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Flensburger Industriehafen : Leuchtturm für Yachtliebhaber

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Am Industriehafen baut Oliver Berking rund um seine Werft am Mekka der Yachtsportgeschichte. Die Eröffnung mit erster Ausstellung findet im Oktober statt.

shz.de von
erstellt am 16.Mär.2016 | 08:00 Uhr

Flensburg | Am Flensburger Industriehafen wächst mitten im hektischen Frühjahrsbetrieb der Robbe & Berking-Yachtwerft ein maritimes Projekt in den Himmel, das es in Europa kein zweites Mal gibt. Nicht am Mittelmeer, nicht am Nordatlantik, in keinem der prominenten Häfen dort wird die spannende Geschichte des Yachtsports erzählt werden. Nein. Im äußersten Norden Schleswig-Holsteins, in Flensburg, wird die uralte Leidenschaft der Wettsegelei auf schönen Holzbooten einen eigenen Leuchtturm bekommen.

Oliver Berking, Unternehmer mit Leidenschaft für schönes Tafelsilber und edle Holzyachten, vollendet einen Traum, der mit der Wiedererschaffung der Regattayacht „Sphinx“ 2007-2009 begann. Die Restaurierung des knapp 21 Meter langen Klassikers von 1938, der zuvor unter dem Namen „Ostwind“ Ausbildungsboot der Marine gewesen war, führte zur Gründung der Yachtwerft und bekommt in diesem Jahr die Krone aufgesetzt. Auf dem Grundstück mitten im Flensburger Wirtschaftshafen entstehen beziehungsweise werden bis 2017 nach Plänen des Flensburger Architekten Gunnar Carlsson drei neue Gebäude entstehen, die sich mit der bestehenden Werft zu einem einmaligen Ensemble verbinden werden. Um alles umsetzen zu können, hat Berking das kleine Nachbargrundstück erworben, auf dem im Moment noch die alte Waage der Stadtwerke anzutreffen ist. Im Bau sind beziehungsweise werden noch gebaut: eine weitere Bootshalle, die als Showroom für zum Verkauf stehende Yachten ausgebaut wird und ein direkt an die neue Halle angelehntes Bürogebäude, in dem auch Flächen an andere Firmen vermietet werden. Und das Herzstück natürlich, das Museum. Über 1200 Quadratmeter sind in diesem zweistöckigen Gebäude reserviert für die weltweit größte Fachbibliothek, für Ausstellungen, Vorträge, Tagungen, für Büros, einen Shop, für ein italienisches Restaurant mit großer Terrasse.

Wobei die Übergänge bewusst fließend gehalten sind. Aus der oberen Etage blickt man nicht nur auf das markante Hafenpanorama, sondern von einer Galerie aus auf den großen Ausstellungsraum. „Wir verfolgen in diesem Haus ein offenes Konzept“, sagt Oliver Berking. Natürlich ist der Zutritt zum Yachtbau in der Werft daneben kein öffentlicher, aber der Yachtbau kann zum Museumsbesucher kommen. Ein Durchbruch zur Werfthalle und eine Grube im Fundament (zur Aufnahme des Kiels) erlauben beispielsweise, eine über 10 Meter lange 6mR-Yacht aufgeriggt in ihrer ganzen Pracht zu zeigen.

Um die Finanzierung muss sich der neu gegründete Verein Yachting Heritage Center e.V. kümmern. Das privat errichtete öffentlich zugängliche Museum benötigt Sponsoring-Modelle, um seine Aufgabe zu erfüllen. Für das Innenleben des Museums ist seit März 2015 Dr. Eva Nielsen als Kustodin zuständig. Die Literaturwissenschaftlerin begann vor einem Jahr mit der Sichtung und Archivierung der 8500 Bände umfassenden Bibliothek. „Nebenbei“ bereitete sie die Auftaktausstellung vor, die eine faszinierende sein wird, wie Berking verspricht. Nielsen stellt teils nie zuvor gezeigte Fotos, Gemälde, Modelle und Dokumente aus dem späten 19. und frühen 20. Jahrhundert zusammen, als der Yachtsport in Europa und in den USA als Vergnügen reicher Eliten eine nicht wieder gesehene Pracht entfaltete. Oliver Berking erwartet nicht weniger, als dass Flensburg und sein neues maritimes Zentrum Pflichtprogramm aller Liebhaber dieser exklusiven Boote werden – und das sind weltweit sicher nicht die Ärmsten. Statthaft ist sicher auch die Erwartung, dass der eine oder andere bei dieser Gelegenheit Feuer fängt und das Scheckbuch zückt. Für diesen Fall hat Berking schließlich eine Werft gebaut.

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