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MS Viking Flensburg : Letzte Reise zu den Stahlfressern

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Das Fährschiff „MS Viking“ der Linie Flensburg-Glücksburg wurde abgewrackt. Im März kommt eine moderne Nachfolgerin von der Treene.

Flensburg | Sie hat in Flensburg turbulente Zeiten erlebt. 2007 geriet die gebürtige Polin als Neuankömmling aus Hiddensee in den „Flensburger Butterdampfer-Krieg“, fuhr acht Jahre lang als „MS Viking“ für die gleichnamige siegreiche Reederei zwischen Flensburg und Glücksburg. Die letzte Fahrt führte sie am 18. Januar zum Schiffsfriedhof nach Grenå – zu Fornæs Skibsophug A/S. Die jütländischen Stahlfresser machten kurzen Prozess: Die alte Viking gibt es nicht mehr – aber es wird eine neue geben, verspricht Jens Görrissen, ihr Reeder. Der Linienverkehr zwischen Flensburg und Glücksburg wird nahtlos fortgesetzt.

„Ich bin nur froh, dass uns das nicht im Sommer passiert ist.“ Für Görrissen ist das Geschehen vom Winter noch immer rätselhaft. Es geschah auf der Rückfahrt von einem Routine-Werfttermin, als die „Viking“ plötzlich einen Wassereinbruch hatte und umdrehen musste. Wieder auf der Werft kam der trostlose Befund: Rostfraß. Das Schiff ist nicht zu retten. Ein Jahr vorher war der Unterboden im Rahmen des regelmäßigen Schiffs-TÜV noch für einwandfrei befunden worden. „Keine Ahnung, warum die Korrosion mit einem Mal so zugelegt hat“, wundert sich der Reeder. Waren es galvanische Prozesse? Schlechter Stahl? Müßig, darüber nachzudenken. Görrissen zog das Schiff sofort aus dem Verkehr und machte sich auf die Suche nach einem neuen. In Friedrichstadt wurde er fündig, in dieser Woche wechselte die „Wappen von Boizenburg“ den Eigentümer, im Laufe des nächsten Monats soll die Nachfolgerin als „Viking“ in ihrem neuen Heimathafen festmachen, ab 1. April nimmt sie fahrplangemäß den Linienverkehr wieder auf.

Das neue Schiff war bislang für die Reederei Schröder auf der Treene und dem Nord-Ostsee-Kanal unterwegs. Und anders als ihre Vorgängerin, die bei ihrer Ankunft in Flensburg schon 40 Jahre auf dem Buckel hatte, ist die Neue mit Baujahr 1999 ein richtig modernes Gefährt. Görrissen ist sehr angetan: „Das Schiff hat ein großes Sonnendeck, gute Mitnahmemöglichkeiten für Fahrräder, einen großen Salon für 130 Fahrgäste.“ 250 Personen darf die für 300 Passagiere ausgelegte „Viking“ mit ihrer Binnenschiff-Zulassung maximal befördern – da ist also noch Luft an Bord. Für leckere Gastronomie zum Beispiel. Catering will Görrissen im Verbund mit dem Strandhotel anbieten, wo auch der Anleger des kleinen „Linienschiffs“ ist. Dass die neue „Viking“ in geordnete Verhältnisse kommt, ist auch kein Nachteil. Ihre Vorgängerin musste sich den Platz an der Brücke 2007 noch gegen erbitterte Widersacher erkämpfen. Damals war die in Danzig gebaute Fähre für ihre Reederei auch so eine Art Rettung.

Ihre legendäre Vorfahrin – die „Hansaline“ war mangels TÜV aus dem deutschen Seeverkehr gezogen worden und nach einer abenteuerlichen Überführung in Panama gelandet – wo sie noch heute amerikanische Kreuzfahrt-Touristen ausbootet. Die „Hansaline“-Nachfahrin aber fuhr aus den turbulenten Anfangsmonaten schnell in ruhiges Förde-Fahrwasser. „Wir transportieren jetzt jährlich gut 33  000 Passagiere“, sagt der Reeder. Mit dem modernen Schiff sieht er da durchaus noch Luft nach oben.

 

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erstellt am 28.Feb.2015 | 08:30 Uhr

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