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Flensburg: Rechtsstreit um Avalon : Lieber auf See als vor Gericht

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Fünf Jahre Verfahrensdauer und ein seltsamer Spruch: Flensburger erlebt Zivilprozess nach dem Kauf einer klassischen Yacht als Alptraum

shz.de von
erstellt am 27.Mai.2017 | 13:01 Uhr

Menschen, deren gesunder Verstand mit den Tücken des Rechtssystems hadert, trösten sich oft mit dem Sprichwort „Vor Gericht und auf hoher See ist man in Gottes Hand“. Der Flensburger Thomas Cimbal muss einfach feststellen, dass die himmlische Macht in seinem Fall auf der falschen Seite stand. Der 69-Jährige kaufte 2012 eine klassische Traumyacht, die ihm seitdem nur noch Alpträume beschert.

Der Segelklassiker aus dem Jahr 1959 war mit einer generalüberholten, neuwertigen Volvo-Bootsmaschine angepriesen worden, die aber nach nur zwei Monaten und drei Betriebsstunden den Geist aufgab, weil alle beweglichen Teile im Bereich des Brennraums massive, durch Seewasser hervorgerufene Korrodierungen aufwiesen. Ein Bootsmotoren-Techniker mit Meisterbrief und ein Diplomingenieur für Schiffsmaschinen und klassische Yachten bescheinigten ihm, dass diese Schäden unmöglich in dieser kurzen Zeit aufgelaufen sein konnten. Sie bescheinigten ferner, dass Schäden wie diese gerade bei klassischen Yachten die weit verbreiteten Klassiker unter den Maschinenschäden sind. Das half Cimbal aber nichts. Die Hamburger Zivilkammer baute unbeirrt und felsenfest auf ihren langjährigen Gerichtssachverständigen, der zwar kein Motorenspezialist, aber ein gelernter Bootsbauer ist. Cimbal musste in Hamburg lernen, dass Gerichtssachverständige unantastbar sind – auch wenn sie zur Sache gar nicht viel beitragen.

Die beauftragte Antwort auf die Frage nach der Schadensursache konnte der Mann jedenfalls nicht beantworten, dem Ruf nach einem Obergutachter und nach Zulassung der beiden örtlichen Sachverständigen als Parteigutachter ließ das Gericht gar nicht erst zu. Stattdessen wurde Cimbal mit der Begründung abgewiesen, er sei in der Sache seiner Nachweispflicht nicht nachgekommen.

Cimbals auf Yachten und Recht spezialisierter Flensburger Anwalt Jochen Kunze hat so einen Fall nach eigenen Angaben noch nicht erlebt. Die Langsamkeit des Hamburger Gerichts sei mit Verfahrensschritten im Zeittakt von sechs Monaten und mehr eine Zumutung, dass die Hamburger Kammer angebotene Sachbeweise einfach ignoriert ein Verfahrensfehler. Doch auch, wenn Cimbal am Ende noch gewinnt, ist der Betrogene der Verlierer. Er wollte im Ruhestand entspannt ein Holzboot pflegen und schöne Segeltörns erleben. Fast fünf Jahre dieser Zeit sind im Rechtsstreit verstrichen, weitere verlorene Jahre dürften folgen, in denen die Substanz der auf dem Trockenen liegenden Yacht weiteren Schaden nehmen dürfte. Vor 2020 rechnet Kunze nicht mit einem (positiven) Ende. Dann erst kann Cimbal damit beginnen, sein Geld vom Verkäufer einzutreiben und ihn strafrechtlich zur Verantwortung zu ziehen. „Bei vorsätzlichem Betrug ist dies ein Fall für die Staatsanwaltschaft!“ Seite 22

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