Fördeklinik : Letzter Geburts-Tag am 30. April 2012

'Auch für mich persönlich ein trauriges Kapitel.' Silke Feldt (54), Hebamme und ehemalige Betreiberin der Förde-Klinik, macht weiter als Mitglied des Leitungsgremiums. Foto: Dommasch
"Auch für mich persönlich ein trauriges Kapitel." Silke Feldt (54), Hebamme und ehemalige Betreiberin der Förde-Klinik, macht weiter als Mitglied des Leitungsgremiums. Foto: Dommasch

Haftpflichtprämien erdrückend - Hebammen geben auf: Aus für die Geburtshilfe an der Förde-Klinik

shz.de von
27. März 2012, 06:11 Uhr

Flensburg | Birgit Barth wirkt, als habe sie es noch gar nicht richtig begriffen. "Das ist emotional schwer zu verarbeiten", sagt sie. Für die Hebamme naht der letzte Arbeitstag an der Mürwiker Straße 115. Denn der 30. April ist der letzte Geburts-Tag an der Förde-Klinik. Definitiv. Dann geht mit der Schließung der Geburtshilfe eine Ära zu Ende. Mehr als 15 000 Kinder haben hier das Licht der Welt erblickt.

Die Zäsur kommt überraschend. Noch im Oktober letzten Jahres hatte Hebamme Silke Feldt, die das Krankenhaus selbst zwölf Jahre lang leitete, verkündet: "Stillstand ist unproduktiv. Wir wollen das hier zukunftsträchtig gestalten." Da hatte die Förde-Klinik gerade eine externe Risikobewertung bestanden. Mit Bestnoten. Betreuung, Organisation, Kommunikation - alles top.

Doch gegen die exorbitant gestiegenen Haftpflichtbeiträge für die freiberuflichen Hebammen ist offenbar kein Kraut gewachsen. Trotz nachweislich guter medizinischer Arbeit sind die Prämien seit 2007 von 1218 auf 3689 Euro jährlich gestiegen; ab Juli 2012 droht eine erneute Anhebung um 15 Prozent. "Das ist für viele Hebammen einfach zu viel", weiß Christian Peters, der als Krankenhaus-Direktor der Diako auch für die Förde-Klinik zuständig ist.

Die Prämien sind nicht verhandelbar. Das Mutterhaus hatte im letzten Jahr noch einen Teil der Beiträge übernommen. Eine einmalige Hilfe. Nun werfen die neun Hebammen das Handtuch. Ihr Einkommen ist ohnehin bescheiden. Sie bekommen pro Geburt 280 Euro - unabhängig von der Länge der Prozedur. Der Netto-Verdienst liegt mithin bei etwa 7,50 Euro die Stunde. Erschwerend kommt hinzu, dass die Zahl der Geburten in der Förde-Klinik rapide abgenommen hat - um 20 Prozent binnen eines Jahres. "Und dieser Trend setzt sich fort", sagt Peters. Er sieht unter diesen Umständen keine Möglichkeit mehr, den Betrieb aufrecht zu erhalten.

Keine Neuaufnahmen

Ab sofort gilt ein Aufnahmestopp. Nur die bereits angemeldeten Mütter werden noch "abgewickelt". Fünf Hebammen haben bislang von dem Angebot Gebrauch gemacht, als fest Angestellte in die Diako zurückzukehren. Peters betont: "Es wird bei uns keine Engpässe geben. Wir verfügen über ausreichend Kapazitäten."

Die Förde-Klinik bleibt erhalten - weiterhin mit Schwerpunkt Frauenheilkunde, daneben bietet sie ästhetische Chi rurgie sowie Gefäßchirurgie an. Silke Feldt will bleiben, als Mitglied des Leitungsgremiums.

Was sagen betroffene Eltern? Rolf Schelling, Vater von vier Kindern, eines davon in der Fördeklinik zur Welt gekommen: "Klein, gemütlich, familiär - wir haben uns dort sehr wohl gefühlt." Er schätzt das Personal genauso wie die Lage im Grünen: "Für Mütter ein großer Erholungswert."

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