Deutsch-dänisches Grenzgebiet : Lernen und leben für die Grenzregion

Unterstützen das Austauschprojekt: Merlin Christophersen, Projektleiter von „jUNG zuSAMMEN“, Knud-Erik Therkelsen, Generalsekretär des dänischen Grenzvereins, und Kristina Bonjet, Studentin aus Odense.
Unterstützen das Austauschprojekt: Merlin Christophersen, Projektleiter von „jUNG zuSAMMEN“, Knud-Erik Therkelsen, Generalsekretär des dänischen Grenzvereins, und Kristina Bonjet, Studentin aus Odense.

Bei einem deutsch-dänischen Jugendaustausch sollen Ideen für die Zukunft des Landesteils erarbeitet werden.

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16. Januar 2015, 17:30 Uhr

Eine grenzüberschreitende Jugendorganisation, ein Nahverkehrsticket für die gesamte Grenzregion oder eine bessere Anerkennung der Studien- und Berufsabschlüsse – das sind nur einige der Vorschläge, die junge Deutsche und Dänen im vergangenen Jahr gemeinsam erarbeitet haben. Im Rahmen des Interreg 4A Projekts „Düppel 2014“ war ein deutsch-dänischer Jugendaustausch unter dem Titel „jUNG zuSAMMEN“ entstanden. „Wegen des großen Erfolgs“, wie Projektleiter Merlin Christophersen betont, wird das Projekt in diesem Jahr fortgesetzt, jetzt allerdings vom Grænseforeningen, also vom dänischen Grenzverein.

Die jungen Erwachsenen im Alter zwischen 18 und 25 Jahren verbringen wie im vergangenen Jahr zwei Wochen im Sommer an der Højskolen Østersøen in Aabenraa und an der Nordsee Akademie in Leck. Dort sollen Ideen zur Entwicklung der Grenzregion entwickelt und anschließend regionalen Politikern im Folketing und im Landtag vorgestellt werden. Das ist aber nur ein Teil des Austauschs. Ebenso im Vordergrund steht das gegenseitige Kennenlernen.

2014 war der Austausch durch das Jubiläumsjahr des Deutsch-Dänischen Krieges noch sehr historisch geprägt. Jetzt soll es laut Knud-Erik Therkelsen, Generalsekretär des dänischen Grenzvereins, verstärkt um die Zukunft und Innovationen im Grenzland gehen. „Wie 1864 haben wir auch heute noch ein gemeinsames Schicksal. Es ist wichtig, dass sich junge Leute begegnen, ihre Verschiedenheit bewahren und gemeinsam an der Zukunft arbeiten.“ Der Grenzverein habe sich in der Vergangenheit immer für die Minderheiten eingesetzt. „Aber das geht nicht mehr, wir müssen uns gemeinsam für die Zukunft der ganzen Region einsetzen. Denn was für die Region gut ist, ist auch gut für die Minderheiten.“

Sicherlich könne man große Innovationen nicht in zwei Wochen entwickeln, sagt Therkelsen. „Aber wir fördern hier ganz konkret die Zusammenarbeit von morgen.“ Die kulturelle und sprachliche Vielfalt sei die Stärke der Region, „denn nicht durch Gemeinsamkeiten, sondern durch Unterschiede entstehen neue Ideen.“

Ein großes Problem, mit dem sich die Teilnehmer beschäftigen werden, ist die Entvölkerung in der Grenzregion. „Wie kann man die Region für junge Menschen zum Leben, Studieren und Arbeiten attraktiv machen?“, fragt Christophersen, „Wir fanden, dass es nichts besseres gibt, als junge Menschen selber danach zu fragen.“ Einer der großen Vorteile sei, dass es sich bei der Grenzregion zwischen Dänemark und Deutschland um eine offene Region handele. „Hier treffen die Kulturen zusammen und das wollen wir auch den Menschen in anderen Ecken von Deutschland und Dänemark zeigen.“ Der Erfolg habe sich im vergangenen Jahr ganz konkret bei einigen Teilnehmern gezeigt: „Ein junger Mann wollte am Anfang so schnell wie möglich nach Kopenhagen. Nachher wollte er dort zwar immer noch seinen Bachelor machen – aber später unbedingt in die Region zurückkehren.“ Andere hätten den Austausch als Anlass genommen, einen Deutsch- oder Dänischkurs zu beginnen.

„Das Konzept der Højskolen ist in Deutschland nicht so bekannt“, sagt Christophersen. „Dabei geht es nicht nur darum, zusammen zu arbeiten, sondern auch zusammen zu leben, miteinander umzugehen und daraus konkretes konkretes Handeln zu entwickeln.“ Für die dänische Studentin Kristina Bonjet war der Austausch „das Erlebnis meines Sommers.“ Sie hat immer noch Kontakt zu einigen deutschen Teilnehmern. Die Sprache sei dabei kein Hindernis gewesen – obwohl Kenntnisse der deutschen beziehungsweise der dänischen Sprache keine Voraussetzung für die Teilnahme sind. „Es finden sich immer Mitglieder aus den jeweiligen Minderheiten oder andere zweisprachige Teilnehmer, die für die anderen übersetzen“, erklärt Christophersen. Auch wünscht er sich, dass junge Leute aus allen Bereichen der Gesellschaft teilnehmen.

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