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Flensburger Tageblatt

15. Dezember 2017 | 09:44 Uhr

Elsbeth Arlt : Letzter Pinselstrich fürs Museum

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Mit Hilfe des Kunstvereins komplettiert der Museumsberg seine Sammlung von Werken der im Juli verstorbenen Elsbeth Arlt.

shz.de von
erstellt am 16.Dez.2015 | 18:48 Uhr

Flensburg | Schlicht „Kandinsky“ steht auf dem Rand der flachen Schachtel aus Pappe, aus der Jochen Arlt immer weitere Kostbarkeiten herausholt und sie vor den Kunstfreunden in der Aula auf dem Museumsberg ausbreitet. „Sie hat immer sehr systematisch gearbeitet“, sagt Arlt über seine Mitte Juli verstorbene Frau und entfaltet zum Beispiel eine Art Leporello. Das besteht aus sieben zweiteiligen Bildern im Kleinformat, die in der einzig richtigen Reihenfolge aneinander geklebt sind. „Elsbeth hatte Sorge, dass das falsch rum hängt“, erklärt Arlt die sorgfältige Vorsorge mit einem Lächeln. Und fügt an Museumsleiter Michael Fuhr gerichtet hinzu: „Das schenke ich Ihnen.“ Mit seinem wertvollen Mitbringsel gewährt er Einblicke in die Arbeitsweise der Künstlerin.

Den Zyklus „Zu Kandinsky“ der 14 Original-Werke hat der Kunstverein Flensburg für den Museumsberg erworben und komplettiert damit die über Jahrzehnte angelegte Sammlung von Werken Elsbeth Arlts. Der Kunstverein Flensburg wurde 1929 gegründet und diene dazu, die Gemäldesammlung zu vervollständigen, erläutert die erste Vorsitzende Mona von Bodecker. Sie spricht voll höchsten Respekts von der Künstlerin und äußert im Namen des Kunstvereins den Stolz, die letzten Arbeiten dieser „bedeutenden Persönlichkeit“ erworben zu haben.

Gestern war die offizielle Übergabe auf dem Museumsberg; die beiden Staffeleien mit je zwei Beispielen, also je einem zweiteiligen Werk, bleiben über die Festtage in der Aula für die Öffentlichkeit stehen, kündigt Michael Fuhr an und hofft, die komplette Serie im nächsten Jahr im vorgesehenen Raum im Hans-Christiansen-Haus ausstellen zu können. Doch zunächst müssen im Museum Dach- durch Sturmschäden behoben werden.

Wassily Kandinskys „Durchgehender Strich“ von 1923, das in der Kunsthalle Düsseldorf hängt, sei Elsbeth Arlt „Anregung und Inspiration“ gewesen, weiß Fuhr. Elemente daraus – netzartige Schraffuren, Formen, Flächen – kehren im Zyklus wieder. „Punkt und Linie zu Fläche“, diese Analyse von Kandinsky, darin sei es auch Elsbeth Arlt gegangen, sagt Dorothee Bieske vom Museumsberg. Mit wesentlichen Unterschieden: Während der durchgehende Strich etwa beim russischen Maler das Werk vor allem teile, sei es bei der Flensburger Künstlerin auch verbindendes Element. Arlt sei der Malerei auf den Grund gegangen, an die Ursprünge der modernen Malerei, weist Bieske nach.

Die Reihe zu Kandinsky habe Elsbeth Arlt ursprünglich für eine Ausstellung dreier Künstlerinnen im Herbst dieses Jahres beim Kunsthändler Thomas Messerschmidt geschaffen. Den letzten Pinselstrich habe sie an ihrem Todestag mit den Worten gezogen: „Jetzt kann Thomas das haben“, erinnert sich Jochen Arlt. Der Zyklus durfte nicht auseinander gerissen werden, ergänzt Thomas Messerschmidt und sagt, dass sich alle Beteiligten darüber einig waren.

2012 wurde sie mit dem Kunstpreis des Landes ausgezeichnet, im selben Jahr habe sie ihr Atelier im Nordergraben aufgelöst und sehr genau überlegt, welches Werk wo verbleiben soll, blickt Jochen Arlt zurück. Der Schwerpunkt sollte in Flensburg gesetzt werden. Der Großteil des Nachlasses sei damals an das Museum gegeben worden, fügt Messerschmidt hinzu. Und nun auch der Zyklus. „Das hätte Elsbeth gefallen“, ist Arlt sicher.

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