Zur Bleiche Flensburg : Lidl baut weiter flach

Ersatzbau vorgesehen: Lidl plant den Abriss des alten und den Bau eines neuen Marktes – möchte aber keine Wohnungen darüber bauen.
Ersatzbau vorgesehen: Lidl plant den Abriss des alten und den Bau eines neuen Marktes – möchte aber keine Wohnungen darüber bauen.

Trotz Wohnungsmangels keine Wohnungen über neuem Einkaufsmarkt / Stadt müsste dafür Bebauungsplan aufstellen

shz.de von
10. August 2018, 06:38 Uhr

8000 zusätzliche Wohnungen braucht die Stadt bis 2030. Das sagen Statistiker voraus. Doch es gibt kaum noch Platz für neue Wohngebiete, die Zeit raumgreifender Einfamilienhausflächen mit übersichtlicher Einwohnerdichte ist längst vorbei. Es wird überwiegend in die Höhe gebaut; Flensburg steckt mitten in einer neuen Ära des Geschosswohnungsbaus. Flach bauen nur noch die Discounter, wenn sie ihre Märkte erneuern.

So wird der Umwelt- und Planungsausschuss in seiner ersten Sitzung nach der Sommerpause voraussichtlich einem eingeschossigen Neubau des Lidl-Marktes an der Bleiche grünes Licht erteilen. Der Discounter möchte hier von 800 auf 1400 Quadratmeter erweitern. In direkter Nähe gibt es mehrgeschossige Wohnbebauung; hier könnte gut ein mehrstöckiges Haus mit einem Einkaufsmarkt entstehen.

Daraus wird aber nichts – jedenfalls nicht an dieser Stelle. Lidl habe hier ein Baurecht nach Paragraph 34 Baugesetzbuch, erklärt der Chef der Stadtplanung, Peter Schroeders. Die Discounter haben grundsätzlich wenig Interesse an gemischten Gebäuden. In Metropolen mit noch höherem Einwohnerdruck als Flensburg ändert sich das gerade, wie die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung kürzlich berichtete.

An der Bleiche könnte man nur durch Aufstellung eines Bebauungsplans, den es für das Grundstück noch nicht gibt, zu einer mehrgeschossigen Bebauung gelangen, so Schroeders. Das sei aber nicht so einfach. So dürfe dieser Bebauungsplan kein reiner „Verhinderungsplan“ sein, um ein bestehendes Baurecht auszuhebeln. Auch müsse man prüfen, ob eine Wohnbebauung auf dem fraglichen Grundstück überhaupt möglich und gewünscht sei. Grundsätzlich stimmte Schroeders aber zu, dass es möglich sei, diesen Weg zu gehen.

Lidl möchte das bislang nicht. Aus der Pressestelle in Neckarsulm kommt die allgemein gehaltene Auskunft, dass ein gemischt genutztes Gebäude wirtschaftlich sein müsse und „die Quartiersentwicklung“ voranbringen solle. Hierüber stimme man sich meist mit der betroffenen Kommune ab.

Dann überrascht der Lidl-Sprecher mit der Ankündigung, dass man in Weiche am Ochsenweg auf 12 000 Quadratmetern eine gemischte Bebauung plane und hierüber im „engen Austausch“ mit der Stadt sei. Das relativiert Peter Schroeders jedoch. „Es gibt einen mehrere Jahre alten Aufstellungsbeschluss. Derzeit arbeiten wir an einem Einzelhandelskonzept für Weiche.“ Da gehe es aber eher um den von Bürgern gewünschten Einzelhandel im Bereich Friedenskirche.

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