburg, ich liebe Dich immer noch. Und ich denke oft an uns. An die Sonne meiner Kindheit an Deinen Stränden in der Stadt. Abgesehen von den Quallen. An die Winter meiner Jugend in Deinen Kneipen am Hafen. Bravo-Hits in der Jukebox. Wenn ich heirate, will ich, dass Du dabei bist. Und, wenn ich es mir aussuchen darf, auch wenn ich sterbe.“

Die Anfänge: Kim Frank 2001 bei einem
Die Anfänge: Kim Frank 2001 bei einem "Echt"-Konzert in Flensburg. Foto: sh:z
 

Die Band „Echt“, deren Sänger Kim Frank war, hatte ihre Wurzeln ebenfalls in Flensburg – an der Kurt-Tucholsky-Schule. Die fünf Band-Mitglieder gingen nach Hamburg und veröffentlichten 1998 ihr selbstbetiteltes Debütalbum. Der große Erfolg war 1999 das zweite Album „Freischwimmer“ mit Hits wie „Du trägst keine Liebe in dir“ und „Weinst du“. Jugendzeitschriften wie die „Bravo“ und Musiksender wie „Viva“ feierten die deutsche Boyband, auch wenn die fünf Flensburger lieber ihre Ursprünge als norddeutsche Schülerband betonten.

Einen Skandal gab es um die Band, als sie bei den Aufnahmen für das Musikvideo „2010“ nackt über die Reeperbahn liefen. Die Szenen sind in dem Video auch zu sehen.

2000 stellte sich mit einer Coverversion von Rio Reisers „Junimond“ noch mal ein Erfolg ein. In seinem Liebesbrief an Flensburg schreibt Frank, dass er diesen Song schon als Kind in der Badewanne aus vollem Halse sang. Die Nachbarn riefen, er solle seine verdammte Klappe halten.

Ab 2001 nahm der Erfolg von „Echt ab, die Verkaufszahlen blieben hinter den Erwartungen zurück, Teile der Tour wurden abgesagt. Beim dritten Album „Recorder“ hatten die Band-Mitglieder zum ersten Mal alle ihre Lieder selbst geschrieben. Vorher waren größtenteils Werke von professionellen Songwritern interpretiert worden. Aufgrund des Misserfolgs und interner Meinungsverschiedenheiten trennte sich „Echt“ 2002.

Seitdem war Kim Frank Schauspieler („NVA“), Sprecher („Die drei Fragezeichen“, „Himmel und Huhn“), unterstützte andere Künstler wie die Sportfreunde Stiller oder Bernd Begemann musikalisch und veröffentlichte 2011 seinen Debütroman.

Zwischendurch machte er auch solo Musik, 2007 erschien „Hellblau“, mit der Single „Lara“ belegte er beim Bundesvision Song Contest den dritten Platz für Schleswig-Holstein. Seit 2008 arbeitet er als Regisseur, Kameramann und Produzent für Musikvideos. Er führte unter anderem bei Musikvideos von Andreas Bourani, Revolverheld oder Mark Forster Regie. Sein neustes Projekt ist das Video zu Udo Lindebergs Song „Durch die schweren Zeiten“.

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erstellt am 01.Apr.2016 | 11:57 Uhr

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