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Flensburger Innenstadt : Lidl geht – Der Hafermarkt blutet aus

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der Leerstand an der oberen Angelburger Straße in Flensburg sowie im Einkaufszentrum wächst – und der alte Vorschlag eines Komplettabrisses ist wieder da.

shz.de von
erstellt am 14.Jan.2014 | 08:30 Uhr

Flensburg | Bonjour tristesse! Ein Gang durch die obere Angelburger Straße nährt Depressionen. Während Fahrbahn, Fuß- und Radweg frisch saniert, gut beleuchtet und verkehrsberuhigt daherkommen, versprühen die Häuserreihen den Charme einer Geisterstadt. Der Leerstand ist nicht zu übersehen, auf knapp 300 Metern Länge stehen allein vier Läden zum Verkauf oder zur Vermietung, ebenso viele Gebäude wirken wie dem Verfall preisgegeben: Verdreckte Scheiben, verbretterte Fenster, geschlossene Jalousien, blätternde Fassaden, dahinter türmt sich der Müll.

Je näher der Hafermarkt rückt, desto trostloser wirkt das Bild – und findet seinen traurigen Höhepunkt in dem wenig belebten Einkaufszentrum: Bäcker Meesenburg ist verschwunden, das kurze Gastspiel eines russischen Devotionalienhandels beendet, Schlecker längst geräumt, ein Friseur steht kurz vor dem Umzug. Immerhin halten die „Speeldeel“, das Pfandhaus der „Goldjungs“ und ein Döner-Mann wacker die Stellung. Aldi und Lidl sind schon länger unzufrieden mit der Situation an diesem ungastlichen Ort, und so hält sich hartnäckig das Gerücht, das Einkaufszentrum stehe vor dem Aus. Unter Mitarbeitern ist gar die Rede von einem Komplettabriss des Ensembles. Dann könnte ganz neu geplant werden.

Die Spekulationen werden aktuell durch konkrete Fakten befeuert. So steht Lidl als Ankermieter kurz vor dem Wegzug. Bereits zum Ende des Monats wird der Discounter seine Pforten schließen, wie Hinweisen am Eingang zu entnehmen ist. Lidl-Pressesprecherin Petra Trabert bestätigte gestern diese Pläne auf Tageblatt-Anfrage: „Die Filiale am Hafermarkt“, so lautet die Begründung, „bietet nicht mehr die Voraussetzungen, um unseren Kunden unser gesamtes Sortiment anzubieten und einen bequemen Einkauf zu ermöglichen, wie er es erwarten darf. Daher werden wir die Filiale zum 31. Januar 2014 schließen.“ Allen betroffenen Mitarbeitern sei bereits eine Stelle in einer anderen Filiale angeboten worden.

„Das Lidl-Sortiment“, so heißt es weiter, „hat sich insbesondere in den Frischebereichen – Frischfleisch, Frischgeflügel, Backwaren und Kühlprodukte – deutlich weiter entwickelt. Den Anforderungen in diesem Sortimentsbereich möchte Lidl mit einer modernen und zeitgemäßen Infrastruktur begegnen.“ Das war an dem ungeliebten Standort offenbar nicht möglich. Es bleibt abzuwarten, wie die verbliebenen Geschäfte auf diese Maßnahme reagieren werden. Von der ebenfalls dort ansässigen KiK Textilien GmbH gab es bis Redaktionsschluss keine Stellungnahme.

Die IG Altstadt-Süd sieht die Entwicklung mit großer Sorge. Deren Vorsitzender Peter Petersen sagt: „Sollte das Einkaufszentrum wegbrechen, wäre das ein herber Verlust.“ Es sei für den Stadtteil ein enormer Frequenzbringer. Sollte ein Teil des großen Areals neu überplant werden, wäre dies zu begrüßen. Die Firma Bauplan Nord hatte seinerzeit bereits Ideen zur Standortsicherung entwickelt. Geschäftsführer Torsten Koch bedauert: „Das wurde leider nicht umgesetzt.“

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